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Testbericht Nokia 808 Pure View im Test

von
Nokia 808 Pure View im Test
Labortest
69 %
Zuletzt aktualisiert: 03.09.2014
Nokia 808 Pureview
Smartphones
Pro
  • sehr gute Messwerte
  • gute Ausstattung
  • sehr gute Kamera
  • günstiger Preis
Contra
  • groß und schwer
  • relativ schwacher Akku
Fazit

Wer das Pureview in der Tasche hat, kann auf eine zusätzliche Kompaktkamera verzichten – ein unbestreitbrarer Vorteil.

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Mit einer 41-Megapixel-Kamera beweist Nokia beim 808 Pureview Innovationskraft. Im Test muss das Smartphone seine Alltagstauglichkeit zeigen.

Nicht nur connect hat mehr als einmal betont, dass steigende Pixelzahlen bei Smartphone-Kameras nicht mit besseren Bildern gleichzusetzen sind. Und dann kommt Nokia daher und stellt auf dem Mobile World Congress 2012 in Barcelona mit dem 808 Pureview (629 Euro) ein Smartphone vor, das mit satten 41 (!) Megapixeln selbst Spiegel­reflexkameras jenseits der 1000 Euro weit überbietet.

Eine echte Innovation oder der verzweifelte Versuch von Nokia, wieder mehr Aufmerksamkeit zu bekommen? Und wie schlägt sich das Kamerafon mit dem Rekordsensor beim Telefonieren und beim Surfen im mobilen Internet?

Handhabung: Der 41-Megapixel-Sensor zeigt sich

Auf jeden Fall ist der 41-Megapixel-Sensor des 808 Pureview schon von weitem zu erkennen: Er zeichnet sich in der Seitenansicht durch eine nicht unerhebliche Beule aus. An dieser Stelle ist das Gehäuse 18 Millimter stark – ein Wert, den sonst nur noch das Sony Ericsson Xperia Mini Pro mit seiner Ausschiebetastatur erreicht.

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Doch die Ausbuchtung liegt nur im Bereich um den Sensor, weiter entfernt davon geht die Dicke auf zivile 14 Millimeter zurück. Ganz im Rahmen bleiben Länge und Breite des Gehäuses mit 124 x 60 Millimetern.

Beim zweiten Aspekt, dem der Handlichkeit, legt das Nokia 808 Pureview seinem Besitzer eine im Wortsinn schwere Bürde auf: Seine stolzen 173 Gramm werden nur von ganz wenigen Smartphones übertroffen, die connect in den letzten Jahren getestet hat.

Doch die maximale Dicke und das Gewicht machen sich hauptsächlich in der Tasche bemerkbar, also beim Transport. Beim Telefonieren liegt das Nokia 808 Pureview gut in der Hand, und auch beim Fotografieren erweist sich das Design mit seinen sanften Knicken und Rundungen als sehr angenehm.

Die Kamera: Zoomen ohne Qualitätsverlust

Das hochauflösende ­Kamera-System des Nokia 808 Pureview kommt vom deutschen Spezialisten Carl Zeiss. Der Sensor ist so ausgelegt, dass er für 4:3- und 16:9-Bilder gleichermaßen ­optimal ist.

7728 x 5368 Pixel oder 41 Megapixel hat der Sensor des Nokia 808 Pureview. Davon bleiben im 4:3-Format 7152 x 5368 Pixel  (38 MP), im 16:9-Format sind es 7728 x 4354 Pixel.

Ein Bild, das in einem dieser Formate aufgenommen und in höchster JPEG-Qualität gespeichert wird, beansprucht knapp 13 ­Megabyte; der Speichervorgang ist in erstaunlich schnellen 2,5 Sekunden erledigt. Diese Formate sind für Fälle gedacht, in ­denen der Bildausschnitt erst im Nachhinein ausgesucht werden soll.

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Steht er schon bei der Aufnahme fest, kann das Smartphone in den sogenannten Pureview-Modus mit 3, 5 oder 8 Mega­pixeln geschaltet werden. Auch dabei wird die gesamte Sensorfläche genutzt.

Um auf die niedrigere Pixelzahl zu kommen, fasst ein spezieller ­Prozessor in einem Oversampling-Verfahren mehrere Pixel zu einem zusammen. In diesem Modus lässt sich das Motiv über einen kleineren Bildausschnitt heranzoomen, ohne dass die reale Auflösung verlorengeht.

So ist bei 3-Megapixel-Aufnahmen ein bis zu dreifacher Zoom möglich. 3 Megapixel reichen nebenbei bemerkt für Papierabzüge bis 10 x 15 Zentimeter völlig aus, für übliche Fernseher und Monitore sowieso. Die Galerie zeigt Fotos, die mit dem Nokia 808 Pureview geschossen wurden.

Nokia 808 Pureview

Shooting

Nokia hat zum Shooting mit dem 808 Pure View geladen und dafür gleich ein Modell engagiert.

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Verarbeitung: Gorilla-Glas schützt das Display

Das Gehäuse des 808 Pureview fertigt Nokia aus Kunststoff, wobei eine ganz leicht mattierte Oberfläche einen guten Schutz vor sichtbaren Kratzern bietet. connect stand die weiße ­Gehäuseausführung zur Verfügung, alternativ ist das Foto-Smartphone in den weniger schmutz­empfindlichen Farben Rot und Schwarz erhältlich.

Dem Display bietet eine Scheibe aus Gorilla-Glas zusätzlichen Schutz. Hier eingelassen sind die beiden Tasten zum Annehmen und Beenden von Gesprächen sowie ein weiterer, kontextabhängiger Taster, alle mit deutlich spürbarem Druckpunkt.

Es ist im täglichen Einsatz praktisch, dass das 808 ­Pureview zusätzlich einen Schiebetaster zum Wechsel zwischen Standby und Nutzung bietet und auch eine Taste zum Aktivieren des Fotoapparates und zum Auslösen.

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Ein Vorteil ist auch der wechsel­bare Akku, zumindest für Power-User. Dieses Feature ist ein Luxus, der heute längst nicht mehr allen Mobiltelefonen gegönnt wird. Was der Frage Raum gibt, ob ein ganz normal genutztes 808 Pureview überhaupt auf einen Wechselakku angewiesen ist.

Labormessungen: Im UMTS-Betrieb fließt mehr Saft

Ein bei vielen Nokia-Smartphones erkennbares Phänomen ist ihr relativ hoher Energieverbrauch im UMTS-Betrieb.Vom erhöhten Stromfluss bei 3G bleibt auch das 808 Pureview nicht verschont, doch Nokia hat ihm einen mit 1400 Milliamperestunden ziemlich fetten Akku spendiert. Gesprächszeiten um die elf Stunden im GSM-Netz sind mehr als genug, und selbst die gut drei Stunden bei UMTS sollten für das Mitteilungsbedürfnis der Nutzer reichen.

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Auch die im typischen Anwendungsmix im Display-Betrieb mit Internet-Nutzung, Texten, Scrollen und Lesen ermittelten knapp vier Stunden Durchhaltevermögen können normale Ansprüche ohne weiteres befriedigen. Wobei das Nokia Pureview 808 natürlich mit weit mehr als seiner Kamera zum Einsatz einlädt.

Bedienung: Anpassungsfähig

So hat Nokia mit der neuesten Symbian-Version Belle ein Betriebssystem vorgelegt, dessen Oberfläche sich wunderbar den eigenen Bedürfnissen anpassen lässt. Nur der Nokia Store ist nicht ganz so üppig gefüllt wie die App-Läden von Apple und Android und ist im Schnitt auch etwas teurer.

Mit auf das Smartphone ladbaren Karten und der App „Fahren“  bringt das Nokia 808 Pureview seine eigene Navigation mit.
Mit auf das Smartphone ladbaren Karten und der App „Fahren“ bringt das Nokia 808 Pureview seine eigene Navigation mit. ©

Doch dafür lässt es Nokia bei der mitgelieferten und der kostenlos zur Verfügung gestellten Software an einigen Stellen krachen. Etwa bei den Karten, die das Nokia 808 Pureview gegebenenfalls zum kompletten Turn-by-turn-Navisystem machen.

Praktisch: Für die spontane Nutzung lässt sich der passende Ausschnitt des im Grunde die ganze Welt abdeckenden Kartenmaterials über das mobile Internet aufs Smartphone laden. Für den Urlaub im Ausland kann der Nokia-User die passenden Karten hingegen vorab speichern, um so Roaming-­Gebühren zu sparen.

Bedienen lässt sich das Nokia bestens, da es mit seinem 1,3-GHz-Single-Core-Prozessor flink agiert. Auch der Hauptspeicher ist mit 16 Gigabyte, von denen über 12 GB verfügbar sind, recht üppig bemessen. Zumal per Micro-SD-Card nachgerüstet werden kann – Speichermangel ist so kein Thema.

Ausstattung: OLED-Display und Xenon-Blitz

Neben dem Betriebssystem, einem leistungsfähigen Prozessor und genügend Speicher spielt auch das Display eines Smartphones eine zentrale Rolle. Hier überzeugt der 3,7-Zoll-OLED-Screen des 808 Pureview mit starken, blickwinkelstabilen Farben qualitativ voll.

Für die Nutzung des Browsers und die Vorschau von Dokumenten könnte aber die Auflösung noch höher sein. Das Pixel-Plus käme auch der Nutzung als Fotoapparat entgegen, genau wie mehr Helligkeit für den Einsatz im Freien. Wobei das Display des 808 Pureview den Bildschirmen vieler Kompaktkameras schon weit überlegen ist.

Auch beim Blitz sucht Nokia mehr die Nähe zu kompakten Digitalkameras als zu Smartphones. Der Xenon-Blitz leuchtet nicht allzu große Entfernungen sehr gleichmäßig aus. Damit man auch im Stockdunkeln sein Motiv findet, hat das Nokia 808 Pureview neben diesem echten Blitz noch eine Foto-LED, die bei Berühren des Auslösers für kurze Zeit schwach Licht spendet, vom Fotografen aber gute Augen und eine schnelle Reaktion fordert.

Nokia 808 PureView

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Wer seine Fotos oder Videos abseits von Facebook, Youtube, Flickr und Co. Freunden und Verwandten zeigen möchte, kann sowohl über DLNA als auch über Micro-HDMI den Weg zu Monitoren und Fernsehern suchen.

Beim Kopieren von stehenden und bewegten Bildern kommt dann die Nokia Suite zum Zuge – die Software zur Anbindung von Nokia-Mobilgeräten an den PC. Die Suite übernimmt auch das Manage­ment von Outlook-Daten, das bereits erwähnte Herunterladen von Karten, die Software- und Update-Installation und die Musik-Verwaltung. Sie bringt Symbian dabei ­einen Leistungsumfang, von dem andere Betriebssysteme nur träumen können.

Die Bildergalerie ist das zentrale ­Mittel, um die vielen Fotos auf  dem Nokia 808 Pureview vernünftig zu organisieren.
Die Bildergalerie ist das zentrale ­Mittel, um die vielen Fotos auf dem Nokia 808 Pureview vernünftig zu organisieren. ©

Traumhaft leicht ist auch das Bluetooth-Pairing mit ausgewählten Nokia-Soundkomponenten: In den Deckel des Batteriefachs haben die Finnen einen NFC-Chip eingebaut, der über entsprechende Gegenstücke in Headsets und Lautsprechern der Marke eine schnelle, passwortfreie Kontaktaufnahme ermöglicht. Ein praktisches Einsatzgebiet der Nahbereichs-Kommunikationstechnik, von der man in den nächsten Jahren noch viel hören wird.

Labormessungen: Empfang und Klangqualität sind sehr gut

In der Ausstattungswertung kommt das Nokia 808 Pureview den Top-Performern von Samsung verdächtig nahe. Und auch im Labor zeigt das Nokia, dass der Hersteller auf eine lange Tradition im Mobiltelefonbau zurückblickt. So bietet das 808 Pureview bei UMTS gute und bei GSM sehr gute Funkeigenschaften. Damit ist sichergestellt, dass auch unter Bedingungen, die für andere Smartphones längst kritisch wären, das Bestmögliche aus den Mobilfunknetzen geholt wird.

Und wenn die Verbindung einmal steht, ist auch das Telefonieren mit dem Nokia ein Genuss. Wie erwähnt liegt das stämmige Gerät gut in der Hand, doch darüberhinaus klingt es auch für Anrufer und Angerufene sehr gut. Allenfalls in Kneipen würde man sich noch eine bessere Unterdrückung von Neben­geräuschen wünschen.

Fazit: Eine runde Sache

Damit gelingt dem Nokia 808 Pure­view etwas, an dem Spezialisten oft genug scheitern: Es erzielt eine gute Bewertung in einem Testverfahren, das sich an allgemeinen Anforderungen orientiert. Wie viele andere Smartphones auch muss sich das Nokia eine gewisse Kritik an seiner Ausdauer gefallen lassen. Anspruchsvolle Nutzer würden sich hier einfach mehr Reserven wünschen.

Einen Punkteabzug gibt’s auch für die Handlichkeit. Wobei bei Abmessungen und beim Gewicht die Gegenrechnung aufgemacht werden kann: Wer das Pureview in der Tasche hat, kann auf eine zusätzliche Kompaktkamera verzichten – ein unbestreitbrarer Vorteil. Dieser zeigte sich im Testbetrieb bei einem Ausstellungsbesuch. Auch die Handhabung unter Nokia Belle war gut.

Bei der Ausstattung hat Nokia ebenfalls in die Vollen gegriffen und sein Foto-Smartphone in der Topklasse platziert. Dass die Finnen die Messtechnik in Sachen Funk und Akustik beherrschen, beweist das Pureview auch. Wer also ein Smartphone und eine Kamera in einer Einheit sucht, der bekommt mit dem Nokia 808 Pureview ein außerordentlich gutes Gerät.

 
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Inhalt
  1. Nokia 808 Pure View im ersten Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
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