Testbericht

Vollverstärker NAD C 375 BEE

Für seine Klasse bot schon der Vorgänger NAD C 372 von Heft 4/04 Leistung satt. Kann der neue NAD C 375 (1400 Euro) nach gründlicher Weiterentwicklung in Klang und Dynamik noch einen draufsetzen?

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Vollverstärker NAD C 375 BEE

© Archiv

Vollverstärker NAD C 375 BEE

Durch Verzicht auf Verstärker-Schnörkel zum superben Klang fürs Studentenbudget - so begann NAD vor über 30 Jahren mit dem C 3020 seinen Höhenflug. Auch wenn der C 375 BEE sich beim Preis von 1400 Euro nun eher an ausgewachsene Assessoren wendet, zeichnet ihn immer noch eine gewisse Schlichtheit aus.

Zumindest die wahlweise titan- oder graphitgraue Frontplatte, die nach wie vor kein Display mitbringt, sondern nichts weiter als zu den unbedingt nötigen Linsen- und Drehknöpfen Zugriff gewährt. Das einzige Zugeständnis an die Moderne: Die Hochpegeleingangs-Klinkenbuchse für MP3-Player nebst entsprechendem Anwahltipper.

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© Julian Bauer

Nach dem Umschalten auf "Bridge Mode" (1) konzentriert sich der C 372 auf den linken Kanal und gibt ihn dann über zwei heiße Pole aus (2). Den rechten Kanal übernimmt dann ein via Pre-Out (3) verbundener Zusatzamp.

Die Rückseite wirkt dann allerdings doch ambitionierter. Von einem doppelten Satz dicker, vergoldeter Lautsprecherklemmen, die auch Kabelschuhe aufnehmen können, war zu Zeiten des 3020 nicht die Rede. Genausowenig wie von einem RS-232-Anschluss, der es erlaubt, dass der C 375 bei Bedarf auch via PC oder über Haussteuerungsysteme von AMX oder Crestron zur Arbeit angehalten werden kann.

Aha, bei den Cincheingängen findet sich noch ein weiterer, mit "MP" beschrifteter, der im Fall des Vordereinsteckens  der Klinke Präferenz gewährt. Bei CD, Disc, Tuner, Aux und den beiden Tape-Schleifen blieb es dann allerdings beim Bewährten.

Ebenso bei den im Normalfall von Bügeln überbrückten Vorverstärker-Aus- und Endstufen-Eingängen und einem Pre-Out, dessen Pegel über ein Kleinpoti um bis zu 10 Dezibel abgesenkt und damit an diverse Zusatzendstufen angepasst werden kann.

Wie schon gehabt, erlaubt es im Aufrüstfall ein kleiner Schalter, die beiden Einbau-Endstufen zusammenzufassen, wonach diese im Brückenbetrieb wahrlich gewaltige 600 Watt stemmen können. Muss die Normalpower für wilderen Party-Einsatz reichen, vermag die Soft-Clipping-Funktion die Hochtöner   der verwendeten Lautsprecher vor allzu energiereichem Übersteuerungs-Klirr zu schützen. Das gilt zumindest bis zu einem meist späteren nächtlichen Zeitpunkt, bei dem das erste Basschassis intensiv riecht und dann die Grätsche macht.

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© Julian Bauer

Spätestens wenn der HiFiist nun in das Innere des neuen Verstärkers blickt, der im Vergleich zum bereits erzkräftigen  Vorgänger C 372 gut drei Kilogramm mehr auf die Waage bringt, entfährt ihm dann doch ein "Donnerwetter".  Solch ein gigantischer, von einer dickwandigen Abschirmhaube behüteter Ringkern-Netzumspanner und so extrafeiste Elkoflaschen finden sich in der Regel nur in viel teureren Verstärkern. Zumal der NAD seine Energievorräte dank der Power-Drive-Anordnung mal mehr spannungs- und mal mehr strombetont, also besonders intelligent einsetzen kann (siehe Beitrag "stereoplay - Know-how: Hochgeschaltet").

Trotz ihrer Vielzahl werden die insgesamt 16 siliziumstarken Endtransistoren auf den Power-Amp-Boards ganz links und ganz rechts wohl kaum jemals Mangel leiden. Und die Halbleiter, die in der Vorstufenabteilung bei hohem Ruhestrom in zwei Abschirm-Thermo-Behältern namens "Class A Gain Module" schwitzen, schon gar nicht. Denn sie werden im NAD großzügiger Weise von eigenen Trafowickeln, Gleichrichtern und Elkos versorgt. Das Modul, das bei der Eingangswahl-Relaisbank sitzt, stärkt den Musiksignalen den Rücken und weist sie an das Lautstärkepotentiometer weiter. Nach der Regelung nimmt sie dann das zweite sofort wieder unterstützend an die Hand, und dann strömen die linken und die rechten auch schon ihrer Endstufenseite zu.

Dass es NAD hier nicht ausschließlich um den schieren Kraftzuwachs geht, verdeutlicht der Hinweis auf eine "Distortion Canceling Unit". Zur genauen Wirkungsweise verrät die Firma und der Chefentwickler Björn Eric Edvardson leider nichts Genaueres. Vielleicht regelt der C 375 etwaige Verzerrungen nicht nur mit passiven Gegenkopplungskreisen aus, sondern rückt ihnen zusätzlich mit extra verstärkten Korrektursignalen zu Leibe. Wie auch immer, bei den alten Klirrverlaufsdiagrammen wie bei der neuen Messung, die Reaktionen der Boxen berücksichtigt, wies sich  der NAD als relativ eifriger Regulierer aus.

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© Julian Bauer

Bei Bedarf nimmt der neue NAD das Phonomodul PP 375 für 130 Euro auf, das MM- und MC-Pickups dienen kann. Nach dem Einbau wählt der Tipper "Disc" den Plattenspieler an; der entsprechende Hochpegeleingang wird deaktiviert.

Beim Hörtest gelang es ihm   zunächst einmal, einer ganzen Reihe kleinerer Verstärker ihre Grenzen aufzuzeigen. Auf den ersten Anhieb stellte Creeks Evo 2 (4/09, 43 Punkte) bei "So Together" der  Gruppe Triband Sandie Wollaschs Stimme etwas pausbäckiger, runder, anheimelnder dar - während die junge Dame via NAD schlanker und quasi mit zurückgekämmtem Haar ein wenig sachlicher,  heller und strenger wirkte. Kaum dass die Elektrobässe nun aber anschwollen, bekam der kleinere Brite bald wacklige Knie und erschien breiig; der C 375 holte hingegen mit Freude zu weit ausladenden, elastisch-beherzten  und sportiv-treffsicheren Schritten aus.

Und während selbst ein kräftigerer Geselle wie der Vincent SV 121 (10/05) davor großen Respekt zeigte, fühlte sich der NAD in Kari Bremnes Klanglandschaften wie etwa von der CD "Over En" pudelwohl. Tiefe Fjorde und sich hoch türmende Gebirge, weite, von Percussions-Licht erhellte Horizonte und eine absolut stabil abgebildete, souverän dirigierende Sängerin mittendrin - bei solchen Übungen entwickelte der NAD Meisterschaft.

Mit dergleichen griff er auch  den bestens beleumundeten Marantz PM 15 S 1 an, der allerdings mit seinen wärmeren unteren Mitten ein Überholen verhinderte. Homogener und zupackender aber war der muskulös-frische NAD. Wer also für bezahlbares Geld den absoluten Knaller sucht, nimmt ganz klar den Athleten C 375.

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