Faire Phones

Fairphone und Shiftphone: Nachhaltig produzierte Smartphones

Zwei Unternehmen gehen bei der Produktion ihrer Mobiltelefone einen anderen Weg als die großen Hersteller. Fairphone aus den Niederlanden und Shiftphone aus Deutschland wollen in erster Linie nachhaltig produzieren.

  1. Fairphone und Shiftphone: Nachhaltig produzierte Smartphones
  2. Faire Smartphones aus Deutschland
Android Shift Phone

© Shift

Da sich das Backcover des Shiftphones leicht abnehmen lässt, kann man das Äußere mit einer Reihe von Farben aufpeppen.

Fast jeder von uns hat sein Smartphone täglich in der Hand. Die kleinen Allrounder sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Und jedes Jahr steigen die Verkaufszahlen für Smartphones weiter an. Einer Studie der International Data Corporation (IDC) zufolge wurden 2016 fast 1,5 Milliarden Geräte verkauft. Eine gewaltige Zahl, die sich mit den schnellen Produktzyklen der Geräte erklären lässt. Zudem liegt die Nutzungsdauer durchschnittlich bei nur zwei Jahren. Defekte Telefone werden selten repariert. Lieber kauft man gleich ein neues, um technisch up to date zu bleiben.​

Dazu kommt, dass eine Reparatur durch das Gerätedesign herstellerseitig erschwert wird. Es ist den Verkaufszahlen natürlich abträglich, Modelle mit längerer Haltbarkeit zu produzieren. Der Displaytausch eines iPhone 7 benötigt beispielsweise vier verschiedene Schraubendreher. Samsung verklebt bei seinem Galaxy S7 viele Teile, wodurch eine Reparatur zum Kraftakt wird. Hinzu kommen hohe Kosten: Die Display-Einheit eines Galaxy S7 Edge kostet knapp 400 Euro. Für den Preis kauft man sich lieber gleich ein neues Handy. In den USA soll ein Gesetz nun die Hersteller verpflichten, Reparaturanleitungen und Ersatzteile zur Verfügung zu stellen. Bei Apple trifft dies bereits auf Unmut.​

Kann es ein faires Smartphone geben? 

Um so viele Smartphones zu bauen, benötigt man natürlich einen riesigen Berg an Rohstoffen. Ungefähr 60 verschiedene Materialien stecken in einem Handy. Mehr als die Hälfte davon sind Metalle. Lithium für den Akku, Gold für die Kontakte, Zinn für die Lötstellen und Tantal für Kondensatoren. Diese Rohstoffe werden häufig unter menschenunwürdigen Zuständen in Afrika gewonnen. Sogar Kinder graben dort in selbst gebuddelten​ Minen nach den wertvollen Metallen. Auch bei der Montage sind die Arbeitsbedingungen meist schlecht. Der überwiegende Teil an Smartphones wird in China zusammengebaut. Üblich sind 90 Wochenstunden, die die Arbeiter auf sich nehmen, um ihren ohnehin kargen Lohn nicht noch niedriger ausfallen zu lassen. Arbeits- und Gesundheitsschutz wie in Deutschland sind nicht an der Tagesordnung.​

Fairphone 2

© Fairphone

Das Fairphone ist überwiegend modular aufgebaut und lässt sich sehr einfach in seine sieben Einzelelemente zerlegen. Ruck, zuck kann man auch als Laie die Displayeinheit oder die Kamera tauschen. Das garantiert eine lange Lebenszeit und hilft später beim Materialrecycling.

Ein komplett faires Smartphone zu bauen ist jedoch noch nicht möglich, da man als Hersteller über die Herkunft und Verarbeitung jedes einzelnen Stoffes Bescheid wissen müsste. Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt nahezu unmöglich, da viele verschiedene Unternehmen in die Fertigung involviert sind. Die Macher der Fair- und Shiftphones geben selbst zu, kein komplett faires Smartphone zu bauen. Allerdings unternehmen sie viel, um die Fabrikation ihrer Geräte so transparent wie möglich zu gestalten. Fairphone schlüsselt alle Kosten für Herstellung, Steuern und Investitionen genau auf und gibt auch den eigenen Gewinn pro Gerät an. Zudem offenbaren die Niederländer einen detaillierten Einblick in ihre Zuliefererkette. Wer möchte, kann sich eine zehnseitige Liste mit Namen und Adressen jedes einzelnen Lieferanten herunterladen. Mehr Transparenz geht fast nicht.​

Da kann Shift noch nicht mithalten. Im „Shift Report“ gibt das Unternehmen immerhin viele Auskünfte, was fair bei Shift bedeutet, wie die Fertigung aufgebaut ist und mit welchen Organisationen die Firma zusammenarbeitet.​

Modulbauweise bringt Nachhaltigkeit 

Großes Plus beim Fairphone: Mit ein paar einfachen Handgriffen und einem Schraubendreher können selbst Techniklaien das Mobiltelefon in seine Einzelteile zerlegen und bei einem Defekt das entsprechende Modul einfach gegen ein neues austauschen. Alle Ersatzteile lassen sich recht günstig über den Onlineshop bestellen, ein neues Display kostet beispielsweise 85,70 Euro. Der leichte Austausch von Teilen schont die Umwelt und macht die Geräte zukunftssicher. Hinzu kommt, dass die Niederländer die Metalle Gold, Tantal, Zinn und Wolfram nach eigenen Angaben aus konfliktfreien Minen beziehen. Das Smartphone selbst wird zwar in China zusammengesetzt, jedoch unter verbesserten Arbeitsbedingungen mit höheren Löhnen und Versicherungen für die Arbeiter. Menschen werden laut Fairphone bei der Herstellung nicht ausgebeutet.​

Durch die modulare Bauweise ist das Fairphone für heutige Verhältnisse ungewöhnlich dick. Einen Schönheitspreis gewinnt es mit seinem klobigen Kunststoffgehäuse sicher nicht. Für 520 Euro könnte man dahingehend mehr erwarten. Andererseits ist es gar nicht das Bestreben des Fairphones, ein ästhetisches Designerhandy zu sein, der Fokus liegt auf den Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten. Dafür nimmt man auch leichte technische Abstriche in Kauf. Das Fairphone ist zwar gut ausgestattet, jedoch sind die verwendeten Komponenten nicht auf dem neuesten Stand der Technik, wie wir bereits in unserem​ Labortest des Fairphone 2​ festgestellt haben.​

Einblick ins Testlab

Quelle: connect
Bei der Messung der Sendeleistung eines Smartphones beim Telefonieren fährt eine Messantenne vertikal um das am künstlichen Kopf angebrachte Smartphone. Der künstliche Kopf steht auf einer horizontal drehbaren Plattform, so dass jeder Winkel erfasst wird.

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