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Plattenspieler mit System

Pro-Ject Xtension 9 S-Shape & Ortofon Concorde Century im Test

Pro-Ject hat seine Xtension-Reihe um den 9 S-Shape erweitert. Das System Ortofon Concorde Century passt an den geschwungenen Arm geradezu perfekt. Lesen Sie hierzu unseren Test.

Pro-Ject Xtension 9 S-Shape im Test

© Josef Bleier

Plattenspieler mit System - Der Pro-Ject Xtension 9 S-Shape im Test

Pro

  • gut gebautes, durchentwickeltes Laufwerk mit souveränem Klang und feinem Tonarm (Pro-Ject Xtension 9 S-Shape)
  • neutral, entspannt und räumlich klingendes MM mit cooler Optik, leichte Montage (Ortofon Concorde Century)

Contra

  • nur für Tonarme mit SME-Bajonett (Ortofon Concorde Century)
  • Abtastfähigkeit könnte noch höher liegen (Ortofon Concorde Century)

Fazit

AUDIO Klangurteil: 103 Punkte; Preis/Leistung: überragend (Pro-Ject Xtension 9 S-Shape) AUDIO Klangurteil: 90 Punkte; Preis/Leistung: überragend (Ortofon Concorde Century)
Hervorragend

Nicht nur eines. Vieles muss man Pro-Ject lassen. Zum Beispiel, dass sich die Firma mit Sitz in Wien und Fertigung in Tschechien in nunmehr 41 Jahren zu einem der größten Player im weltweiten HiFi-Zirkus gemausert hat. Und dass sie ihre Produktpalette in ihrem Stammgeschäft, dem Plattenspielerbau, inzwischen zu einer kaum mehr fassbaren Breite ausgedehnt hat. 

Zu beinahe jedem Modell gibt es farbliche und ausstattungstechnische Varianten, dazu die bei Verbrauchern so beliebten „Super-Packs“, die einen Spieler mit nützlichen Zutaten zum Bundle schnüren. Aber ausgerechnet innerhalb ihrer Xtension-Reihe, was wir altdeutsch mal mit Ausdehnung beziehungsweise Verlängerung übersetzen wollen, hat sich der deutsche Vertrieb Audio Trade Modelldisziplin verordnet: 

Das Laufwerk Pro-Ject Xtension 9 plus Tonarm Pro-Ject 9 S-Shape gibt es als Pro-Ject Xtension 9 S-Shape nur so. Stimmt natürlich nicht ganz, denn ein Tonabnehmer gehört definitiv nicht zum Rüstzeug des ausschließlich im gut gemachten, schwarzglänzenden Piano-Lack-Finish angebotenen 9 S-Shape.

Und der Festpreis von 2625 Euro schließt – nicht abgebildet – ein externes 15-Volt- Steckernetzteil, ein Anschlusskabel und eine schmucke Acryl-Staubschutzhaube mit ein. Zu guter Letzt findet der Kunde in der Verpackung im Normalfall seinen S-Shape-Arm mit einer normalen Dreiviertelzoll-Headshell am vorderen Ende des so schön geschwungenen Aluminiumrohres. 

Um den Tonabnehmer seiner Wahl zu montieren, können Käufer oder Händler die Headshell aber ganz leicht abschrauben – und schon sind wir wieder beim obigen Bild.

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Geschickt eingefädelt

Denn wie die analog-erfahrenen AUDIO-Leser sicher längst detektiert haben, handelt es sich dort beim Headshell-Anschluss um das berühmte SME-Bajonett. Und daran flanschten Platten-Leger schon (fast) immer gerne die berühmten „Tondosen“ von Ortofon. 

Und seit vier Jahrzehnten mit Vorliebe einen Tonabnehmer, der den Überflieger schon im Namen trägt: Ortofon Concorde. 1979 stellte die dänische Firma diesen schlank und strömungsfreundlich gestylten Tonabnehmer vor. 

Das System trat am Anfang tatsächlich als „echter“ HiFi-Abtaster auf, entwickelte sich aber aufgrund seiner völlig unkomplizierten Montage und seiner Robustheit schnell zum Liebling der Rundfunkstationen und der Disc-Jockeys – und hatte somit schnell seinen Ruf als DJ-System weg. 

Pro-Ject Xtension 9 S-Shape im Test - Antrieb

© Josef Bleier

Den Pulley des Riementrieblers bedeckt normalerweise ein mit drei Röhrchen fixierter Deckel. Im Test sprang der Riemen nie ab.

Ortofon, 2018 mit Würde und Elan in den Kreis der Hundertjährigen eingetreten, baute zu den Jubiläen den legendären Tonabnehmer in gleich zwei Varianten: als Concorde Anniversary 40 für 300 Euro und als Concorde Century für 600 Euro. 

Weil nun zwischen Ortofon und Pro-Ject seit Jahrzehnten eine fruchtbare Geschäftsbeziehung besteht, weil Pro-Ject und Ortofon beide zum Vertriebsportfolio von Audio Trade gehören, vor allem aber weil AUDIO extrem neugierig war, orderte die Redaktion den Pro-Ject Xtension 9 S-Shape gleich mit dem silberglänzenden Ortofon Concorde Century. 

Das hatten alle Beteiligten geschickt eingefädelt. Aber wer will denn auch einen Plattenspieler ohne Pickup testen? Kommt ja nichts bei raus. Obwohl: Der Pro-Ject hat schon an und für sich eine Menge zu bieten. 

Da wäre zum Beispiel die Aufstellung: Der Spieler ruht auf drei Füßen. Die sind nicht nur zwecks perfekter Balance höhenverstellbar – jedes Laufwerk sollte genau „im Wasser“ stehen, im Falle Pro-Ject Xtension 9 auf einer harten, feststehenden Unterlage. 

Sie sind auch magnetisch entkoppelt: Einander abstoßende Magneten sorgen für ein fast schwebendes Chassis, einzig die Führungsstangen erwirken eine winzige Restankopplung an den Stellplatz. Da könnte man beinahe von einem Voll-Subchassis sprechen.

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Getreulich gelagert

Auch das Tellerlager arbeitet mit magnetischer Entkopplung – diese Art der Ent-Hemmung der Drehenergie macht längst im High-End Schule, schließlich lassen sich so Reibungsverluste minimieren. Doch auch beim invertierten Keramiklager des Xtension 9 belässt man es bei einer definierten Restankopplung. 

Wie Audio Trades kundiger Pro-ject-Fachmann Günter Antoniazzi erläutert, haben intensive Hörtests hier leichte Klangvorteile ergeben. Doch natürlich tut man im Hause Pro-Ject auch viel für die mechanische Bedämpfung des Tellerlagers, dessen Edelstahlachse in einen feisten Metallblock montiert ist. 

Auch der Teller selbst wird getreulich bedämpft. Damit die über 5 Kilogramm Metall gar nicht erst ans Klingeln denken, beruhigt sie ein am Rand aufgesetzter Ring von thermoplastischem Elastomer. TPE dämpft Vibrationen ähnlich Sorbothane sehr effektiv. Oben auf dem Teller sorgt eine Auflage von – ja- wohl – zwei verpressten Vinyl-Schallplatten dafür, dass sich die abzuspielende Schallplatte schonend bettet.

Schließlich drückt sie ein immerhin 750 Gramm schwerer Messingpuck mit Kunststofflippe recht massiv an die Unterstatt. Für deren Drehung sorgt ein elektronisch kontrollierter, von einem Sinusgenerator angesteuerter Wechselstrommotor. Die AC-Antreiber bringen gegenüber ihren Gleichstrom-Kameraden von vornherein mehr Präzision, dafür aber auch mehr Vibrationen mit.


Pro-Ject Xtension 9 S-Shape im Test - Plattenteller

© Josef Bleier

Der 5,25 Kilogramm schwere Plattenteller ist ringförmig beruhigt mit TPE, einer gummiartigen Kunststoffmischung. Die Scheibe dreht in einem invertierten Keramiklager.

Möglicherweise sind diese ein Grund für – nicht dramatische – Spitzen im Rumpelspektrum dies- und jenseits der normalen 50-Hertz-Netzfrequenz. Selbst mit dem Ohr am Chassis vernimmt man hier aber kaum etwas – schließlich sorgt eine großzügige Granulatfüllung der Hohlräume für die weitere Dämpfung nach innen und nach außen. 

Zudem soll ja auch über die Tonarmbasis nichts bis zur Nadel vordringen, was deren mikrometerfeine Abtastarbeit beeinflussen könnte. Das Lager des 9 S-Shape jedenfalls dürfte da keinerlei Schuld auf sich laden. 

Das invertierte Lager mit seinen ihrerseits in Kugellagern – für die Pro-Ject stolz die „Qualität ABEC 7“ anführt – eingelassenen Edelstahlspitzen weckt jedenfalls reichlich Vertrauen, dass es die effektive Tonarmmasse von 15 Gramm inklusive Headshell ohne Turbulenzen lenkt. 

Dabei zeigt sich der Arm kaum wählerisch hinsichtlich der zu montierenden Systeme. Der Einbauhöhe passt er sich dank Höhenverstellung ebenso an wie eventuellen Nadelschiefständen mit Azimuth-Eindrehungen. Besonders gefiel, dass schon serienmäßig ein Gegengewicht beiliegt, das Tonabnehmer zwischen 3 und 9 Gramm gut ausbalancieren kann und dass es vier weitere Optionien gibt. 

Wer die kapitalen „Tondosen“ montieren möchte, dem kann mit kapitalen Konter-Oschies geholfen werden. Die Gegengewichte docken gegenüber der Arm-Ebene deutlich nach unten versetzt an: Das ist ein probates Mittel, um beispielsweise bei welligen Platten die Hebelkräfte nicht außer Rand und Band geraten zu lassen.

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Geschwind montiert

Bevor aber überhaupt irgendwelche Kräfte sinnvoll walten konnten, musste noch ein entsprechender Abnehmer eingebaut werden. Die Entscheidung war ja schon auf das 18,5 Gramm schwere Ortofon Concorde Century gefallen. Das ergab nicht nur preislich Sinn, sondern es bereitet wohl jedem Analogo ein sinnliches Vergnügen, so ein System am S-Shape so geschwind so mal eben zu montieren. 

So sehr man von Zeit zu Zeit diese verprassen mag mit dem peniblen Justieren der heiklen Tonarm-Tonabnehmer-Geometrie, so erfrischend kann es sein, anzustecken, Überwurfmutter festdrehen (nicht zu fest!) – und alles stimmt. Eine kurze Kontrolle mit Dr. Feickerts Schablone zeigt, dass alles soweit passt, in etwa entspricht die Einstellung den Baerwald’schen Vorgaben. 

Von seiner gleichgeformten, halb so teuren, schwarzen Schwester Concorde Anniversary unterscheidet das Century die geringere Nadelnachgiebigkeit (Compliance) von 16 gegenüber 20 Mikrometer pro Millinewton. 

Zudem wickelt sich versilberter Kupferdraht im Century (im Anniversary nur Kupfer) zu den Spulen, die mit dem sich bewegenden Magneten – beide Ortofon Concordes vertreten die MM-Fraktion – den Generator bilden. 

Der kann ordentlich Spannung herauslöffeln, was den Betrieb selbst an mediokren MM-Phonostufen zumindest elektrisch ohne Probleme ermöglicht.

Pro-Ject Xtension 9 S-Shape im Test - Ortofon Concorde Century

© Josef Bleier

Das Jubiläums-Concorde fliegt auf vorbildlich linearem Kurs – der Frequenzgang kommt ohne Höhenanhebung aus.

Genüsslich gehört

Wir aber nutzten zum Hörtest die MM-Züge des trefflichen Clearaudio Basic V2 (Goldenes Ohr bei der Leserwahl 2019), des röhrenbestückten Vorverstärkers Octave HP 500 SE und des überragenden Transistor-Vollverstärkers T+A PA 3100 HV, allesamt edle Vorarbeiter. 

Deren Eigenheiten, vor allem aber Vorzüge, brachte der stylische MM- Abtaster aus Dänemark am Laufwerk aus Tschechien bestens zum Tragen. Das Ortofon Concorde Century gehört definitiv zu den entspannten Gesellen, die das Hören zum Genuss machen.

Mit ihm durch die „Klangraumwelten“ zu streifen, brachte viele Details zu Gehör, nervte aber nie mit allzu grellen Akzenten auf diese. Diese Tonzelle lebt eine kaum mehr zu überbietende Neutraliltät. Dabei beeindruckten sowohl Weite als auch Präzision der räumlichen Abbildung, die selbst wesentlich teurere Systeme nur selten so zu zeichnen wissen. 

Das rückte auch die ausgezeichnete „No Filter“-Produktion von Jerome Sabbagh und Greg Tuohey ins beste Licht, da tauchte man förmlich ins Aufnahmestudio ein. Die saubere, souveräne Abbildung geht auch mit auf das Konto des Pro-Ject Xtension 9 S-Shape. Dieser Plattenspieler hat also kaum mehr etwas gemein mit den preiswerten Brettspielern, mit denen sein Hersteller vor geraumer Zeit berühmt wurde. 

Deren quirlige, manchmal aber auch nervöse und hyperaktive Art wich hier einem in sich ruhenden, auch durch wüsteste Funk-Attacken und knüppelharte Düster-Rock-Walzen nicht aus der Ruhe zu bringenden Charakter, dem man die lange konstruktive Erfahrung seiner Erbauer anhört. Wobei das definitiv nicht zu lahmer Laschheit führt.

Im Gegenteil: Das Vibrafon-Feuerwerk, das Bobby Hutcherson mit den Timeless Allstars einst im Jazz-Tempel „Onkel Pö‘s“ abbrannte, gewann hier noch an Glut und Intensität. Skandinavische Entspanntheit und österreichisch-tschechische Souveränität können so zusammen für ein aufs Leben ausgedehntes Hörglück taugen.

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Fazit

Wenn er schon die Möglichkeit bietet, würde ich den Pro-Ject Xtension 9 S-Shape mit dem Ortofon Concorde Century koppeln. Das ist eine clevere Kombi, die erstens sehr gut klingt, zweitens nicht wählerisch ist beim Phonoverstärker und sich drittens auch problemlos montieren lässt, wenn viertens einmal die Nadel gewechselt werden muss. Mit seiner souveränen Darbietung hat mich das Laufwerk, mit seiner Neutralität der Pickup überzeugt.

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