Lautsprecher

Teufel Definion 5 im Test

2.9.2013 von Malte Ruhnke

Heimkino im Direktvertrieb - das Image von Teufel verzückte bisher nur wenige High-Ender. Das könnte sich nun ändern: Mit dem Punktstrahler Definion konzentrieren die Berliner die Chassis-Technik aufs Wesentliche.

ca. 2:55 Min
Testbericht
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Teufel Definion 5
Teufel Definion 5
© Hersteller/Archiv

Pro

  • farbenfroh und hervorragend transparent
  • gutes Timing
  • hervorragende Ortbarkeit

Contra

Wer in der Weltelite der Boxenhersteller mitmischen will, muss vor allem etwas technisch Einzigartiges auf die Beine stellen und auf eine entsprechende jahrzehntelange Entwicklungserfahrung verweisen können. Erfahrung bringen die Entwickler von Lautsprecher Teufel zweifellos mit, wenn auch bisher eher im Heimkino- und Consumer-Segment. Was kann man also aus technischer Sicht tun, das die Ernsthaftigkeit der audiophilen Absichten unterstreicht?

Am besten erschafft man ein eigenes, weltexklusives Chassis. Nein, nicht nur eines, ein koaxialer, kohärenter Punktstrahler in Flachmembrantechnik muss es sein, die Königsklasse beim Bau dynamischer Treiber. Diese Herkules-Aufgabe, an der sich schon deutlich renommiertere Hersteller die Zähne ausgebissen haben, hat allein zweieinhalb Jahre gedauert. Und natürlich durfte ein erfahrener Chassis-Produzent, nicht fehlen, der das Projekt unterstützt: Wavecor.

Mittelton-Membran
Die Mittelton-Membran, durch eine tiefe Wabenkonstruktion verstärkt, wird lediglich von zwei Sicken gehalten und außen von einer XXLSchwingspule angetrieben. Die Beeinflussung der Hochtonkalotte wird so magnetisch und akustisch minimiert, nach hinten bleibt genug Ventilation.
© Hersteller/Archiv

Alles flach - oder was

Die Grundidee ist einfach: Eine Gewebekalotte und ein Flachmembran-Mitteltöner spielen nicht nur auf derselben Achse, sondern auch auf derselben Ebene, im Teufel-Jargon "Synchronized Coaxial Acoustics" genannt. Auf den Entwickler kommen damit einige fast unlösbare Probleme zu: Beeinflusst die Mitteltöner-Membran die Abstrahlung des Hochtöners? Wie kann die Mitteltönermembran gleichmäßig angetrieben, stabilisiert und gegen Taumelbewegungen immunisiert werden? Wie ist der Mitteltöner nach hinten ventiliert?

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Die Lösung ergibt sich quasi von außen: Der ringförmige Mitteltöner besteht aus einem sehr leichten, aber verwindungssteifen Wabenkonstrukt und zwei verklebten Flächen: einer vorderen aus eloxiertem Aluminium und einer hinteren aus Kevlar.

Luftspulen
Feine Luftspulen und Folienkondensatoren - hier wurde nicht gespart. Die Weiche ist zudem auf sanfte Übergänge und Zeitrichtigkeit optimiert.
© Hersteller/Archiv

Partialschwingungen haben hier keine Chance, und dank der beiden invertiert zueinander ausgelegten Sicken in etwa zwei Zentimetern Abstand hintereinander wird auch ein Taumeln verhindert, ohne dass diese innen zentriert werden müssten. Eine extrem große Fünf-Zoll-Schwingspule und ein außenliegendes Magnetsystem lassen genug kompressionsfreien Raum Richtung Volumen. Der Übergang erfolgt bei nominell hohen 3500 Hz, ist von der Filtercharakteristik aber flach und sanft ausgelegt.

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen und einwinkeln

Dies verbessert die akustische Interaktion zwischen den beiden Bestandteilen des Koaxes ebenso wie die mit 350 Hz hohe Abtrennung zu den Tieftönern, was für geringe Hübe der Ringmembran sorgt. Auf der anderen Seite sind daher leichte, schnelle Tieftöner gefragt: Teufel hat ein neues Chassis im 18-cm-Format mit eloxierter Alu-Sandwich-Membran entwickelt, das hier zugunsten besserer Impulsgenauigkeit im Dreierpack auf ein geschlossenes Gehäuse spielt. Das wirkt äußerlich mit schwarzweißem Mattlack weniger highendig, vermittelt aber dem Kenner mit vielen Verstrebungen, keilförmiger Mitteltonkammer und entkoppelter Schallwand High- End-Anspruch.

Mittelhochtöner
Der Mittelhochtöner findet in einer geschlossenen Kammer Platz, deren abgeschrägte Form stehende Wellen effektiv verhindert. Da hier die Drücke am kleinsten sind, finden auch beide Frequenzweichen in ihr Platz. Die drei Bässe spielen auf den Rest des geschlossenen Volumens, das später noch mit reiner Schafwolle gefüllt wird
© Hersteller/Archiv

Hörtest

Beim Namen Teufel erwarten einige womöglich eine ans Kino angelehnte, effektvolle Abstimmung, doch nichts da! Die Definion 5 spielte sich bei Rebecca Pidgeons "Spanish Harlem" ausgesprochen sanft in die Herzen der Hörer. Das Hauchen der Stimme, ein kraftvolles Fundament, seidige Gitarren-Anschläge - alles klang wie aus einem Guss, wurde aber zurückhaltend serviert. Andere Boxen, wie etwa die Canton Chrono SLS 780DC, agierten da spritziger, erreichten aber weder die Sanftheit der Teufel, noch deren Präzision über alle Frequenzbereiche hinweg.

Bei Verdis "Aida" (Dirigent: Riccardo Muti) brillierte sie mit einer feinen Durchhörbarkeit des Chores und einer atemberaubend genauen Staffelung in der Breite - alles war in traumhafter Sicherheit am Platz. Die Ausleuchtung der Raumtiefe war weniger ihr Ding, traten doch die Akteure eher auf den Hörer zu und blieben trotz der historischen Aufnahme betont entspannt.

Geradezu eine Sensation ist das Timing im Bass: Peter Gabriels "Up", dessen fiese Beats gern mal zu Brei werden, tönte über die Definion genial definiert und trotz des präzisen Charakters entspannt und voll. Keine Frage: Teufels Einstand definiert die Regeln von High End neu.

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