Testbericht

Focal Electra 1037 BE

Höchstnoten streicht die Focal für ihre Verarbeitung ein: Das rot gebeizte Kirschholz strahlt, der Lack wirkt edel, die Oberseite der Box ziert eine Glasplatte. Klingt sie so edel, wie sie aussieht?

  1. Focal Electra 1037 BE
  2. Datenblatt
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Stolz auf "ihre" Marke können auch die Fans der französischen Schmiede Focal sein. Grande Utopia heißt ihr Traum - ein Boxen-Monument für 70000 Euro. Etwas mehr als ein Zehntel davon kostet die Electra 1037 Be, doch die Verwandtschaft ist klar zu erkennen: Der Beryllium-Hochtöner hat seine eigene metallene Behausung. Die ist gebogen, um Kantenreflexionen keine Chance zu geben - denn im unteren Bereich zwischen 2 und 6 Kilohertz strahlt die Inverskalotte auch zur Seite ab.

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Der Metallträfer der Beryllium-Kalotte hat eine runde Schallwand - das mindert Kantenreflexionen. Direkt dahinter arbeitet die Frequenzweiche.

Einen ungeheuren Aufwand leisten sich die Franzosen bei der Herstellung der nur Millimeterbruchteile starken Beryllium-Membran: Nur im Schutzanzug dürfen die Mitarbeiter die Plättchen des teuren Metalls zu Membranen stanzen. Wer die fertige Box im Wohnzimmer stehen hat, muss sich indes keine Sorgen machen: Solange die Kalotte nicht zersplittert, ist das Metall völlig ungiftig. Gegenüber dem kleineren Schwestermodell 1027 Be fallen vor allem der dritte Tieftöner und das höhere Gehäuse auf. Die drei Bässe der 17-Zentimeter-Klasse - wie der Mitteltöner aus einem Glasfaser-Schaum-Sandwich - erhalten Unterstützung durch ein Reflexrohr, das um einiges tiefer abgestimmt werden konnte als bei der 1027 Be. Das mächtige Teil sitzt im Sockel der Box, die Formgebung der beiden Füße ging in die Berechnung mit ein.

Höchstnoten streicht die Focal für ihre Verarbeitung ein: Das rot gebeizte Kirschholz strahlt, der Lack wirkt edel, die Oberseite der Box ziert eine Glasplatte. Für Möbelpacker ist sie dagegen ein Albtraum: Enorme Wandstärken und zahlreiche Verstrebungen des Gehäuses treiben das Gewicht in muskelfordernde Höhen.

Charmant, charmant

Im Hörraum musste sich die Electra gegen die Revel Performa F-52 behaupten. Ein reizvolles Duell, kämpfen die Französin und die Amerikanerin doch von der Chassis-Kombination und dem Preisschild her in derselben Klasse. Jacques Loussiers Variante von Bachs Italienischem Konzert ("Play Bach" in der neuen Version auf Telarc) offenbarte die völlig unterschiedliche Bassabstimmung: Wo die Revel einen schlanken und kickenden Tiefbass lieferte, tönte die Focal untenherum fetter und souveräner, konnte allerdings einen Hang zu etwas weicherem Bass nicht verhehlen. Den Stoppok-Song "Leise" nahm die Electra nicht wörtlich: Glasklar, aber etwas übertrieben schälte sie die Zischlaute und die fetten Tiefbässe aus der Aufnahme, wo die Revel sich in angenehmer, weniger detailverliebter Zurückhaltung übte.

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Das tief abgestimmte Reflexrohr endet im Sockel der Electra, der Fußboden ist in die Abstimmung eingerechnet.

Dvoraks 9. Sinfonie in der Aufnahme unter Paavo Järvi (Telarc) verlangte beiden Standboxen audiophile Höchstleistungen ab: Die Revel stellte die massive Blechbläser-Batterie souverän-gelassen in den Hörraum, während die Focal das entscheidende Quentchen Höhenglanz und Raumbreite hinzufügte. Zusammen mit dem zu massiven Tiefton wirkte das beeindruckend und effektvoll, doch bei längeren Hörsessions ermüdete es stärker als über die Revel.

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Von der Electra 1027 Be kann sich die 1037 Be  nicht absetzen: Den Vorsprung der Großen in Dynamik und Tiefbass macht die Kleine durch eine neutralere Abstimmung wieder wett. Für Focal-Fans kann die neue 1037 trotzdem die richtige Wahl sein: Sie ist erwachsener und tonal näher an der riesigen Grande Utopia.

Focal Electra 1037 Be

HerstellerFocal
Preis8000.00 €
Wertung96.0 Punkte
Testverfahren1.0

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