Smartphone-Vorstellung

Huawei stellt das Mate 20 X 5G vor - und gibt Ausblick auf die Zukunft

Huawei nutzt die Vorstellung seines ersten 5G-Smartphones Mate 20 X 5G, um seinen Umgang mit dem Trump-Embargo zu erklären.

Huawei Mate 20X 5G - Front-Ansicht

© Huawei

Huawei Mate 20X 5G - Front-Ansicht

Huawei ist sicher mehr als alarmiert, seit US-Präsident Trump die Firma am  19. Mai mit einem Bann belegt hat. Daran kann weder die zeitweise Aussetzung noch die auf dem G20-Gipfel erfolgte Ankündigung einer möglichen Aufhebung der Sanktionen etwas ändern. Doch statt sich zu verkriechen, lädt Huawei zur Präsentation des Mate 20 X 5G Journalisten zum Runden Tisch ein, um seine Strategie zu erläutern.

So ließ William Tia, Deutschland-Chef der Consumer Business Group, den immensen Zuspruch Revue passieren, der Huawei von begeisterten Kunden entgegengebracht wurde, nachdem der Lieferstopp amerikanischer Firmen ausgesprochen war. Auch die in der Folge aufgetretenen Gerüchte kommentierte der Manager und versicherte, dass populäre Apps wie WhatsApp und Facebook weiter auf Huawei-Phones laufen würden.

Auch Security-Updates dürfe man selbstverständlich erwarten, ebenso die Nutzung von Android. Mit dem Hinweis, dass Huawei fest zur zweijährigen Garantie steht, unterstrich Tian das Vertrauen des Konzerns in die Zukunft.
Und um diesen Zusagen das Tüpfelchen auf dem I zu verpassen, versprach Tian, dass alle bestehenden Smartphones auch auf Android Q zugreifen könnten. Einen Teil dieser Aussagen hatte Huawei zuvor schon auf www.zukunftsversprechen.de veröffentlicht.

Mit dieser Botschaft stellte der Huawei-Chef dann das Mate 20X 5G vor. Dabei verwies er auch auf die herausragende Rolle von Huawei: Die Chinesen liefern die ganze 5G-Technik aus einer Hand, von der Netzwerk-Infrastruktur über den Chipsatz bis zum fertigen Smartphone.

Huawei Mate 20X 5G - Prozessor und Modem

Das merkt man dem das Mate 20X 5G durchaus an. Mit seinem sehr großen 7,2-Zoll-FHD+-Display (2244 x 1080 Pixel) liefert es eine solide Grundlage, um die gesteigerten 5G-Datenraten auch richtig nutzen zu können. Als Prozessor arbeitet hier der aus den High-End-Modellen der Mate-20- und P30-/P30-Pro-Serie bekannte Kirin 980 in 7-Nanometer-Technik – das bedeutet Leistung satt.

Neu ist das Modem mit dem Namen Balong 5000, das 5G in der sogenannten Non-Standalone- und in der Standalone-Variante beherrscht. Bei der Non-Standalone-Variante werden 5G-Datenübertragungen durch eine zusätzliche 4G-Verbindung gesteuert, was für Netzbetreiber und Smartphone-Entwickler deutlich einfacher ist. Mit der komplizierteren, im Mate 20X 5G realisierten Standalone-Ausführung sieht sich Huawei für die Zukunft gerüstet.

Die Kombination von Non-Standalone- und Standalone-Modus soll laut Huawei erstmals in einem Modem gelungen sein und das Mate 20X 5G auf viele Jahre aktuell halten. Als neue 5G-Frequenzen unterstützt das 20X 5G, und zwar 3,5, 3,7 sowie 7 GHz. Insbesondere die problematischen Millimeterwellen bleiben noch außen vor, was auf die nächsten Jahre gesehen keine Auswirkungen auf den Betrieb haben sollte.

Huawei Mate 20X 5G - Kühlsystem, Akku und Kamera

Als eines der größten Probleme bei der Entwicklung sieht Huawei die Kühlung des Smartphones an, denn das Modem und die zusätzlich nötigen Antennenverstärker fordern ihren Tribut. Die Chinesen setzen hier auf eine Lösung aus Dampf und Graphen – das sind zweidimensionale Kohlestoff-Moleküle. Wie das genau funktioniert und ob es eine Weiterentwicklung der Heat-Pipes von Sony ist, wird die Zukunft zeigen.

Ansonsten scheint die 5G-Version etwa in puncto Kamera eng ans Mate 20X angelehnt zu sein. Der Akku ist mit 4200 mAh zu 5000 mAh etwas kleiner, der Speicher mit 8 Gigabyte versus 6 Gigabyte Arbeits- und 256 versus 128 Gigabyte Festspeicher deutlich größer. Das Gewicht ist mit gut 230 Gramm praktisch gleich geblieben. Dafür hat die neue Farbe mit dem prosaischen Namen "Emerald Green" schon etwas Spektakuläres. Erhältlich soll das Mate 20X 5G noch im Juli sein, der Preis soll bei 999 Euro liegen.

5G-Version des Model 20X macht den Anfang

Warum aber kommt das größte Huawei-Model 20X als erstes in einer 5G-Version auf den Markt? Ganz einfach – wegen seiner Größe sei es bei diesem Modell besonders leicht, die aufwendige 5G-Technologie einzubauen, erläuterte Walter Ji, Präsident der Western Union Business Group.

Er ging in dem auf die Präsentation folgenden Roundtable-Gespräch auch auf die Gründe für Huaweis Erfolg ein: Das Unternehmen habe 2018 satte 14,4 Prozent seiner Einnahmen in Forschung und Entwicklung investiert. Dabei liege das Augenmerk immer darauf, Technologien voranzutreiben, die dem Kunden einen Vorteil bringen.

Werden wir angesichts der Bedrohung aus Amerika in der nächsten Smartphone-Generation eine eigenes Huawei-Betriebssystem sehen? "Wir glauben an offene Standards", antwortete Ji und bekannte sich so zum bisherigen Kurs.

Das Huawei keine Zukunftsangst, bekundet laut Ji auch die Erhöhung der Mitarbeiterzahl von 188.000 auf 192.000 allein im 2. Quartal 2019 bekunden. Diese vielen Mitarbeiter, die auch Anteile am Unternehmen besitzen und folglich besonders engagiert zu Werke gehen, sieht Ji auch als Sicherheit dafür, dass Huawei die von den USA initiierte Krise überstehen wird.

Über die Entwicklung der Preise bei 5G-Smartphones wollte der Huawei-Western-Europe-Chef keine Prognose abgeben, obwohl er persönlich vermute, dass die 5G-Verbreitung in den nächsten zwei bis drei Jahren massiv zunehmen werde. Das sollte dazu beitragen, die Kosten massiv zu senken. Das darf als Hinweis darauf verstanden werden, dass bei guter wirtschaftlicher Entwicklung von 5G dieser Standard bald auch in preiswerten Smartphones zu finden sein wird. Und dass Huawei für einen schnellen Siegeszug von  5G ein entscheidender Player ist, darüber sind sich die Experten einig.

Huawei Mate 20X 5G - Rück-Ansicht

© Huawei

Huawei Mate 20X 5G - Rück-Ansicht

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