Testbericht

Die neue Dynaudio Focus 380 im Test

23.9.2011 von Stefan Schickedanz

Mit dem Airbus 380 teilt das Spitzenmodell von Dynaudios Focus-Serie nicht nur die Nummer, sondern auch den massigen Auftritt. Dabei ist sie eher das Ergebnis einer Schlankheitskur mit evolutionären Veränderungen - die klanglich aber einen veritablen Schritt nach vorn bedeuten.

ca. 4:50 Min
Testbericht
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  1. Die neue Dynaudio Focus 380 im Test
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Dynaudio Focus 380
Dynaudio Focus 380
© Herbert Härle

Dynaudio steht für Beständigkeit. Seit 35 Jahren verfolgt das Unternehmen aus Skanderborg in Dänemark einen klaren Kurs in Sachen Klang und Design. Fernab von Experimenten halten die Dänen an handwerklich hochwertigen, aber eher unspektakulären Gehäusen fest - und an ihrem mitunter schon fast nüchtern wirkenden, natürlichen Klang mit differenzierten Farbschattierungen.

Die MSP-Konus-Chassis für den Tief- und Mitteltonbereich mit ihren Schlitzen rund um die auffallend großen Staubschutzkalotten sind längst zum Markenzeichen mutiert. Das Sympathische an Dynaudio: Diese charakteristischen Chassis sind nicht Selbstzweck, sondern das Geheimnis des natürlichen Klangbilds: Hinter den großen Stabschutzkalotten verbergen sich außerordentlich große und damit antrittskräftige Schwingspulen, die aus Aluminiumdraht bestehen. Sonst wären sie zu schwer für schnelle Richtungswechsel - die Massenträgheit lässt grüßen.

Dynaudio Focus 380
Die neue Focus Reihe bekommt auch neue Echtholz-Furnierarten die der verschlankten, asymmetrischen Gehäuseform sehr gut stehen.
© Archiv

So war zwar die versammelte Fachpresse extrem neugierig auf die Präsentation der neuen Focus-Serie im Rahmen der HIGH-END-Messe im Münchner M.O.C. Deren Flaggschiff - die Focus 380 - lud AUDIO denn auch prompt zum Test nach Stuttgart ein. Mit Überraschungen rechnete allerdings niemand. Und diese Erwartung wurden, bestätigt: Die Gehäuse der fünf neuen Modelle folgen der Linie des Hauses.

Dynaudio Focus 380
Selbst die 15 Zentimeter großen, ebenfalls aus einem Stück Folie tiefgezogenen Mitteltöner tragen mächtige Aluminium-Schwingspulen auf ihrer Rückseite. Deren Durchmesser beträgt immerhin 3,8 Zentimeter und wirkt sich ebenfalls positiv auf Antriebskraft und Steifigkeit des gesamten Schwingsystems aus, weil die Spule nicht zu weit innen mit ihrer Kraftübertragung angreift.
© Herbert Härle

Sie wirken so solide wie immer, allerdings etwas leichtfüßiger und moderner. Das ist einigen Detailveränderungen zu verdanken - etwa den schlankeren Schallwänden, den neuerdings metallisch glänzenden Chassis-Körben oder den flachen, bespikten Bodenplatten der Standmodelle. Jetzt gibt es die beliebte Serie außerdem mit neuen Echtholzfurnieren, und die schwarzen oder weißen Lackvarianten kosten keinen Aufpreis mehr.

Verborgene Schätze

Die meisten Verbesserungen der neuen Baureihe lassen sich nur nach dem Zerlegen der Box erkennen. So unterzogen die Dänen ihre Treiber einer gründlichen Auffrischung - doch dazu später.

Das Topmodell der Focus-Serie weckt Erinnerungen an das größte Flugzeug der Welt - zumindest vom Typenkürzel. Dabei ist die Neue von vorne etwas schlanker als das Vorgängermodell Focus 360, teilt sich mit dieser aber das 3-Wege-Konzept mit Doppelbass von stattlichen 20 Zentimetern Durchmesser.

Nicht minder eindrucksvoll ist der Durchmesser der Antriebsspule, die 7,5 Zentimeter durchmisst. Wie bereits erwähnt, können sich die Dänen einen solchen Dampfhammer nur leisten, weil sie statt schwerem Kupfer- einen leichten Aluminiumdraht verwenden. Der für diese Chassis-Kategorie ziemlich konkurrenzlose Durchmesser sorgt nicht nur für besonders hohe Antriebskraft.

Die Schwingspule schiebt die samt Staubschutzkalotte aus einem einzigen Stück Magnesium-Silikat-Polymer-Folie gepresste Membran dicht am Rand an. Dadurch geht die Kraft optimal in den MSP-Konus über und vermeidet übermäßige Partialschwingungen. Zusammen mit der hohen inneren Dämpfung und der hohen Steifigkeit der MSP-Membran ergibt sich so eine schnelle und kontrollierte Impulsantwort.

Jedes Detail überdacht

Um die Dauerbelastbarkeit der Tieftöner zu steigern, setzt Dynaudio in der neuen Focus-Serie eine hitzebeständigere Isolation der Drahtwindungen plus Schwingspulenträger aus stärker dimensioniertem und steiferem schwarzen Kapton mit höherer Formbeständigkeit ein. Schließlich verfügen die Elektro-Motoren durch die Verwendung von Ferrit+ für beide Magneten über noch mehr Power. Bisher bestand nur ein Element der Doppelmagneten aus dem, wegen seiner höheren Feldstärke ausgewählten Material.

Dynaudio Focus 380
Esotar2-Hochtöner: Die auffälligste Änderung betrifft die neue konkave Frontplatte der 2,8-cm-Kalotte. Dieser leichte Vorsatz beeinflusst minimal das Rundstrahlverhalten, weniger den Wirkungsgrad des Hochtöners. Die Bezeichnung Waveguide wäre deshalb etwas übertrieben, aber es geht in diese Richtung.
© Archiv

Um diese Kraft über einen weiten Frequenzbereich in gleichmäßige Schwingungen umzusetzen, verbesserten die Ingenieure die Sicken und Zentrierungen der Bass-Chassis. Das Gewebe der Zentrierspinnen setzt sich deshalb aus zwei unterschiedlichen Materialien zusammen. Von der Summe aller Maßnahmen versprechen sich die Entwickler aus Skanderborg ein schnelleres Ansprechen auf Verstärkerbefehle für höhere Präzision, Neutralität und Dynamik.

Dynaudio Focus 380
Die Verbesserungen der neuen Focus-Serie umfassen Körbe sowie unlackierte Trägerplatten aus Aluminium-Druckguss und optimierte Alu-Schwingspulen auf neuen schwarzen Kapton-Trägern mit Belüftungsbohrungen.
© Archiv

Durch den Einsatz neuer Schwingspulenträger aus schwarzem Kapton erreichen die Dänen zudem eine höhere Belastbarkeit. Damit beim Auskosten der hohen Leistungsreserven der Focus 380 die Körbe der Konus-Chassis steif und ruhig bleiben, fertigte Dynaudio diese aus Aluminium-Spritzguss, der jetzt ohne schwarze Lackierung glänzen darf. Dadurch wirkt selbst das stattliche, 34 Kilogramm schwere Flaggschiff sehr leicht.

Dynaudio hält weiter am angestammten Prinzip der beschichteten Seidenkalotte fest. Allerdings verwenden die Dänen für die neueste Variante des Esotar-Hochtöners eine weiterentwickelte Beschichtung für feinere Auflösung und besseres Abstrahlverhalten. Der aus der edlen Confidence abgeleitete Esotar2 bleibt in der Focus-Serie allein der 380er vorbehalten.

Accuphase E-213
Die neuen 34-Kilo-Säulen vom Typ Focus 380 könnten mit ihrer AK von 60 auch mit eher schwachen Verstärkern zusammenspielen. Zum Auskosten der feinen Klangnuancen empfiehlt sich ein nicht zu großer Vollverstärker der Referenzklasse wie der Accuphase E-213.
© Archiv

Die Ingenieure überarbeiteten auch die Frequenzweichen der neuen Focus-Linie. Deren Filter trennen im Falle der Dreiwege-Lautsprecher vom Typ 380 die einzelnen Frequenzbereiche bei 400 und 2200 Hertz. Zwischen Tief- und Mitteltonbereich setzt Dynaudio eine 12-dB-Weiche ein - trotz der Affinität zu phasenunkritischen 6-dB-Filtern bei den Dänen eine gebräuchliche Maßnahme für Modelle mit mehr als zwei Wegen. Wie üblich egalisierten die Entwickler deshalb den Phasengang, was schwachbrüstigen Verstärkern entgegen kommt.

Dynaudio Focus 380
RAUM UND AUFSTELLUNG: Ungefähr auf den Hörer richten, Abstand um 3 Meter. Geht manchmal auch wandnah, aber Bass wird massig.
© AUDIO

Die zeitlose Gehäuseform der Focus 380 weist zahlreiche Asymmetrien auf. Dieser Kniff beugt gemeinsam mit den aufwändigen Verstrebungen im Inneren stehenden Wellen und Gehäuseschwingungen vor, die den Klang verfälschen könnten. Der Mitteltöner darf gar ungestört in einer eigenen Kammer arbeiten. Wie die Labormessungen beweisen, zeichnet sich die Focus 380 durch außerordentlich niedrige Verzerrungen und ein vorbildliches Zerfallsspektrum aus.

Dynaudio Focus 380
Der Frequenzgang ist sehr ausgeglichen, die Bündelung des Hochtöners nur mäßig steigend.
© AUDIO

Klangliche Offenbarung

In dem mit Spannung erwarteten Hörtest machte die dänische Abordnung bereits nach wenigen Takten unmissverständlich klar, dass in der Focus-Serie künftig ein anderer Wind weht. Ungewöhnlich luftig und sehr gut durchhörbar stellten die beiden hochgewachsenen Speaker sämtliche Interpreten beziehungsweise Instrumente in den Hörraum. Die imaginäre Klangbühne reichte vor allem in der Höhe deutlich über die Boxen hinaus. Sehr schön ließ sich das bei klassischen Werken wie Beethovens 9. Sinfonie (Haitink, LSO Live) oder Live-Jazz-Aufnahmen wie "Time After Time" von Miles Davis erleben.

Dynaudio Focus 380
Chassis und Gehäuse sind von höchster Güte, die Verzerrungen bleiben über den gesamten Frequenzbereich bis zur Belastbarkeitsgrenze extrem niedrig. Der Maximalschalldruck ist rechnerisch mit 101,5 dB eher niedrig, aber die Box geht subjektiv lauter.
© AUDIO

Die Transparenz überzeugte nicht nur, sie beigeisterte förmlich. Ebenso das überragende Differenzierungsvermögen: Locker konnte man sich mit der Focus 380 im Klanggeschehen selbst bei komplexen Chor- und Orchester-Werken wie besagter Ode an die Freude Stimmen und Instrumente nach Belieben herauspicken, um ihnen zu folgen. Dennoch zerfiel das Klangbild nicht in lieblos, geschweige denn emotionslos aneinandergereihte Einzelteile.

Begeisterung weckte gerade auch die klar definierte Fokussierung der Klangkörper an jeder Stelle im weiträumigen Panorama. Tonal wirkte die Focus 380 für Dynaudio-Verhältnisse relativ hell mit schlankem Grundtonbereich, aber nicht einmal im Ansatz von Schärfe geprägt. Die Musik atmete förmlich. Das Fundament dieser souveränen, höchst musikalischen Darbietung bildete ein satter, dabei sehr konturierter Bass. Sein Volumen dürfte bei knappen Wandabständen reflexartig den Griff nach den Stopfen für die rückseitigen Reflexrohre auslösen. Ansonsten löst der Jumbo der neu aufgelegten Erfolgs-Serie nichts als Beifall aus.

Fazit

Mir gefällt die neue Focus-Serie extrem gut. Klangfarben konnten die ehrlichen Dänen ja schon immer sehr gut wiedergeben. Aber nun begeistern mich auch Dynamik, Timing und Luftigkeit ganz besonders. Ohne Schärfe oder Beigeschmack lösen die Neuen noch feiner auf und wirken brillanter als bisher. Das verleiht der ganzen Darbietung einen gewissen Pepp. Gerade in punkto Abbildung und Fokus macht die Serie ihrem Namen Ehre. Das zeigte sich schon auf der HIGH END an der kleinen Focus 160 - und das gilt erst recht für das Top-Modell.

Dynaudio Focus 380

Dynaudio Focus 380
Hersteller Dynaudio
Preis 6200.00 €
Wertung 97.0 Punkte
Testverfahren 1.0

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