Wie kommt der Ton am besten aus dem Player?

Ratgeber: High-Definition Tonformate

Die neuen High-Definition-Tonformate können auf drei Wegen den HD-Player verlassen, Wie klingt's am besten?

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Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Diese rein philosophische Frage bekäme doch eine ganz neue Bedeutung, gäbe es tatsächlich einen geschmacklichen Unterschied - je nachdem, ob nun das Ei von der Henne oder die Henne vom Ei abstammt. In der HiFi-Welt geht zurzeit eine ähnliche Frage um: Sollen Blu-ray- und HD-DVD-Spieler die neuen, hochauflösenden Tonformate dekodieren? Oder soll der AV-Receiver die komplette Rechenarbeit übernehmen?

Drei Wege

Wir erinnern uns: Es gibt neue Tonformate von Dolby und DTS speziell für HD-Scheiben aus beiden Lagern, Blu-ray und HD-DVD. Einige Formate, Dolby TrueHD und DTS-HD Master, speichern den Soundtrack unkomprimiert, mit bis zu 96 Kilohertz und 24 Bit auf möglichen acht Kanälen. Da hüpft jedes audiophile Herz vor Freude. Um diese hochwertigen Audiosignale aus dem Player zu bekommen, gibt es drei Möglichkeiten.

  • Der Player dekodiert, wandelt und gibt die Signale analog aus.
  • Der Player dekodiert und gibt die Toninformationen als PCM-Signale digital an den Receiver weiter.
  • Der Player macht gar nichts und leitet die HD-Daten direkt als Bitstream an den AV-Verstärker.AUDIO holte sich kurzerhand die ersten HD-Player, die auch wirklich alle drei Optionen anbieten in den Hörraum und probierte alle Varianten aus.

Lieber digital

Ein HD-DVD-Zuspieler, der die neuen Tonformate nicht nur dekodieren, sondern auch als originären Datenstrom per HDMI 1.3 ausgeben kann, kam frisch aus dem Entwicklungslabor in Osaka eingeflogen: der Onkyo DV-HD 805. Auf dem deutschen Markt erst ab November für rund 900 Euro erhältlich, konnte er im AUDIO-Hörraum schon mal zeigen, was er draufhat. Sein Kollege aus der Blu-ray-Fraktion stammt von Samsung; den BD-P 1400 gibt's ab Oktober für rund 600 Euro. Beide Player verstehen die High-Definition-Codecs von Dolby und DTS und können diese sowohl digital als auch analog über einen 5.1-Ausgang weiterreichen. Die analoge Variante, so viel sei schon mal gesagt, empfiehlt sich nur für Bildfans, die es gar nicht abwarten können mit dem Filmgenuss und die nur einen älteren AV-Receiver ohne mindestens eine PCM-fähige HDMI-Schnittstelle besitzen. Obwohl HDMI seit der Version 1.1 theoretisch auch mehrkanaliges PCM verarbeiten kann, unterstützen einige AV-Verstärker leider nur die Stereo-Version.

Das wäre aber beispielweise bei der HD-DVD von Cream, "Royal Albert Hall", ein wirkliches Versäumnis. Denn wenn Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker in brillanter Video- und Tonqualität losrocken, ist der Unterschied von analog zu digital so deutlich wie Tag und Nacht. Zwar klingt der sechskanalige DTS-HD-Master-Soundtrack auch analog ausgegeben noch eindrucksvoll, spielt detailliert Becken und Percussion aus und verspottet die Klangqualität jeder DVD. Doch wenn der Player seinen eigenen D/A-Wandlern eine Pause gönnte und die entschlüsselten Toninformationen als PCM-Signale an den Receiver weitergab, steigerte sich die Räumlichkeit der Halle überraschend deutlich. Plötzlich war diese riesige Royal Albert Hall gefüllt mit Zigtausend begeisterten Fans, die auf Rängen bis unter das Dach saßen und den Klang authentischer machten. Lieber Receiver

Noch räumlicher allerdings, mit noch mehr beeindruckenden Details versehen und insgesamt strukturierter wurde die Cream-Performance, als nicht mehr die Chips des HD-Players den Soundtrack entschlüsselten, sondern dieser einfach den Datenstrom direkt an die Receiver weiterreichte. Egal, ob Denon, Pioneer, Onkyo oder Yamaha - jeder AV-Verstärker schien mehr Klang aus den kodierten Daten zu rechnen, mehr Raum zu entnehmen und mehr feine Details zu entziffern. Derselbe Vorgang wiederholte sich übrigens auch mit Dolby-TrueHD-Material, dargeboten vom Blu-ray- oder HD-Player. Und dies, obwohl in den meisten aktuellen Spielern doch dieselben Prozessoren für den HD-Ton steckten wie in den AV-Receivern selbst. Theoretisch sollten die Unterschiede also minimal, wenn nicht gar akademisch sein. Doch weit gefehlt: Die AUDIO-Redakteure saßen zumeist fassunglos beisammen, hörten einzeln, hörten gemeinsam und kamen immer wieder zu demselben Schluss: Der Unterschied ist weder klein noch akademisch. Einziges Manko: Blu-ray-Disc und HD-DVD wurden auch für interaktive Inhalte entworfen, bei denen sich die Tonformate mischen sollen. So kann die HD-Tonspur eines Konzertes beispielsweise mit einer komprimierten Dolby-Digital-Plus-Kommentarspur gemixt werden. Allerdings nur dann, wenn der Player diese Mischarbeit und damit die Dekodierung übernimmt. Bei der Bitstream-Ausgabe blieben die Extras stumm, genauso wie die meisten Klick-Töne der interaktiven Menüs. In diesem Falle schaltet man einfach auf die PCM-Ausgabe über HDMI. Aber nicht vergessen, für den wahren HD-Genuss mit Dolby TrueHD und DTS-HD Master wieder die Bitstream-Ausgabe zu aktivieren.

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