Testbericht

Vollverstärker Musical Fidelity A1

Mitte der 1980er Jahre setzte Musical Fidelity mit dem Class-A-Verstärker A1 klangliche Maßstäbe. Kann sein modernes Remake, für 1500 Euro, zwei Jahrzehnte später ähnlich brillieren?

  1. Vollverstärker Musical Fidelity A1
  2. Class A oder nicht Class A
  3. Datenblatt
Vollverstärker Musical Fidelity A1

© Archiv

Vollverstärker Musical Fidelity A1

In meiner highfidelen Vollverstärkerwelt der 1980er Jahre spielte Luxman eine große Rolle. Genau wie Harman/Kardon und Marantz. Allesamt schwergewichtige Boliden mit viel Gewicht, Leistung und Renommee satt. Was sollte ich bitteschön mit diesem obskur schwachen (2 x 15 Watt) Leichtgewicht namens Musical Fidelity A1, den mir mein Göttinger Händler damals aufnötigte? Demütig meine Vorstellungen revidieren. Denn Musical-Fidelity-Mastermind Anthony Michaelson hatte hier ein Meisterstück geschaffen, das mir neue Dimensionen von High End eröffnete. Solch warme, offene Mitten hatte ich zuvor noch nie gehört. Ich behielt den A1 lange, obwohl seine Hitzeentwicklung alles andere als TÜV-gerecht war und er keineswegs zu allen Boxen passte, mit denen ich damals hörte.

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© Julian Bauer

Mit dem HT-Eingang (= Home Theater; blauer Pfeil) kann man den neuen A1 in einer Surroundkette nach der von stereoplay propagierten "Aus 2 mach 5"-Methode betreiben. Das Umschalten auf HT setzt den Lautstärkeregler außer Kraft; die beiden A1-Endstufen gehorchen dem Pegelregler der AV-Vorstufe. Über den USB-Eingang (roter Pfeil) kann auch der PC andocken und MP3-, WAV- oder CD-Dateien abspielen.

20 Jahre später saß ich mit eben jenem Anthony Michaelson zusammen und fragte, ob es nicht vielleicht Zeit für einen neuen A1 sei? Michaelson, längst zum Leistungsfan geworden, antwortete - er ist Engländer - höflich: "Gute Idee. Aber heute zählt nur verzerrungsarme und damit viel Leistung."

Das war eindeutig. Oder doch nicht? Anfang des Jahres überraschte Michaelson mit einem neuen A1, optisch und haptisch dem alten recht ähnlich. Dieses markante Gehäuse, die Schräge in der Front... Nur statt des Plastik-Lautstärkereglers (wurde sehr heiß) finden sich am Neuen zwei  metallene Tipptaster. Und die Eingänge (4 x Cinch plus Phono MM) erweiterte Michaelson um einen USB-Port für PC & Co. Klasse.

Von den Anschlüssen her ist der neue A1 also für die Moderne gerüstet. Aber gilt das auch für die Verstärkungstechnik? Läuft auch der neue A1 im schweißtreibenden Class-A-Betrieb mit geringer Watt-Ausbeute? Nicht ganz. Da konnte Leistungs-Apologet Michaelson wohl nur schlecht über seinen Schatten springen. Das stereoplay-Messlabor ermittelte eine Sinusleistung von 55 Watt an 4 Ohm (zum Vergleich: der alte A1 brachte es auf knapp 15 Watt). Bei einem Ruheverbrauch von 56 Watt reicht es zwar für einen breiten Bereich, aber ein "richtiger" Class-A-Verstärker ist der Neue dann doch nicht.

Und noch zwei Erkenntnisse brachte der Messlabordurchlauf. Erstens: Der Eingangswiderstand für die Phonostufe ist eigentümlich niedrig. Da tönte jeder Tonabnehmer, den wir anschlossen, recht dunkel. Das konnte der Ur-A1 besser. Zweitens: Der Klirrverlauf des A1 ist exzellent und ähnelt guten Röhren.

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© Julian Bauer

Hinter dem USB-Eingang sitzt die Wandlersektion, die Signale vom PC umsetzt. Die Transistoren schmiegen sich an einen Metallblock, der über seine Oberfläche für Kühlung sorgt. Auch direkt bei der Endstufe sitzen noch einmal Elkos, um Impulsen besseren Halt zu geben.

55 Watt also. Fast entschuldigend empfiehlt Michaelson, mit dem A1 "einzusteigen", ihn aber später mit den Nachboost-Monoblöcken namens SuperCharge oder anderen starken Endstufen (der A1 hat einen Pre-Out) aufzupeppen.

Nein, lieber Anthony. Die 55 Watt sind genug. Vielleicht reicht es nicht für eine überragende Basskontrolle an der Boxenreferenz Magico V 3. Na und? Wie bei den meisten Röhren muss man sich auch beim neuen A1 etwas Mühe bei der Suche nach der "richtigen" Box geben.

Absolut "richtig" ist zum Beispiel der überragende Thiel-Monitor SCS 4 (6/08). Dessen sehr direkte Art korrespondierte bestens mit den etwas zurückhaltenden Mitten des flachen Engländers. Bei Männerstimmen agierte der Ur-A1 - per Zufall hatte ich einen zum Vergleich - wärmer und zugleich härter. Der Youngster setzte gerade die Mitten (wie übrigens das ganze Klangbild) auf eine sehr angenehme Art etwas zurück.  Das galt auch für den Bass, der wohlig satt klang, aber nicht unbedingt durch Präzision und Durchzugskraft glänzte.

Hat Michaelson womöglich mit seiner Leistungs-Manie doch recht? Nein. An den Thiels legte dieser A1 mit "Young Girls Heart" (Cheskys "Ultimate Demonstration Disc Vol. 2") beeindruckende Tiefbass-Teppiche; der Ur-A1 sah da ganz schön alt aus. Vor allem aber glänzt der neue mit einer sensationellen Leichtigkeit und Offenheit. Wo andere Top-Verstärker dieser Klasse (Creek Destiny, Exposure 3010) im Hochton geschlossener und kantiger agierten, spielte dieser A1 wunderbar fein und luftig. So klingt High End.

Den Vergleich mit Gegnern seiner Klasse bestand der A1 souverän - den mit seinem Vorgänger geradezu spielend. Hübscher und origineller ist sicherlich der alte, aber der neue klingt locker um 20 Jahre frischer und geschmeidiger...

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