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Kopfhörer

Focal Stellia im Test

Die Franzosen sind uns voraus. Wir können Technologie, die Franzosen setzen noch Stil dazu. Der Stellia von Focal schmeichelt Augen, Händen und natürlich Ohren. Lesen Sie zu diesem Kopfhörer unseren Test.

Focal Stellia im Test

© Focal

Focal Stellia im Test - Himmlisch perfekt

Pro

  • großartige Beryllium-Wandler
  • maximal hochauflösend

Contra

Fazit

Stereoplay Gesamturteil: 83 Punkte; Klang: 68 Punkte; Preis/Leistung: überragend

Die Franzosen haben einfach mehr Stil. Unsereins verpackt seine Kopfhörer in Jute und Karton, Focal hingegen schickt seinen Stellia in der Lederschatulle in die Welt. Das Auspacken wird zum Erlebnis. Mit einem satten Schmatz löst sich die Oberseite von der Unterseite der Verpackung. Dann trifft man auf ein schönes Hardcase mit dem Kopfhörer daselbst. 

Darunter noch eine weitere Schatulle. Diesmal zum Klappen – und frei wird der Blick auf gleich zwei Anschlusskabel, wahlweise mit XLR-Stecker oder 6,3er-Klinke. Selbst die Bedienungsanleitung wird von Leder umfasst. Edel geht die Welt zugrunde. Lässt sich das noch toppen? 

Überraschenderweise ja. Der Kopfhörer selbst legt die Messlatte noch höher. Ein kleiner Ledersticker mit Aufdruck sagt uns, dass hier alles, was wie Leder aussieht auch ebendieses ist. Man muss sich in dieses Kunstwerk verlieben. Auch die Wortstrategen haben schöne Begriffe gefunden. 

Hier werden die Farben Mocca und Cognac miteinander kombiniert. Die Bügel und die äußeren Schalen bestehen aus mattiertem, eingefärbtem Aluminium. Selbst das Finish der Kabel ist perfekt abgestimmt. Dazu noch ein eingraviertes, stolzes „Fabriqué en France“. Die Franzosen haben einfach mehr Stil.

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Günstig geht anders 

Aber leider haben sie auch konkrete Preisvorstellungen. Die Preisempfehlung liegt bei 3000 Euro. Auch das ist stolz. Aber wir wissen: Damit ist die Welt von Focal noch nicht am Ende. Der vor drei Jahren vorgestellte Utopia-Hörer lag gar bei 4000 Euro – und war ein offenes Modell. 

Mit dem Stellia wollte Focal nun einen geschlossenen Wandler folgen lassen. Dumme Quizfrage und Überleitung: Was zeichnet die großen Lautsprecher von Focal aus, was ist das unverwechselbare Erkennungszeichen? Genau – ein Beryllium-Töner in der Höhe. 

Das Material ist teuer und selten. Wer etwas tiefer recherchiert, erfährt, dass es sich hier um ein Erdalkalimetall handelt. Die Dichte ist noch höher als bei den direkten Verwandten, Magnesium und Calcium. Die Vorräte weltweit werden von Experten auf 80 000 Tonnen geschätzt. 

Immerhin. Aber: Die Gewinnung ist aufwendig, zudem muss Beryllium aufwendig versiegelt werden, weil es giftig ist. Die High-End-Fans lieben an dem Material das hohe Tempo, die Steifigkeit, die souveräne Spielfreude auch bei hohen Pegeln. 

Im Stellia vertraut Focal den kompletten Frequenzgang nur einer einzigen Membran aus Beryllium an, die mit 40 Millimetern in der Diagonale recht groß ausgefallen ist. Hier geht es von fünf bis 40 000 Hertz hinauf. Für Connaisseure besonders bewundernswert: Antrieb und bewegte Masse liegen bei nur 135 Milligramm.

Focal Stellia im Test - Verpackung

© Focal

Alles in der Schatulle: Schöner lässt sich ein Kopfhörer und sein Zubehör nicht verpacken. In einer eigenen Sub-Schatulle verstaut Focal zwei Anschlussoptionen, zwei Kabel wahlweise mit XLR oder Klinken-Anschluss. Selbst die Bedienungsanleitung liegt in einer eigenen Lederhülle.

Man vergisst die Welt

Der Tragekomfort könnte nicht besser sein. Wir haben heftig gehört und sind dem Stellia irgendwann in Liebe verfallen. Ganze Opern haben wir in einem Rutsch durchgehört. Irgendwann vergisst man, dass man Muscheln auf den Ohren hat.

Wer ein wenig mäkeln will: Die Kabel sind nicht frei von einer Geräuschübertragung an die Klangwandler. Doch mal ehrlich: Wer reibt während des Hörens die ganze Zeit an der schönen Stoffummantelung? Also vernachlässigenswert. 

Focal besteht mittlerweile seit 40 Jahren. Es darf gefeiert werden. Zudem sollte man sich an die Meriten erinnern. Wir haben die Lautsprecher hochleben lassen. Mit jeder neuen Serie waren wir von der Klangästhetik der Franzosen aufs Neue fasziniert. 

Genau die gleichen Werte hat Focal auch dem Stellia antrainiert. Das war wunderbar körperbetont, dazu maximal hochauflösend. Da darf man auch einmal den Superlativ aus der Sprachkiste holen: Selten bis nie ist uns ein Kopfhörer begegnet, der diese Fülle an Informationen zu managen wusste. 

Als erste Testmusik streamten wir das neue Remastering von Wagners „Tannhäuser“ zu – in 24 Bit und 96 Kiloherz, Sir Georg Solti dirigiert die Wiener Philharmoniker.

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Es beginnt sanft, fast unscheinbar mit einem Choral der Holzbläser – klasse, wie der Stellia schon in diesen wenigen Takten den Hörraum absteckte, wie herrlich konkret das Klangbild war.

Dann die volle Wucht der Blechbläser und das konturstarke Vibrato der Streicher – als ob die Sonne aufginge, diese Lust an der Dynamik. Alles zeichnete der Focal im vollen Reichtum nach. Man spürte die hohe Agilität der Beryllium-Membran. 

Ab diesem Moment waren wir verloren, wir hörten die komplette Oper durch, drei Stunden Hochgenuss. Vor allem diese Abbildung von Singstimmen – das kannten wir nur von großen Standboxen, wenn ein Sänger leibhaftig vor einem zu stehen scheint. Mit so einem Kopfhörer will man feine, emotionale Musik hören. 

Hier ein Lauschtipp: das neue Album von Avishai Cohen – „Arvoles“. Das Schlagzeug ist impulsiv, das Klavier und die Bläser entwerfen komplexe Melodie-Phrasen – und natürlich der schreitende, energievolle Bass. Das geht herunter wie Honigmilch. 

Der Stellia prahlte regelrecht mit Luftig- und Leichtigkeit. Alles gelang so mühelos. Alles dabei strickt linear und dennoch glutvoll. Hier ist die lauteste Kaufempfehlung angebracht, die wir hinausposaunen können.

Fazit

Diese Fülle an Informationen, diese stimmige innere Harmonie. Dieser Kopfhörer spielt in der höchsten Liga. Jedes kleinste Detail ist Focal gelungen. Allem voran natürlich der großartige Beryllium-Wandler. Das Klangbild hat Tempo, Präzision, Leichtigkeit – wie es schöner nur schwerlich sein könnte. In diesen Wunderwandler sollte man hineinhören, dabei das Schwestermodell Utopia mit mehr Bass nicht vergessen.

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