Testbericht

Vollverstärker Unison Preludio

15.4.2007 von Redaktion connect und Johannes Maier

Mit dem Preludio für 2700 Euro steuert Unison eine Röhre bei, also den Extra-Wärmespender für Politik-Verdrossene.

ca. 2:15 Min
Testbericht
  1. Vollverstärker Unison Preludio
  2. Datenblatt
Vollverstärker Unison Preludio
Vollverstärker Unison Preludio
© Archiv

Giovanni Sachetti, Chefentwickler des norditalienischen Herstellers Unison alias A.R.I.A (Advanced Research In Audio), entwarf den bestklingenden und den zweitbestklingenden Vollverstärker, die stereoplay kennt (Absolute SE und Performance, 8/04, 6/05). Nachteil: Sie kosten richtig Geld. Deswegen treibt Sachetti nun der Ehrgeiz um, das wohlkingende Prinzip "Single Ended Class A" für kleinere Münze unters Volk zu bringen. Und so entstand der Preludio, der statt mit 30000 oder 8000 nur noch mit 2700 Euro zu Buche schlägt.

Vollverstärker Unison Preludio
Italienische Feinkost: Die Transistoren am oberen Alu-Kühlkörper helfen, die Endstufen-Hochspannung zu säubern, das IC am unteren Profil hält die Vorstufen-Heiz- und Endröhren- Kathodenspannung konstant.
© Julian Bauer

Der Vorgabe, die Musiksignale mit möglichst wenig Unnatur, sprich Elektronik zu belästigen, folgt der Preludio, der mit seiner Holzfront und dem Hitze-Reflektor-Schild den großen Brüdern sehr ähnlich sieht, sogar mit besonderer Konsequenz.

Schwupps geht's vom via Funk-Geber fernsteuerbaren Alps-Poti zur ersten Triode, dann auf direktem Wege (bei so abgeglichenen Versorgungspotentialen, dass es hier keinen Koppelkondensator braucht) zur zweiten und dann jeweils schon zur Endröhre, einer von Sovtek bezogenen KT 88.

Diese hält Sachetti nicht etwa über eine Gitter-, sondern (Kleinsignal-ferner) über eine Kathoden-Vorspannung beim richtigen Arbeitspunkt, der so liegt, dass die Röhre stets voll Strom zieht. Das ermöglicht, dass die Musikschwingungen nicht wie bei den üblichen, stromsparenderen Gegentakt-Anordnungen zwischen zwei Röhren hin und her lavieren müssen, sondern unbeschwert sowohl nach oben als auch nach unten ausholen dürfen.

Während herrschaftliche Umweltengel bereits um ihre Fassung ringen, sei freimütig zugegeben, dass solch ein echter Class-A-Verstärker für ein paar Wättchen Ausgangsleistung bärig viel Energie verbraucht.

Es kommt schlimmer: Wenn  solch ein Röhren-Amp seiner Auffassung von Natur zuliebe ohne oder mit wenig Gegenkopplung arbeitet wie der Preludio, benötigt er ein möglichst sauberes, sprich riesiges und im Leerlauf schon energieverbrauchendes Netzteil - denn es gibt kaum Korrekturmöglichkeiten, um Sauigeleien auszubügeln.

"Ja wo isses denn?", reibt sich der High-Ender nun aber die Augen! Unter der Mittelhaube oben steckt noch ein mediokrer Netztrafo, unten im Chassis finden sich dann aber nur noch ein roter, Filmdosen-großer Elko und zwei fingerdünne Stromspeicher. Wer spricht da von Verschwendung?

Vollverstärker Unison Preludio Fernbedienung
© Archiv

Ob groß genug oder zu klein, de facto leistete sich der neue Unison zunächst tatsächlich ein relativ schwaches "Vorspiel". Eigentlich freuten sich die Tester auf "Segu Blue" von Bassekou Kouyate & Ngoni ba (Hausmusik). Aber hoppla, was war in die sonst so temperamentvoll trommelnden afrikanischen Jungs gefahren? Da brachte der offenbar überforderte Preludio, anstatt die prächtigen Rhythmen aufzulösen, nicht viel mehr als verdruckste Laute heraus. Ergo beschloss die Jury, mit Klangpunkten vorläufig zu sparen.

Bei anderen Weisen sorgte der Preludio selbst über nicht so leicht anzuspornende Boxen wie die Allegra von Sonics (8/05) für eine Art magische Extase. Nehmen wir "Dreaming Through The Noise" von Vienna Teng (ZOE-CD). Da bittet ein Bass in "Blue Caravan" herein. Und zwar nicht die übliche dunkle Figur, sondern eine mit vielfältigen warmen Farben wuchernde und eine mit so habhaften Konturen und  Vertiefungen, dass der Eingeladene die Finger reinlegen will. Und dann geht es zusammen mit der quietschlebendigen Sängerin, deren warm durchblutete, feuchte Lippen man fast zu spüren scheint, auf eine Zeitreise. Bestimmte CD-Titel verwandelt der Preludio also in himmlische Träume.

Unison Preludio

Unison Preludio
Hersteller Unison
Preis 2700.00 €
Wertung 55.0 Punkte
Testverfahren 1.0

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