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Vollverstärker mit Phono-Vorstufe

Marantz PM8006 im Test

Mit dem PM8006 will Marantz Vinyl-Fans ein Rundum-sorglos-Paket aus Vollverstärker und Phonovorstufe in die Hörräume stellen, das keine Wünsche offenlässt. Wie schneidet er im Test ab?

Marantz PM8006

© Marantz

Marantz PM8006: Vollverstärker mit Phono-Vorstufe

Pro

  • gut ausgestatteter Vollverstärker
  • natürlicher Klang
  • sehr gute Phonostufe

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 72 Punkte; Klang: Spitzenklasse (51 Punkte); Preis/Leistung: überragend
Gut

Marantz schreibt, der neue PM8006 sei „vor allem für Vinyl-Liebhaber entwickelt worden“. In ihm steckt die grundlegend neu konstruierte, sogenannte Marantz Musical Phono EQ-Stufe. Die schlechte Nachricht gleich vorweg: MC-Liebhaber gucken in die Röhre bzw. benötigen einen Übertrager. Der PM8006 verstärkt und entzerrt ausschließlich MM-Signale.

Dennoch soll nicht der Eindruck entstehen, der PM8006 wäre ein Sparprodukt. Ganz im Gegenteil: Hier steckt für den Preis von 1300 Euro sehr viel Aufwand drin. Schaut man dem PM8006 unter die Haube, beeindrucken insbesondere die massiven Kühlrippen. Der doppelt abgeschirmte Ringkerntransformator ist groß, wirkt aber nicht übertrieben, die Elkos hingegen sind ganz schöne Brocken. Natürlich sitzt auch im PM8006 die Marantz-typische HDAM-Technik (Hyper Dynamic Amplifier Module). Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe unterschiedlicher HDAMs, die je nach Einsatzzweck (Verstärker, Player...) zum Zuge kommen. Im PM8006 sitzen HDAM-SA3-Schaltkreise, die als besonders hochwertig gelten.

Der Verstärker arbeitet mit Stromgegenkopplung. Durch eine Begrenzung der Impedanz am Stromgegenkopplungspunkt treten nur geringste Phasenverschiebungen auf. So können die Entwickler die Phasenkompensation über negative Rückkopplung minimal gestalten. Das wiederum führt zu einem einfacheren Signalweg, der für Transparenz im Klangbild sorgen soll. Ein weiterer Vorteil der Schaltung: Bei der Stromgegenkopplung spielt die Last des Lautsprechers nur noch eine kleine Rolle.

Bemerkenswert, weil selten, ist die „dreifache“ Klangregelung des PM8006. Neben Bässen und Höhen können hier auch die Mitten in ihrem Pegel verändert werden. Manch Purist rümpft die Nase, aber tatsächlich können Klangregler manchmal akustischen Problemen die Spitze nehmen und „schwierige“ Aufnahmen entschärfen.

Viel Mühe wurde auch in die Lautstärkeregelung investiert. Hier wollten die Entwickler eine möglichst gute Kanalgleichheit erreichen. Der große Drehregler steuert einen Mikroprozessor, der die elektronische Anpassung vornimmt.

Auch wenn man den Marantz PM8006 noch recht bequem tragen kann, so ist er doch ziemlich stabil geraten. Das liegt nicht zuletzt an seiner dreifach verstärkten Bodenplatte. Bei Marantz zählt eben nicht nur die Musik, sondern auch die Details.

Marantz PM8006

© Marantz

Die Lautsprecher-Anschlüsse bestehen aus massivem Messing und wurden mit einer kräftigen Silberbeschichtung versehen. Dies soll für absolut zuverlässigen Kontakt mit den Lautsprecherkabeln sorgen. Per Pre-Out kann man den Marantz als reine Vorstufe nutzen, per Power-Amp-In als reine Endstufe.

Passiv und aktiv

Auch in der Marantz Musical Phono EQ sitzt ein HDAM. Dieses Modul übernimmt die RIAA-Entzerrung, sorgt also unmittelbar dafür, wie ausgewogen die Vinyl-Wiedergabe am Ende klingt. Die Signalverstärkung legen die Entwickler​ in die Hände eines hochwertigen Class-A-Operationsverstärkers. Interessant ist, wie unbescheiden Marantz bei der Phono EQ auftritt. Da ist die Rede von einer „der höchstentwickelten Phono-Stufen in der Branche überhaupt“, die „jegliche externe Phono-Vorverstärker überflüssig“ mache. Klar, dass man bei solchen Worten erst einmal skeptisch dreinschaut.​

Phono-Verwöhn-Stunden

Womöglich haben Sie genug Marantz-Tests gelesen oder genug Marantz-Geräte gehört, dass Ihnen der Begriff „ Marantz-Klang“ etwas sagt. Im Grunde ist das ein Synonym für Natürlichkeit und „Musikalität“. Dies sind wohl die hervorstechendsten Tugenden des Klangbildes. So auch hier, wenn auch stärker als erwartet. Nicht nur, dass Stimmen und Instrumente sehr natürlich klangen – etwa bei Anne Bisson und Helge Lien & Knut Hem von der stereoplay-CD „HIGH END Demonstration Tracks“ (stereoplay 6/18) –, der PM8006 baute auch große, glaubwürdige Klangräume auf, ohne zu übertreiben. Sofort fiel auf, dass es den Marantz-Entwicklern gelungen ist, dem PM8006 einen enorm emotionalen Tonfall anzuerziehen! Das ist bemerkenswert und fällt mit Instrumenten genauso auf wie mit Stimmen.

„Aha Shake Heartbreak“ von den Kings Of Leon zeigte aber auch, dass eine etwas dreckige Aufnahme auch auf dem Marantz etwas dreckig klingt – was natürlich gut ist, Geräte die zu sehr soften, rufen im stereoplay-Hörraum nur selten echte Begeisterung hervor.

Marantz PM8006 Fernbedienung

© Marantz

Marantz PM8006 Fernbedienung: Angenehmer Druckpunkt, angenehme Größe und gerade noch übersichtlich.

Blaues Licht

Zwar scheint es, dass der PM8006 sein fehlendes Display (das wir nicht vermisst haben) mit übertrieben vielen blau leuchtenden Anzeigen für Quelle, Lautsprecherpaar und gegebenenfalls Source Direct kompensiert. Angesichts des Klangs haben wir ihm das aber gerne verziehen.​

Und was ist nun dran, an der Super-Phono-Stufe? Eine Menge! Zwar würden wir nicht per se empfehlen, externe Phonopres abzuschaffen, aber die Qualität der Marantz Musical Phono EQ ist beachtlich! Vor allem der ultraschwarze Hintergrund begeisterte. Dynamische Musik profitiert hiervon naturgemäß stärker als komprimierte, aber gerade über Kopfhörer waren Schallplatten entspannter zu genießen als über viele andere Phono-Lösungen. Gegenüber Line-Eingängen legte die Wiedergabe übrigens ein wenig an Spritzigkeit zu, blieb dem Marantz-Ideal aber treu.

​Die intime Stimmung des Nick-Cave-Konzert-Mitschnitts „Live from KCRW“ entfaltete ihre volle Wirkung. Man konnte den Meister des (u.a.) melancholischen Pop bei „People Ain’t No Good“ förmlich an seinem Klavier sitzen sehen, die Lippen ganz nah am Mikro... Ohne Zweifel: Mit der Phono EQ kann man äußerst zufrieden, vielleicht sogar glücklich sein. Wie so oft ist das eine Frage des persönlichen Anspruchs.​

Fazit

Rein analoger, ansonsten gut ausgestatteter Vollverstärker, der mit seinem natürlichen, fließenden Klang begeistert! Der Marantz PM8006 bietet reichlich Leistung, ist völlig unkompliziert und lockt Vinyl-Liebhaber mit seinem wirklich sehr guten MM-Phonoteil. Ein tolles Ding

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