Standlautsprecher

Bowers & Wilkins 703 S3 im Test

26.1.2023 von Marius Dittert

Preisfüchse aufgepasst! Mit der neuen 700 Serie findet sich in der oberen Mittelklasse des Herstellers praktisch alles, was Bowers & Wilkins technisch draufhat. Im Test: die Dreiwegebox 703 S3 für 5.000 Euro.

ca. 3:55 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
B-W-Aufmacher-703-S3-Serie
Die Bässe der B&W 703 S3 arbeiten mit mehrlagigen Membranen, die in ihrer Dicke ganz bewusst variieren.
© Bowers&Wilkins

Pro

  • geringes Gewicht
  • souveräner, schlanker Klang ohne Übertreibungen
  • faszinierende Stimmwiedergabe
  • Top-Verarbeitung
  • sehr gutes Preis- /Leistungsverhältnis

Contra

Fazit

Stereoplay-Klangurteil: absolute Spitzenklasse (61 Punkte); Gesamturteil: 82 Punkte; Preis/Leistung: sehr gut

Telefonate mit B&W dauern ein wenig. Zumindest dann, wenn man mit Ulf Soldan spricht. Der „Premium Brand Activator EU“ (was für eine Jobbezeichnung!) ist eine Top-Quelle für technische Informationen. Er lebt das Thema B&W und ist deswegen manchmal kaum zu bremsen – insbesondere wenn er mit dem Autor über die zahlreichen Vorzüge der Bassreflex-Box 703 S3 spricht. Und da gab es wirklich viel zu berichten.

Studiert man außerdem die Produkt-Präsentation, die B&Ws kenntnisreicher Ansprechpartner vorab geschickt hatte, darf man abzüglich aller Marketingformulierungen zu dem Schluss kommen, dass der englische Hersteller mit der neuen 700 Serie dicke Bretter bohrt: Bis auf das extrem aufwendige „Reverse-Wrap“-Gehäuse finden sich in unserem Testmuster alle technologischen Ansätze aus der deutlich teureren 800 Serie!

Hochtöner

Um zu erläutern, welche Technologien B&W für die Serie 700 übernimmt, gehen wir deren Besonderheiten mal der Reihe nach durch. Fangen wir dazu oben an, beim massiven Hochtönergehäuse: Das 30 Zentimeter lange, extrem steife Vollaluminiumrohr thront über der 703 S3 und ist nur über zwei Punkte mit der schlanken Boxen- Säule verbunden, beziehungsweise von dieser sorgsam entkoppelt. Die Länge des Rohrs und dessen Abstimmung reduzieren die Resonanzfrequenz des 25-Milimeter-Carbon-Dome-Hochtöners. Damit verbessern sich die dynamischen Fähigkeiten des Treibers am unteren Ende seines Übertragungsbereichs. Ein 18-dB-Filter sorgt hierbei für den Übergang zum Mitteltontreiber.

Die Membran des Hochtöners ist doppellagig und besteht aus einem hauchdünnen Carbonring und einer Aluminiumkalotte. Der Kohlefaserring misst nur 0,1 Millimeter und verstärkt die Rückseite der beschichteten Membran am äußeren Rand. Als Ergebnis macht diese aufwendige Konstruktion eine hervorrragende Verwindungssteife bei geringstem Gewicht möglich. Halten wir an dieser Stelle schnell noch fest: Das Hochton-Design der 703 S3 entspricht bis auf das legendenumwobene Diamant-Chassis in allen Punkten (Grill, Logo und Oberflächenfinish) exakt der 800 Serie.

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Das markante Hochtönergehäuse besteht aus extrem steifem, resonanzarmem Alu-Vollmetall.
© Bowers&Wilkins

Mitteltöner mit „Spezialmembran“

Weiter geht’s mit dem sickenlosen 16-Zentimeter-Mitteltöner: Dieser greift irgendwo zwischen 350 Hz und 400 Hz ins Geschehen ein und spielt mehrere Oktaven bis zu etwa 4 kHz hinauf. Das ist zunächst mal gut für’s musikalische Timing. Außerdem arbeitet er mit einer silberfarbenen „Continuum“-Membran. Dieses „Zaubermaterial“ hatte B&W über einen Zeitraum von acht Jahren in aller Ruhe entwickelt und erstmals 2015 der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie genau sich das Gewebegeflecht des B&W-Treibers zusammensetzt, lassen die Briten aber bis heute leider nicht raus. Ziel des „Continuum“-Materials ist eine möglichst gleichmäßige Ausbreitungsgeschwindigkeit auf der Membranoberfläche. Außerdem soll „Continuum“ dabei helfen, den abrupten Übergang vom kolbenförmigen Hub zum sogenannten Break-up-Mode zu glätten.

Da ein Mittelton-Treiber weniger mechanischen Belastungen als ein Basschassis ausgesetzt ist, entschieden sich die B&W-Ingenieure ebenfalls dazu, die übliche Gewebezentrierspinne durch ein auffallend schlankes Aufhängungssystem zu ersetzen. Diese „biomimetische Aufhängung“ reduziert unerwünschten Luftdruck, den eine konventionell aufgebaute Gewebespinne erzeugen kann – und der hinter einer Membranfläche für nicht gewünschte Artefakte sorgt. Die S2-Ausführungen der 700 Serie hatten auf dieses Feature noch verzichten müssen.

Tieftöner

Erheblichen Aufwand leistet B&W auch in Sachen Tieftöner: Im Untergeschoss der 703 S3 werkeln zwei 16,5-Zentimeter- Bässe. Bei diesen kommt die Aerofil-Technologie der Referenz-Serie 800 in etwas vereinfachter Form zum Einsatz. Die ultraleichten Membrane sind über den gesamten Querschnitt unterschiedlich stark ausgeführt, was eine ausgeprägt hohe Steife und Impulstreue bewirken soll.

Der technische Aufbau ist in beiden Modellserien (700 und 800) im Übrigen vergleichbar. Ein wesentlicher Unterschied findet sich aber in den verwendeten Materialien. Während bei der 800er-Reihe die Membran aus Kohlefaser besteht, die in Sandwich-Technik auf einer Schicht von synthetischem Spezialschaum aufgebracht ist, kommen bei der Serie 700 Schichten aus versteiftem Spezialpapier und Polystyrolschaum zum Einsatz.

B-W-dreiergespann-703-S3
Der Tweeter-on-Top lässt den Mitteltöner höher und somit ins akustische Zentrum rücken.
© Bowers&Wilkins

Soundqualität

Vor den Hörbeschreibungen ein kurzer Blick in die Messprotokolle: Hier fielen ein paar Dinge auf – etwa die niedrige Minimal-Impedanz (2,9 Ohm) sowie der leicht wellige Frequenzverlauf und einige etwas längere Ausschwinger im Wasserfall- Diagramm. Auf der Habenseite standen dafür ein hoher Maximalschallpegel (105 db) und schön niedriger Klirr. Die Art und Weise wie sich die nicht allzu tief reichende B&W 703 S3 im Hörtest präsentierte, erinnerte mehr als nur einmal an den Test mit dem Weltklasse- Monitor 805 D4. Insbesondere die faszinierende Stimmwiedergabe der tiptop verarbeiteten Dreiwege-Standbox.

So plastisch und lebensecht hatte der Autor die Stimme des Kool & The Gang- Leadssängers James „JT“ Taylor selten einmal gehört – auch bei wesentlich teureren Schallwandlern nicht! Bei „September Love“ („In The Heart“, Mercury) stand Taylors Stimme aber nicht nur groß und fantastisch losgelöst im Hörraum; bereits die ersten Klavierakkorde der stimmungsvollen Ballade füllten den ganzen Raum mit Atmosphäre aus. Nach weniger als einer Minute wollte der Schreiber schon das Feuerzeug schwenken. Dabei dröselte die B&W die Spuren der 1983er-Analogaufnahme derart gut auseinander, dass der Tester beim Intro das Bandrauschen nicht nur als pauschales Rauschen vernahm, sondern sogar noch dessen Modulation heraushören konnte.

Fazit

Mit ihrer hochtransparenten, aber nie überziselierten Musikwiedergabe, die etwas faszinierend Schwereloses hatte, spielt sich die B&W in ihrer Preisklasse nach vorne. Dazu gesellen sich Top-Verarbeitung und ein überaus souveräner, schlanker Klang ohne Übertreibungen.

John Bowers bekannte Maxime („Der perfekte Lautsprecher sollte Musik weder etwas nehmen noch hinzufügen“) setzt die 703 S3 für „nur“ 5000 Euro auf ziemlich überragende Art und Weise um – und präsentiert sich damit als Destillat der B&W-Technologien für noch bezahlbares Geld.

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