Testbericht

Lautsprecher B&W XT 8

B&W hat seine neue XT 8 (3000 Euro) vordergründig ganz auf Design getrimmt. Gelingt der Spagat zwischen Kraft und Schönheit?

Lautsprecher B&W XT 8

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Die Membran des Mitteltöners ist aus gelb schimmerndem Kevlar geformt. Eine gleitende Führung ohne konventionelle Sicke verhindert Klangverluste durch Randreflexionen.

Wenn neue Produkte in die Läden kommen, dann erwarten kaufwillige Fans immer neue Klangrekorde. Doch gerade bei Boxen, den visuell auffälligsten Bausteinen der Kette, muss auch die Optik stimmen. Andernfalls mutiert der vermeintliche Stückzahlrenner zum Ladenhüter, den nur schmerzfreie Puristen in die engere Wahl nehmen.

Manche schwören auf schlanke und runde Formen wie bei der neuen XT 8 von B&W, andere mögen es kantig und konventionell. Auch was Art und Beschaffenheit der Oberflächen angeht, gehen die Geschmäcker auseinander, was oftmals einer Vorentscheidung gleichkommt, denn nicht alles lässt sich auf dem gleichen Grundgehäuse verwirklichen. Auf Metall beispielsweise hält kein Holzfurnier, auch Lack haftet nur auf einem geeigneten Untergrund.

Große Hersteller wie B&W liefern daher zunehmend Baureihen, die sich preislich überschneiden, optisch und teilweise auch klanglich jedoch recht unterschiedlich ausfallen.Die hier zur Diskussion stehende XT 8, die für rund 3000 Euro den Besitzer wechselt, ist ein auffallend attraktiv geformter, nur 15 Zentimeter breiter Designschallwandler, der dennoch hohe Ansprüche erfüllen soll. Dazu hat der Hersteller alle nur denkbaren Register gezogen, was man der auch haptisch überaus gelungenen Box auf den ersten Blick kaum ansieht.

Lautsprecher B&W XT 8

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Die Röntgen-Darstellung lässt wuchtige Magnete und tief bauende Körbe erkennen. Die Reflexrohre sind L-förmig gewinkelt, um die für eine betont tiefe Abstimmung (zirka 38 Hertz) notwendigen Längen unterzubringen. Zwischen den oberen beiden Konuschassis ist ein Trennelement zu erkennen, welches den Mitteltöner vom Toben der Bässe isoliert. Die Röhre des Hochtöners versinkt zur Hälfte im Gehäuse.

Parallel zur XT-Serie, zu der auch ein Center und Kompaktmodell gehört, gibt es bei B&W nach wie vor konventionelle Standboxen mit voluminöseren Gehäusen auf Holzbasis. Technisch am dichtesten an der XT 8 dran ist die CM 9 (stereoplay 3/2009), ebenfalls eine Dreiwegebox mit Doppelbass und einem sickenlosen Mitteltöner, der durch den Verzicht auf eine konventionelle Randaufhängung besonders fein und kontrolliert klingen soll.

Doch welche klingt besser, welche hat die besseren Messwerte? Zunächst spricht alles für die 500 Euro günstigere CM 9: Das üppigere Volumen und größere Konuschassis sichern ihr den geringeren Wattbedarf und eine höhere maximale Lautstärke.

Doch auch die schlanke XT 8 hat ihre Stärken, und zwar dort, wo man es kaum vermutet, nämlich im Bass. Während die CM 9 unterhalb 80 Hertz sanft, aber doch merklich in die Knie geht, marschieren die beiden jeweils 13 Zentimeter großen High-Tech-Treiber der XT 8 mit ihren Membranen aus einer dunkelgrauen Kevlar-Papier-Mischung bis etwa 40 Hertz ohne nennenswerte Pegelverluste. Die XT 8 ist bei gleicher anliegender Spannung leiser als die CM 9, liefert aber relativ zu den Mitten und Höhen mehr Tiefbass.

Woran liegt's? Einmal ist das Alugehäuse im Inneren nicht so klein, wie die äußere Erscheinung vermuten lässt. Die Alubox ist zwar schmaler, gleichzeitig aber gut 10 Zentimeter höher. Zudem profitiert sie von geringeren Wandstärken, was dem Nettovolumen nochmal auf die Sprünge hilft. Entscheidend sind die elektrischen und mechanischen Parameter der Basschassis, bei denen B&W eindeutig andere Schwerpunkte setzt.

Aus den Schalldruckkurven nicht ablesbar sind die Unterschiede im Schwingungsverhalten der Gehäuse. Die Aluprofile der XT 8 speichern weniger Energie, was sich mit einem simplen Klopftest demonstrieren lässt: Ihre Seitenwände bleiben nahezu stumm. Bei der CM 9 ist ein deutliches, wenn auch gut gedämpftes "Tock-Tock" zu hören. Bei der XT 8 macht sich neben den grundlegenden Vorzügen von Aluminum der Stabilisierungseffekt der Rundungen bemerkbar, auf welche die CM 9 verzichten muss.

Lautsprecher B&W XT 8

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Dem Hochtöner ist eine Dämmröhre nachgeschaltet, die die rückwärtigen Schallteile schluckt, statt sie zurückzuwerfen. Der Klang gewinnt so an Reinheit.

Für die nötige Standsicherheit sorgt bei der XT 8 eine runde Sockelplatte, die größtenteils aus schwerem Gusseisen besteht; darauf sitzt ein Überzug aus Aluminium. Die schlanke Säule ist im übrigen schwerer, als sie aussieht: Fast 25 Kilogramm wiegt eine XT 8, lediglich 8 Prozent weniger als die CM 9.

Dass CM 9 und XT 8 letztlich doch die gleiche Handschrift tragen, sieht der Kenner beim Vergleich der Schalldruckkurven in den Mitten und Höhen. Da beide Frequenzweichen Filter erster Ordnung verwenden (Vorteil: hohe Impulstreue, Nachteil: große Überlappungsbereiche), ist der Kurvenverlauf jeweils leicht wellig, über alles aber ausgewogen.

Jenseits von 30 Kilohertz, weit außerhalb des Hörbereichs, ragt beide Male die Resonanz des Hochtöners empor. Andere Hersteller unterdrücken dieses bei Metallmembranen übliche Verhalten mit Streulinsen oder zusätzlichen Filtern, B&W verzichtet seit jeher darauf - aus klanglichen Gründen.

Beide Modelle nutzen Hochtonkalotten aus hauchdünnen Aluminiumfolien mit nachgeschalteten Dämpfungsröhren, die Reflexionen von den empfindlichen Membranen fernhalten. Das Dämpfungsystem der XT 8 ist allerdings deutlich größer und insgesamt aufwendiger.

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In der Nahaufnahme ist die sickenfreie Bauweise des Mitteltöners gut sichtbar, ebenso die Kevlarstruktur.

Dass beide Treiber zu den besten ihrer Art zählen, zeigt das Dynamikverhalten: Schon der Hochtonbereich der CM 9 erwies sich seinerzeit als auffallend klirrarm, der der XT 8 aber scheint noch eine Ecke besser: Wo bei der CM 9 zwischen 1,5 und 5 Kilohertz noch ein Paar Zipfelchen im Störteppich zu sehen sind; sind die Verzerrungen bei der XT 8 selbst bei einem Nutzsignal von 100 Dezibel derart niedrig, dass das Diagramm sie nicht mehr erfasst.

Techniker dürfen dies als Indiz für einen besonders feinen und angenehmen Hochtonklang werten. Nicht wegdiskutieren lassen sich bei der XT 8 die Nachteile der kleineren Tieftöner, die bei Pegeln jenseits der 90 Dezibel mehr verzerren als die der Schwesterbox.

Doch wie steht es um die klanglichen Talente? Großorchestralen Werken mit tragendem Charakter verlieh die CM 9 mehr Fülle und Autorität. Waren eher Schnelligkeit und das Herausarbeiten rhythmischer Nebenlinien gefragt, so bewies die XT 8 das größere Geschick.

Trotz der unterschiedlichen Klangcharaktere kam es teilweise zu gleichen Punkteergebnissen, so etwa beim Kriterium "Bassqualität". Der geschmeidigeren Fülle der CM 9 stand das größere Differenzierungsvermögen der XT 8 gegenüber. Welcher Basscharakter besser ankommt, ist schlicht eine Frage des Geschmacks.

In den mittleren Lagen waren die Unterschiede weniger ausgeprägt, doch auch hier herrschte keineswegs Gleichklang. Beide Geschwister wirkten in sich reif und sehr gelassen, die XT 8 aber konnte auch hier eindeutig besser differenzieren.

Lautsprecher B&W XT 8

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Die Form der Kevlarmembran und der Einsatz dämpfender Harze basieren auf komplexen Berechnungen. Die Optimierung des Schwingungsverhaltens erfolgt durch Vorab-Simulationen.

So imponierten beide mit einer facettenreichen, nie aber vordergründigen Darstellung von Gesangstimmen, männlich wie weiblich. Die CM 9 gab sich etwas gefälliger und wärmer, die XT 8 tönte direkter und räumlich genauer, ohne deswegen in Hektik zu verfallen. Diese wohlkontrollierte Agilität brachte der Alubox bei den Teilwertungen "Feinauflösung" und "Abbildung" einen Vorsprung von einem respektive zwei Punkten.

Eine Audio Physic Tempo der fünften Generation (3000 Euro, Test in Heft 12/2007) geht auch gegenüber der XT 8 pointierter und vorwärtstreibender zur Sache, kann software- und elektronikabhängig aber auch mal überdirekt wirken. Bei den B&W-Modellen besteht diese Gefahr nicht, was Genießernaturen sehr entgegenkommt.

Im Hochtonbereich konnte die XT 8 das hausinterne Duell klar für sich entscheiden. Zwar muss sich die CM 9, was Samtigkeit angeht, auch weiterhin nicht verstecken, doch die neue Alubox ist hochtonseitig schlicht eine Klasse für sich: Was die XT-Kalotte an Leichtigkeit und Eleganz in den Raum projizierte, das erinnerte über weite Strecken an die Qualitäten des legendären Diamanthochtöners aus der noblen 800er-Serie. Und da beginnt der Einstieg bekanntlich bei 8000 Euro.

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