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Focal Kanta No. 3 im Test

Die Focal Kanta No. 3 bekommt man in zahlreichen Farb-Kombinationen. Der Glasdeckel ist das Design-i-Tüpfelchen. Dass sie aber auch überzeugt, zeigt unser Test.

Focal Kanta No. 3 im Test

© Focal

Focal Kanta No. 3

Pro

  • warmer Klang mit großer Klangfarbenvarianz

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 82 Punkte; Klang: absolute Spitzenklasse (63 Punkte); Preis/Leistung: sehr gut

Mit dem Standlautsprecher Kanta No. 3, der kompakten Kanta No. 1 und dem Kanta-Center ist Focals neueste Baureihe nun vollständig. Das Schöne: Man kann sich nicht nur ein richtiges Surround-Set in den Hörraum stellen, sofern der Bedarf besteht, man hat auch eine ungewöhnlich große Auswahl bei der Optik der Lautsprecher. 

So ist das Gehäuse in schwarzem Hochglanz oder in Walnussfurnier erhältlich. Vom Gehäuse hängt dann die Auswahl der Farben für die Front ab. Wählt man Hochglanz, darf die Front weiß, blau, gelb oder schwarz sein – jeweils hochglänzend. 

Wählt man den Walnussfurnier-Korpus, stehen matte Fronten in Elfenbein, Taupe (Braungrau), Blau und Dunkelgrau zur Auswahl. Das sind teilweise sehr interessante Kombinationen, zu finden auf focal.com.

15, 25, 70 Prozent

Technisch gibt es bei der großen Kanta No. 3 keine großen Überraschungen. Auch hier sitzen die Flachsmembran-Chassis für den Mittel-/Tiefton-Bereich. Die Schallwand hat denselben charakteristischen Knick und auch die Zahl der Treiber ist identisch mit der der Kanta No. 2

Doch schauen wir uns das doch nochmal im Detail an. Die Front, die der Focal ihr Gesicht verleiht, besteht aus HDP, also einem hochdichten Polymer (High Density Polymer). Gegenüber MDF, dem wohl klassischsten Werkstoff für Lautsprechergehäuse, bietet HDP eine um 70 Prozent höhere Dichte, eine um 15 Prozent höhere Steifigkeit und 25 Prozent mehr Dämpfung. 

Das Material punktet also in allen Aspekten, die für einen Lautsprecher so wichtig sind. Dieses Material dort einzusetzen, wo die Chassis verschraubt werden, ist sinnvoll. Beim restlichen Korpus setzt Focal auf hochwertiges Schichtholz. Die geschwungene Form ist das Lautsprecher-Pendant zu Curved-Fernsehern.

Focal Kanta No. 3 im Test - Seitenansicht

© Focal

Von der Seite ist schön die leichte „Bananen-Form“ der Schallwand zu erkennen. Sie soll dafür sorgen, dass alle Treiber gleich weit von den Ohren des Hörers entfernt sind.

 Argumentiert man bei den TV-Geräten, dass die Seiten des Bildes dank Krümmung genau so weit vom Auge entfernt sind wie der mittlere Bildbereich, ist es hier im Grunde genauso. Alle Chassis sind gleich weit vom Ohr entfernt, was Laufzeitfehler verringern soll. 

Zusätzlich sollen die abgerundeten Kanten Kantenreflexionen verringern. Wer genau hinsieht, entdeckt zudem eine ganz dezente Schallführung um den Hochtöner.

Hochtöner

Dieser ist wohl auch der interessanteste Treiber der Kanta-Serie. Er besteht aus dem Leichtmetall Beryllium. „Klar“, werden Sie sagen, „kenn’ ich aus den Bremsscheiben des Space Shuttle und den vakuumdichten Detektorröhren im Large Hadron Collider“. Und eben aus den Hochtönern der (unter anderem) Focal-Kanta-Serie. 

Der Hochtöner ist gegenüber dem Modell der Kanta No. 2 im Durchmesser um knapp zwei mm auf 27 mm gewachsen. Focal fertigt die Kalotte im eigenen Haus, was gar nicht so einfach ist. Die Kalotte wird dann mit einer Schwingspule verklebt, seitlich wird sie von einer Sicke aus Schaumstoff gehalten. 

Diese sorgt nicht nur für eine saubere Bewegung, sondern soll auch Resonanzen verhindern. Hinter dem Hochtöner sitzt eine kleine, offene Kammer, die mit Dämmmaterial aufgefüllt wird. Vorbild war hier die Electra-BE-Serie. Der Einsatzbereich des Hochtöners beginnt bei 2500 Hertz.

Focal Kanta No. 3 im Test

© Focal

Die inverse Membran aus Beryllium baut Focal selbst. Geschützt wird sie durch ein nicht abnehmbares Gitter. Nach hinten arbeitet sie auf ein aufgeweitetes, mit Dämmmaterial gefülltes Volumen.

Sandwich mit Flachs

Die Tief- und Mitteltöner mit einer Membran aus einem Glasfaser-Flachs-Sandwich kennt man nun auch schon ein paar Jahre. Ein Hingucker sind sie immer noch. Klar, dass das Material eine hohe Steifigkeit, eine gute innere Dämpfung und ein geringes Gewicht kombiniert, sonst würden die Franzosen es wohl kaum einsetzen. 

Auch diese Sandwiches bauen die Focalisten in Frankreich selbst. Der 16,5-cm-Mitteltöner wird von einer TMD-Sicke (Tuned Mass Damping) eingefasst. Hierbei handelt es sich um zwei unterschiedlich starke, ringförmige Verdickungen der Sicke. Sie sollen die Eigenresonanz unterdrücken, was laut Focal zu einer verzerrungsfreieren Mittenwiedergabe führt. 

Mittel- und Tieftöner (21 cm) haben den NIC-Antrieb (Neutral Inductance Circuit) gemein. Hier sorgt ein Faraday-Ring im Magnetsystem für ein stabileres Magnetfeld und eine gleichmäßigere Impedanz. Das soll der Präzision zugutekommen. Unterstützung erfährt der Bass durch zwei unterschiedlich abgestimmte Bassreflexöffnungen:

eine vorne, eine hinten, die beide vom selben Luftvolumen angetrieben werden. Sie sollen für einen geschmeidigen Übergang im Basscharakter zwischen den direkt spielenden Konen und den Reflexrohren sorgen. Wer die Treiber nicht sehen möchte, kann magnetisch gehaltene Abdeckungen nutzen.

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Box für Genießer

Die Kanta No. 3 stand ungewöhnlich lange bei uns im Hörraum. Ich habe sie in den vergangenen Monaten immer wieder für Hörtests anderer Geräte als Schallwandler eingesetzt. Sie muss also irgendetwas richtig machen. Tatsächlich macht sie ziemlich viel richtig, angefangen bei ihren Klangfarben. 

Die Kanta No. 3 tendiert wie auch die No. 2 ein wenig ins Warme. Das ist natürlich gewollt und Focal verspricht es auf der Homepage auch. Dadurch versteht sich die No. 3 sehr gut darauf, kritischen Aufnahmen den Zahn zu ziehen. Auch Metal à la Municipal Waste oder Tool klang angenehmer als über viele andere Lautsprecher. 

Und dank ihres Auflösungsvermögens entsteht dennoch zu keiner Zeit das Gefühl, dass sie Nuancen, seien sie noch so fein, unterschlägt. Das zeigen etwa immer wieder die ersten zwei Minuten von Tools „Eulogy“ sehr schnell und deutlich. Von Gemütlichkeit kann hier also keine Rede sein, denn die Genauigkeit der Box ist hervorragend. 

Das betrifft auch die Abbildung: Wie ihre kleine Schwester baut sie große, plastische Klanglandschaften vor dem Ohr auf, die Bühne überzeugt in allen Dimensionen und ufert in keine Richtung unsinnig aus. Der Bass, hier noch eine Nummer besser als bei der No. 2. 

Eine freie Aufstellung vorausgesetzt, bekommt man hier eine traumhaft gute Box, mit der man viele Jahre glücklich sein kann.

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