Mittelklasse-Smartphone

Huawei Mate 10 Lite im Test

Mit seinem opulenten 18:9-Display und gleich zwei auf Porträts spezialisierten Dual-Kameras setzt das Huawei Mate 10 Lite eigene Akzente in der Mittelklasse. Kommt das Phablet auch im Test groß heraus oder bietet die Light-Variante des exzellenten Mate 10 Pro etwa nur Magerkost? Wir haben das getestet!

Huawei Mate 10 Lite

© Huawei

Der knapp 8 mm dünne Metallblock bietet für die Mittelklasse eine luxuriöse Größe und Top-Verarbeitung. Das Mate 10 Lite ist in Blau, Schwarz oder Gold erhältlich.

Pro

  • große, natürliche 18:9-LCD-Anzeige
  • hochwertiges Metallgehäuse
  • zwei Dual-Kameras mit Bokeh-Funktion
  • Selfie-Aufnahmen in guter Bildqualität
  • Micro-SD- oder zweite Nano-SIM-Karte
  • gute Softwareausstattung inklusive FM-Radio

Contra

  • mäßige Ausdauer
  • geringe LTE-Sendeleistung bei 2600 MHz (Band 7)
  • nicht ganz aktuelle Software (EMUI 5.1 und Android 7.0)
  • Micro-USB-2.0-Schnittstelle
  • kein WLAN bei 5 GHz

Fazit

connect-Testurteil: gut (392 von 500 Punkten)
78,4%

Größere Displays zeigen mehr. Sie kommen mit höheren Schriftgraden besser klar und erleichtern damit die Lesbarkeit. Der Nachteil: Stattliche Bildschirme kosten und bleiben daher oft nur Top-Smartphones vorbehalten. Bislang: Denn Huawei bringt mit dem Mate 10 Lite ein vielversprechendes Android-Phablet, das im Handel bereits für knapp 350 Euro zu haben ist. 

Satte 15 Zentimeter Bilddiagonale – das beeindruckt. Zumal die lang gestreckte LCD-IPS-Anzeige im 18:9-Format etwa 83 Prozent der Gehäusefront einnimmt, weshalb der flott reagierende Fingerabdrucksensor in die Rückseite integriert ist. 

Die Fakten können sich sehen lassen: Auflösung (2160 x 1080 Bildpunkte), Helligkeit (447 cd/m2) und Dunkelkontrast (1:1490) des Fullview-Displays überzeugen. Schriften werden klar dargestellt. Helle Hintergründe und die Farben wirken auf durchaus angenehme Art etwas zurückhaltend.

Kurz vorgestellt: Huawei Mate 10 Lite

Quelle: connect
Das animierte Datenblatt zeigt die wichtigsten Fakten zum Huawei Mate 10 Lite im Überblick.

Formidable Verarbeitungsqualität 

In Design und Bauweise bleiben die Chinesen – anders als beim Glas-Metall-Mix des Mate 10 Pro – ihrer Linie treu. Ein supersolider, glatter Metallblock aus einer Aluminiumlegierung und nahtlos eingearbeitete Antennenstege zeugen von dem hohen Qualitätslevel. 

Mit seinem abgerundeten Rahmen liegt das nur 164 Gramm schwere, nicht explizit wassergeschützte Mate 10 Lite gut in der Hand. Die vorstehende Doppeloptik der Hauptkamera bietet standesgemäße Bildqualität sowie eine gute Ausstattung – und das, obwohl bei Videoaufnahmen der 4K-Modus ebenso wie ein optischer Bildstabilisator fehlen. 

Dafür entschädigen neben Zeitraffer- und Zeitlupen-Modus auch manuelle „Profi“-Einstellungen und die Möglichkeit, Bilder im unkomprimierten RAW-Format zu speichern. Zudem sorgen nachträglich anpassbare Bokeh-Effekte für weichgezeichnete Hintergründe. Diese Funktion wertet bei Bedarf auch die Selfies der exklusiven Frontkamera mit zwei Linsensystemen auf.

Testsiegel connect gut

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel connect gut

Klassengerechte Hardware

Den Mittelklasse-Systemchip Kirin 659 steuert Huaweis Tochterunternehmen Hisilicon bei. Der Achtkerner, der auch im Nova 2 werkelt, erreicht ein mit Qualcomms Snapdragon 625 vergleichbares Leistungsniveau. Im Zusammenspiel mit der noch auf Android 7.0 basierenden Benutzeroberfläche EMUI 5.1 reichen die vorhandenen Leistungsreserven im Nutzungsalltag locker für ein zügiges Arbeitstempo. Das Speicherangebot passt: Neben 4 GB RAM gibt’s rund 46 GB Flash-Speicher für eigene Daten und Apps. In dem Hybrid-Steckplatz findet wahlweise eine Micro-SD-Speicherkarte oder eine zweite Nano-SIM-Karte Platz.

Huawei Mate 10 lite Screenshots

© Screenshot WEKA / connect

links: Der Sperrbildschirm zeigt unter anderem das Radioprogramm und die zurückgelegten Schritte an. rechts:

Zwei Dual-Kameras mit Porträt-Modi

Vier Augen sehen mehr als zwei. Trifft das auch auf die Doppeloptiken im Mate 10 Lite zu? Das Spiel mit der Unschärfe im Bildhintergrund, auch als Bokeh bezeichnet, nutzen Profifotografen zur Aufwertung ihrer Motive. Das Mate 10 Lite bringt diese Art der Bildgestaltung ins Smartphone. Dazu wird den Farbsensoren mit 15,9-Megapixel-Auflösung (Hauptkamera) bzw.13 Millionen Bildpunkten (Selfie-Kamera) als Unterstützung neben einem LED-Licht jeweils eine 2-MP-Kamera zur Seite gestellt. Diese liefert zusätzliche Entfernungsinformationen zur Steuerung der Tiefenschärfe. Aus den Daten der Teilbilder wird dann das eigentliche Foto errechnet. In den Aufnahmemodi „Porträt“ und „Große Blende“ fügen beide Dual-Kameras die erwähnten Hintergrund-Unschärfen ein.

In der Praxis klappt das meist gut, auch wenn die Algorithmen an den Übergängen zwischen Vorder- und Hintergrund zum Teil sichtlich an ihre Grenzen stoßen. Wer sich und andere gerne porträtiert, kann mit diesen Bokeh-Funktionen weiterkommen. Schärfeanpassungen sind hier übrigens auch nachträglich möglich.

Bei guten Lichtverhältnissen lieferte die vordere Dual-Kamera Selfies in ansprechender Bildqualität. Ein individuell anpassbares Beauty-Programm kann Selbstporträts zusätzlich verschönern. Und die Hauptkamera, die auf den „Leica“-Schriftzug des Pro-Modells verzichtet und sich mit kleinerer Blendenöffnung f/2.2 (statt f/1.6) begnügt? Deren Fotos konnten bei Tageslicht mit kräftigen Farben und solider Detailarbeit ebenfalls gefallen. Das Niveau der besten Kamera-Phones erreicht sie jedoch nicht, was auch daran liegt, dass bei schwächerem Licht wie häufig bei Mittelklasse-Smartphones das Bildrauschen schnell anstieg.​

Huawei Mate 10 lite

© Huawei

Die über dem Fingerabdrucksensor positionierte Dual-Kamera hält die gewählten Motive meist in guter Bildqualität fest.

Eingeschränkte Kontaktfreude

Sind zeitgemäße Funkstandards und moderne Anschlüsse für die Vernetzung gefragt, gibt sich das Mate 10 Lite recht zugeknöpft. Dass in den 4G-Netzen bei „nur“ 300 Mbit/s (LTE Cat 6) das Tempolimit für Downloads erreicht ist, spielt angesichts des aktuellen Mobilfunkausbaus noch keine große Rolle. Etwas anders sieht es im Heim- oder Büronetzwerk aus: Dort bremst die fehlende WLAN-ac-Unterstützung und der Verzicht auf alle 5-GHz-WLAN-Varianten den Datenaustausch spürbar.

Auf einen Nahfunk-Chip (NFC) hat Huawei ebenfalls verzichtet. Gleiches gilt für den USB-Typ-C-Port. Stattdessen bleibt es hier bei einer mittlerweile veralteten, lahmeren Micro-USB-2.0-Schnittstelle. Eine Klinkenbuchse für kabelgeführte Headsets oder Kopfhörer hat die Lite-Variante dem Pro-Modell dagegen voraus. Am Audioausgang hätte der gemessene Signal-Rauschabstand (91 dB) aber gerne einige Dezibel höher ausfallen können.

Solide im Labor, geringe Ausdauer

Abgesehen von einer schwächeren Strahlung im LTE-Band 7 (2600 MHz) zeigte das Mate 10 Lite bei den übrigen Sende-/Empfangs- und erst recht bei den Akustikmessungen in unserem Labor starke Leistungen. Die Ausdauer fällt mit rund 6,5 Stunden im Displaybetrieb dagegen nicht berauschend aus. Zumal man längere Ladezeiten beim Betanken des 3340-mAh-Akkus einrechnen muss: Neben einem herkömmlichen Stereo-Headset und einem transparenten Kunststoff-Schutzcase liegt nur ein Standard-Netzadapter samt Kabel, aber kein Schnellladegerät bei.​

Eine Größe in der Mittelklasse

Die vage, von Huawei durch die Namensgebung geschürte Hoffnung, dass das etwa halb so teure Mate 10 Lite der top eingestuften Pro-Version zumindest annähernd das Wasser reichen könnte, bleibt Wunschdenken. Leistungstechnisch entspricht das Lite-Modell mehr einer größeren Variante des Nova 2. Wer mit den erwähnten Connectivity-Einschränkungen leben kann, erhält ein ansonsten gut ausgestattetes, nobles Mittelklasse-Phablet mit großem Display, tadelloser Verarbeitung und hochwertiger Selfie-Kamera. Und das ist ja auch schon mal was.​

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