Car Connectivity Ausblick

Android Automotive von Google: Smartphone auf Rädern

Der Suchmaschinen-Gigant Google entwickelt ein Betriebssystem für Infotainmentlösungen in Fahrzeugen. Einige Autohersteller haben schon angekündigt, es in ihrer nächsten Modellgeneration einzusetzen.

Google Android Automotive - Polestar 2

© Polestar

Google Android Automotive: Smartphone auf Rädern

Wer ein Android-Smartphone nutzt und ein recht aktuelles Auto fährt, kennt „Android Auto“. Das 2014 vorgestellte System erlaubt es Apps, ihre Informationen auf dem Infotainment-Display im Fahrzeug anzuzeigen. 

Wie auch „Car Play“ vom Konkurrenten Apple ergänzt Android Auto das Infotainment-System des Fahrzeugherstellers, ersetzt es aber nicht. Doch mittelfristig gehen die Pläne von Google wesentlich weiter. 

Auf seiner Entwicklermesse Google I/O 2017 (connect berichtete) stellte der Suchmaschinen-Gigant erstmals „Android Automotive“ vor. Trotz der scheinbar kleinen Variation des Namens könnten die Unterschiede kaum größer sein: 

Nicht selten bezeichnet man moderne Autos als „Computer auf Rädern“ oder „Smartphone auf Rädern“ und betont damit die zunehmend wichtige Rolle von Infotainment und Vernetzung in den Fahrzeugen. 

Dafür will Google mit Android Automotive das in Zukunft dominierende Betriebssystem liefern. Fahrzeugmodelle, in denen dieses künftige Infotainment-Betriebssystem zum Einsatz kommt, werden schon heute entwickelt – unter anderem bei Audi, Mitsubishi, Nissan, Renault oder Volvo. Als Erstes dürfte damit wohl der von Volvo angekündigte „Polestar 2“ antreten – und zwar schon im Februar 2020.

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Look and Feel flexibel

Aus technischer Sicht ist Android Automotive das klassische Android- Betriebssystem mit einer Reihe von Erweiterungen. Typische Infotainment-Funktionen wie Navigation, Audio-Wiedergabe, Telefonbedienung, aber auch die Einstellung und Steuerung von Klimaanlage oder Sitzen laufen dann als Apps auf diesem System. 

Wie bei Smartphones lässt sich der Look and Feel von Android Automotive komplett an die jeweilige Fahrzeugmarke anpassen. Nach Einschätzung des Unternehmens P3, das bereits Prototypen und User-Interface-Studien rund um Android Automotive entwickelt hat, dürften Autobauer mit diesen Möglichkeiten unterschiedlich umgehen. 

Google Android Automotive: Einstellungen

© Screenshot & Montage: connect

Klassisches Android mit autospezifischen Extras: Als Entwicklerumgebung sieht Android Automotive auf einem Bord-Infotainmentsystem zunächst kaum anders aus als Android auf einem Tablet oder Smartphone.

Während Premium-Hersteller das System wohl stark an ihre eigene Marken identität anpassen werden, könnten sich andere Anbieter entscheiden, näher am originalen Google-Design zu bleiben. In jedem Fall verspricht das System den Autofirmen klare Vorteile: 

Große Teile des Betriebssystems würden künftig von Google entwickelt und aktualisiert. Damit könnten die Hersteller ihre Entwicklungs- und Wartungskosten reduzieren. Gleichzeitig würden sie der Kundenerwartung besser gerecht, vor allem Infotainment-Funktionen über die Lebenszeit des Fahrzeugs regelmäßig zu aktualisieren und zu erweitern. 

Gerade diese Pflege bereits ausgerollter Systeme liegt heute im Argen. Um sich von ihren Mitbewerbern zu differenzieren, könnten Autokonzerne die gesparten Kosten in umfangreichere eigene Anwendungen investieren. Auch die Kunden und Autofahrer sollen von Android Automotive profitieren: 

Google Android Automotive: Mehrere Nutzer

© Screenshot & Montage: connect

Anpassung nach Bedarf: Das System kennt mehrere Nutzer (womit sich etwa Einstellungen je nach Fahrer personalisieren ließen) und unterstützt spezialisierte Ein/Ausgabe-Geräte wie etwa Dreh/Drück-Regler oder Lenkradtasten.

Sie erhalten moderne Infotainment-Funktionen mit hohem Bedienkomfort und Extras wie beispielsweise der Möglichkeit, Fahrzeugeinstellungen von unterwegs per App vorzunehmen. Zumindest theoretisch ließen sich alle existierenden Android-Apps auch direkt im Fahrzeug nutzen. 

Tino Müller, Kompetenzfeldleiter Mobility Innovation bei P3, nennt Beispiele: „Angebote wie Spotify lassen sich dann einfach per App nachrüsten – oder auch Dienste und Funktionen, die heute noch gar nicht existieren. Android Automotive eröffnet so ganz neue Möglichkeiten in Bezug auf kontinuierliche Funktions-Upgrades.“

Ob Nutzer jede beliebige App oder nur eine vom Hersteller, von Google oder vom Gesetzgeber zugelassene Auswahl installieren können, dürfte sich jedoch erst zum Marktstart klären. Doch noch eine andere Frage dürfte für die Zukunft von Android Automotive entscheidend sein: 

Bezahlen Autofahrer, wie bei den kostenlosen Google-Diensten üblich, für die Nutzung mit ihren Daten? In der Nomenklatur von Google steht dahinter der Einsatz der „Google Automotive Services“ (GAS), zu denen etwa auch der Play Store gehört.

Google Android Automotive - Google Maps

© Screenshot & Montage: connect

Mit oder ohne Google-Services: Auch „Google Maps“ ist Teil des Systems – setzt jedoch voraus, dass der Fahrer Google mit seinen Daten bezahlt. Alternativ können Autohersteller eigene Routen-Apps implementieren.

Wem gehören die Daten?

Wie Tino Müller von P3 erklärt, können sich Autohersteller für oder gegen die GAS-Nutzung entscheiden. Verweigert sich der Hersteller Googles datenbasiertem Geschäftsmodell, müsste er allerdings einen eigenen App-Store anbieten und dort auch Fremd-Apps wie Spotify aktuell halten. 

Da GAS etwa in China blockiert wird, müssten Hersteller entweder ganz darauf verzichten oder je nach Markt zweigleisig fahren. Denkbar wäre sogar, dass sich Kunden beim Autokauf entscheiden müssen: 

Günstigerer Preis mit Datennutzung durch Google oder höherer für mehr Datenschutz? Wie sich die Hersteller dazu positionieren, ist eine der spannendsten Fragen zu Googles neuem Auto-Betriebssystem.

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