Praxistest

Tuner Accuphase T 1100

Jetzt kommt der Accuphase T 1100 (5750 Euro), der die guten alten UKW-Gleise souveräner denn je befahren will - zum Glück, denn die legendären Tuner aus den 80ern werden so langsam tattrig.

Tuner Accuphase T 1100

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Tuner Accuphase T 1100

Der potenzielle Käufer des neuen Accuphase-Tuners T 1100 für 5750 Euro kann das Sozialneid-Geschwätz nicht mehr hören. Ja, sicher kriegt man für wenige Euro alle ARD- und viele, viele andere Programme über Astra rein. Klar liefert das Internet massenhaft Dünn-Bit-Radio dazu. Er will aber etwa den Karlsruher Sender Querfunk mit bestem Klang aus dem Äther schöpfen, wenn Bernhard Rietschel vom Schwestermagazin AUDIO dort seine LPs auflegt.

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Wie es sich für einen vornehmen Tuner gehört, bringt der Accuphase auch Anti-Plopp-Relais mit (orange, Mitte).

Im Prinzip braucht der UKW'ler also immer noch die analoge Empfangstechnik, die in den frühen 80er Jahren ihre höchste Blüte erlebte. Dort wurden Vorselektion, Großsignalverhalten, Mischproblematik, rauscharme Oszillatoren, klirrarme Gauß'sche Filterkurven et cetera wahrlich von A bis Z ausdiskutiert.

De facto muss sich der geneigte UKW-Fan aber doch etwas umgewöhnen. Weil es die entsprechenden Bauteile außer in einzelnen verstaubten Bastelkisten schlicht und ergreifend nicht mehr gibt, suchte Accuphase - so wie etwa auch die Hersteller ambitionierter Funkgeräte - einen Weg, wie die analoge Edeltechnik sich mit modernsten Mitteln substituieren lässt.

Aber gemach. Zunächst führen noch eine F-Antennenbuchse und ein in äußersten Notfällen zuschaltbarer Widerstands-Abschwächer in den T 1100 hinein. Dort stoßen die UKW-Wellen auf einen Schwingkreis, der aus einer Kapazitätsdiode und einer Schraubkern-Spule besteht. Sodann auf einen magnetisch sanft angekoppelten zweiten Kreis, was schon mal eine recht gründliche Vorauswahl garantiert. Nach erster hochlinearer Verstärkung folgt ein weiterer (Bandfilter genannter) Doppelkreis, bevor es unter bereits deutlicher Bevorzugung des Wunschsignals zur Mischstufe geht.

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Die Anzeige hilft, die Rotorantenne auszurichten. Eventuelle Multipath-Störungen kann der T 1100 unterdrücken.

Damit diese - unter Überlagerung mit den Schwingungen eines Hilfssenders - möglichst nur die gewünschte Zwischenfrequenz produziert, legte Accuphase sie hochsymmetrisch aus. Der Oszillator liefert sicher auch keine Störungen dazu; seine Frequenz wird nicht wie früher von Regelpolizisten auf den rechten Wert hingeschubst, sondern nach dem Direktsynthese-Prinzip passgenau errechnet.

So, das war's aber mit den Hochfrequenzschwingungen, weil das bereits eng begrenzte Spektrum, das der Mischer abgibt, schwuppdiwupp analog-digital gewandelt wird. Das weitere Procedere überlässt der T 1100 einem aberwitzig schnell taktenden Prozessor.

Dieser bringt - auch wenn unser UKW-Fan gefühlsmäßig dagegen demonstrieren will - durchaus Vorteile mit. In herkömmlichen Tunern musste das frequenzmodulierte, also nach beiden Seiten hinauszuckelnde Wunschsignal durch den Selektionstunnel schrammen, der von Spulen-, Keramik- oder Quarzfiltern gebildet wird. Heute sagt der DSP mit absoluter Bestimmtheit: Du bleibst draußen, und du darfst rein. Und führte das Entlangrumpeln früher unvermeidlich zu Zeitverzug plus Verzerrungen, arbeitet der Prozessor trotz fast beliebiger Flankenschärfe geschmierter. Solange er die Bits ausladender Hübe nicht in Fülle abhacken muss, fallen so gut wie keine Klirrsplitter an.

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UKW-Tuner Accuphase T 1100
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Für schlimmste Großsignalfälle gibt es beim Accuphase T 1100 einen Antennenabschwächer.

Im Accuphase findet sich der Prozessor überdies gern bereit, das Trennschärfe-Tor mal mehr und mal weniger weit zu öffnen. Für prekäre Sender, den Mittelstand und die Grandezza stehen von 75 bis 500 Kilohertz, also vom Türschlitz bis zum Triumph-Bogen, nicht weniger als sechs Stufen bereit. Dies erlaubt, in jedem Fall einen optimalen Kompromiss zwischen Störarmut und Dynamik-Einschränkung zu finden.

Von der neuen Technik profitiert nicht nur die Trennschärfe. Schließlich war es früher ein Akt, das Mono-Summensignal, das Differenzsignal und den Pilotton auf analogen Wegen so hin und her zu rangieren und zu verkuppeln, dass am Ende sauberes Stereo entsteht. Logisch, dass sich der reine Rechner darauf besser versteht.

Und gibt es beim T 1100 pass avant eine digital arbeitende Highblend-Funktion, leistet sein Prozessor eine Großtat, die bei der überkommenen Tunertechnik allenfalls im Buch der  Träume stand. Damals wie heute heißt der Erzfeind des guten UKW-Klangs Mehrwege-Empfang. Direkt ankommende und von Bergen oder Hochhäusern reflektierte Wellen können sich im Tuner bis zum doppelten Hub aufsummieren und dann zu ärgerlichem Zerfeln und zu Krachgeräuschen führen.

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Der T 1100 ermöglicht Cinch- und symmetrischen XLR- sowie koaxialen Digitalanschluss.

Aber nicht mehr beim T 1100 von Accuphase! Sein wieselschneller Bordcomputer vermag die Gefahr "zeitversetzte, aber gleich modulierte Wellen" zu analysieren. Nach Druck auf den "Multipath"-Knopf rechnet er die Nachzügler-Schwingungen einfach weg.

Kaum zu fassen: Selbst in dem von undurchsichtigem Hochfrequenz-Filz gefüllten Stuttgarter Kessel funktionierten die Accuphase-Abwehrsysteme einwandfrei. Eine Freude war's, von Sender zu Sender, vom nahen Frauenkopf zur Hornisgrinde im Schwarzwald oder zum hessischen Hardberg zu fliegen. Auf fast jedes kritische Programm stellte sich der T 1100 besser als konventionelle Tuner ein.

Mussten ihm der Tester bald eine einmalige Empfangsleistung von über 100 Prozent attestieren, freuten sie sich, dass  sie den so tapferen Accuphase auch mal bei einem Fauxpas erwischten. SWR Contra auf 91,5 Megahertz rauschte unnötig heftig - ein Indiz, dass die automatische Empfindlichkeitsregelung zu stark greift.

Rein klanglich schien der T 1100 beim aufgeblasenen Sounddesign der Popsender ein wenig auf die Bremse zu treten. Bei den Klassikprogrammen  fühlte er sich voll in seinem Element. Erhabene Ruhe, vollendete Abbildung und Konzertkörper, die atmen: Radioherz, was willst Du mehr. Jetzt schauen Antenne und Accuphase zum Grünwettersbacher Querfunksender und warten, bis Rietschel wieder LPs auflegt.

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