Bürgerrechtler klagen gegen Tracking

Bahn widerspricht Datenschutz-Problemen beim DB Navigator

Die Navigator-App der Deutschen Bahn leitet Daten an Werbetreibende weiter. Die Bürgerrechts-Organisation "Digitalcourage" klagt jetzt gegen das Tracking.

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Die DB Navigator-App auf einem Smartphone-Homescreen
Abstellen lässt sich das Tracking der Navigator-App nicht.
© Adobe Stock: Nicole Lienemann

Update vom 25. Juli 2022: Kritik an der Navigator-App laut Deutscher Bahn haltlos

In einer Pressemitteilung hat die Deutsche Bahn auf die Datenschutz-Bedenken durch den IT-Blogger Mike Kuketz und die Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage reagiert. Darin weist die Bahn die Kritik entschieden zurück. Die als "erforderlich" gekennzeichneten Dienstleister würden ausschließlich dazu dienen, "die vielfältigen Funktionen und die Stabilität der App für mehr als zwei Millionen Kunden täglich zu gewährleisten." Daten würden zudem nur in pseudonymer Form weitergegeben, die keine Verwendung zu Marketingzwecken zulasse. Man sei zudem auf Digitalcourage zugegangen, heißt es in der Stellungnahme:

„Zu den von Digitalcourage e.V. im Internet veröffentlichten datenschutzrechtlichen Bedenken haben wir sehr detailliert Stellung genommen. Wir haben außerdem ein persönliches Gespräch zu einem fachlichen Austausch angeboten. Weder auf unsere fachlichen Ausführungen noch auf unser Gesprächsangebot hat der Verein Digitalcourage bis heute reagiert. Wir nehmen die jüngsten öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten daher mit Befremden zur Kenntnis.“

Originalmeldung vom 22. Juli 2022: Datenschutz-Probleme bei der DB Navigator-App

Die Navigator-App der Deutschen Bahn gibt erhobene Daten an Dritte weiter. Das hat der IT-Sicherheits-Blog "Kuketz Blog" herausgefunden. Demnach habe "die Deutsche Bahn hat nicht nur ein immenses Problem mit der Pünktlichkeit bzw. Zuverlässigkeit, sondern auch ein riesengroßes Problem mit dem Datenschutz." Die Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage will nun gegen die Deutsche Bahn klagen.

Bei den versendeten Daten handelt es sich um Informationen wie die Anzahl der Reisenden, die Anzahl mitreisender Kinder, der Abfahrtstag sowie der Start- und Zielpunkt der Reise. Dabei ist es unerheblich, ob die Android- oder die iOS-Version der App verwendet wird. Beide geben mit kleineren Unterschieden dieselben Daten weiter.

Ziel der Weitergabe ist neben anderen Trackingcookies auch die Marketing- und Werbeplattform Adobe Marketing Cloud. Eine Möglichkeit zum Widerspruch gibt es hier nicht: Zwar können die verwendeten Cookies auf "notwendige Cookies" reduziert werden. Allerdings ist auch Adobe unter diesen gelistet, lässt sich also nicht deaktivieren.

In einem offenen Brief hatten Kuketz, der Rechtsanwalt Peter Hense und die Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage die Bahn im April zu einer Änderung des Datensendeverhaltens innerhalb von zwei Monaten aufgefordert. Nach ihrer Einschätzung verstößt die App gegen DSGVO und TTDSG (Telemedien-Datenschutz-Gesetz). Besonders schwerwiegend sei dies aufgrund der "marktbeherrschenden Stellung der Deutschen Bahn, [...] weil sie Millionen von Menschen betreffen."

Die Deutsche Bahn antwortete in einer Mitteilung an Kuketz, in der sie einem Verstoß gegen die DSGVO widerspricht. Man habe die Cookie-Einstellungen aber der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörde zu Bewertung vorgestellt. Änderungen wurden bis zum Ende der von Kuketz und Co. gestellten Frist jedoch nicht vorgenommen, weswegen Digitalcourage nun gegen die Deutsche Bahn klagt.

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25.7.2022 von Alana Friedrichs

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