Mittelklasse-Smartphone

Honor 9X im Test

Das Honor 9X übernimmt viel Ausstattung vom Schwestermodell Huawei P Smart Z. Wie schlägt sich das Mittelklasse-Smartphone im Test?

© Honor

Honor 9X im Test

EUR 169,99

Pro

  • auffälliges Design mit reflektierender Rückseite
  • vollflächiges Display ohne Notch
  • Kamerasystem mit Ultraweitwinkel und vielseitigen Einstellungen
  • Pop-up-Frontkamera
  • Displayschutzfolie und Schutzhülle im Lieferumfang
  • Topakustik und gute Funkeigenschaften
  • gute Ausdauer

Contra

  • relativ groß und schwer
  • kein NFC
  • Unsicherheiten beim Software-Support aufgrund des Trump-Embargos

Fazit

connect-Urteil: gut (377 von 500 Punkten)
75,4%

Das neue Topmodell der Huawei-Marke Honor ist ein Schwestermodell des P Smart Z, das wir in Ausgabe 8/19 getestet haben. Die Kamera wurde aufgewertet (drei statt zwei Optiken), ansonsten hat der Hersteller vieles beim Alten belassen. Herausragendes Merkmal und eines der wichtigsten Kaufargumente ist das vollflächige LCD, das nicht von einer Notch unterbrochen wird, da die Frontkamera im Rahmen versenkt wurde und nur herausfährt, wenn sie benötigt wird. 

Das Panel überzeugt qualitativ mit guten Helligkeits- und Kontrastwerten und bietet mit 6,6 Zoll auch viel Fläche. Im Gegenzug ist das Honor 9X aber auch ein wuchtiges XXL-Phone, das knapp 200 Gramm wiegt und nicht anstandslos in jeder Hosentasche verschwindet. Trotzdem liegt es überraschend gut in der Hand. 

Dafür sorgt die an den langen Seiten ergonomisch gebogene Rückseite, die mit einer auffälligen X-förmigen Reflektion (nur bei der blauen Farbvariante) alle Blicke auf sich zieht. Die Verarbeitung ist sehr gut, und auch die Haptik enttäuscht nicht, obwohl Rückseite und Rahmen nur aus Kunststoff bestehen. Das liegt auch daran, dass der Rahmen mit einer dick aufgetragenen Metallic-Lackierung veredelt ist. 

Die Kameraeinheit trägt glücklicherweise dünner auf, sie ragt nur minimal heraus, sodass das Phone nahezu plan auf dem Tisch aufliegt. Gut gefallen hat uns auch der Lieferumfang: Der Hersteller verzichtet zwar auf gute Kopfhörer und ein Schnellladenetzteil, klebt im Gegenzug aber eine Schutzfolie auf das Display und legt auch eine Schutzhülle mit in den Karton. Eine IP-Zertifizierung ist nicht an Bord, angesichts des Preises ist das aber auch keine Überraschung.

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Das System ist der Knackpunkt

Honor stülpt die Huawei-Oberfläche EMUI über das Betriebssystem, das Android 9 als Basis hat. Die glänzt mit vielerlei Extras und Anpassungsmöglichkeiten: Es gibt etwa einen Dateimanager mit Tresorfunktion, außerdem zahllose Designs mitsamt anpassbaren Schriftarten. Erstaunlicherweise fehlt ein Always-On-Display, bei ausgeschaltetem Display werden also keine Informationen eingeblendet. 

© Screenshot & Montage: connect

Die Oberfläche ist vielseitig anpassbar, sogar Schriftarten können getauscht werden. ​Außerdem ist neben dem Play Store vorinstalliert: Die App Gallery will eine Alternative zu Google sein.​

Viel schwerer wiegt allerdings die Unsicherheit aufgrund des Trump-Embargos, von dem Honor genauso betroffen ist wie der Mutterkonzern Huawei. Zum aktuellen Zeitpunkt ist nicht bekannt, ob ein Update auf Android 10 kommen wird. Die unklare Situation beim Software-Support ist eine schwere Hypothek und ein klarer Nachteil gegenüber dem Wettbewerb. Der Speicher fällt mit 128 GB ordentlich aus, ein Steckplatz für microSD ist vorhanden. 

Wie alle Smartphones in diesem Vergleich ist das 9X Dual-SIM-fähig, statt einer Speicherkarte kann man auch eine zweite SIM einlegen. Der Huawei-Prozessor Kirin 710F liefert eine gute Performance auf dem Niveau eines Snapdragon 665 (Moto G8 Plus), mit leichten Vorteilen bei der grafischen Darstellung. Schwächen leistet sich das 9X auch im Testlab nicht, vielmehr wird solide Huawei-Qualität geboten, mit einer guten Akkulaufzeit, guten Funkeigenschaften und einer Top-Sprachqualität.

© Screenshot & Montage: connect

Im Pro-Modus kann man Parameter wie ISO und Farbtemperatur manuell einstellen, es fehlt aber die Möglichkeit, im RAW-Format zu speichern.

Honor kombiniert zwei Brennweiten, der Nutzer hat die Möglichkeit, vom Smartphone-typischen Weitwinkelobjektiv (zwölf Megapixel) in den Ultraweitwinkel (acht Megapixel) zu wechseln und besonders große Bildausschnitte einzufangen. Die Bildqualität ist aber nicht berauschend, die perspektivischen Verzerrungen an den Randbereichen sind recht ausgeprägt. Für diese Brennweite ist das allerdings ein typischer Befund. Leider liefert auch die Standardoptik keine Bildqualität, die in Erinnerung bleibt. Vor allem bei wenig Licht treten Probleme auf. Das gilt allerdings nicht für Nachtaufnahmen, dank Quad-Binning und guter Software gelingen ansprechende Fotos in diesem speziellen Modus. 

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel

Die vielen Modi und Einstellungen sind ein großer Pluspunkt: Man kann im Profimodus die volle Auflösung des 48-Megapixel-Sensors abrufen (was allerdings nur in Ausnahmefällen Sinn macht) und im Portraitmodus die Zeichnung der Hintergrundunschärfe verändern. Damit die Trennung von Vorder- und Hintergrund besser gelingt, ist eine dritte Optik (zwei Megapixel) für Tiefenmessungen eingebaut. Dass die Abgrenzung von den Motivkonturen trotzdem nicht immer sauber gelingt, ist Prozessor und Preisklasse geschuldet. Die ausfahrbare 16-Megapixel-Frontkamera ist zwar ein Eyecatcher, qualitativ wird aber eher einfache Kost geliefert.

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