Smartphone und Tablet

Handy-Daten sicher löschen

Wer sein Handy, Smartphone oder Tablet gebraucht verkaufen will, sollte die darauf gespeicherten Daten sicher und zuverlässig löschen. Wir zeigen, wie das für Android-Geräte geht.

Photorec

© Hersteller/Archiv

Photorec

Dass man das Handy, Smartphone oder Tablet vor dem Weiterverkauf auf die Werkseinstellungen zurücksetzen sollte, versteht sich von selbst und dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Doch in jüngster Zeit haben Berichte darüber, dass sich die Daten trotz der vermeintlichen Löschung wiederherstellen lassen, viele Nutzer beunruhigt. Was ist da dran?

Die geschilderten Bedenken sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Denn beim Zurücksetzen des Smartphones hat Android gar nicht genug Zeit, um die Speicherinhalte wirklich zu löschen beziehungsweise mit Nullen zu überschreiben - das würde bei einem Gerät mit 32 GB Flash-RAM bis zu einer Stunde dauern.

Stattdessen geht Android so vor, wie es praktisch alle Computersysteme beim Löschen von Speichermedien tun: Es löscht das Inhaltsverzeichnis des Datenträgers und gibt alle Speicherbereiche zur erneuten Nutzung frei.

So geht's: Handy und Tablet verkaufen

Damit erscheinen der interne Speicher sowie gegebenenfalls auch eine eingesetzte Speicherkarte leer. Doch wer es darauf anlegt, hat trotzdem keine schlechten Chancen, die vorher dort gespeicherten Inhalte zu rekonstruieren.

Sichern und zurücksetzen

© Hersteller/Archiv

Mit Bordmitteln: Zurücksetzen auf Werkseinstellungen. Wie sicher die Daten dabei gelöscht werden, hängt aber vom jeweiligen Gerät ab.

Recovery-Tools zuhauf

Zu diesem Zweck gibt es zum Beispiel Apps wie "Undelete Beta" für Android. Dieses Programm setzt zwar ein Rooting des betroffenen Smartphones voraus. Doch wer garantiert dem Smartphone-Verkäufer, dass der neue Besitzer des Geräts dies nicht macht?

"Undelete Beta" wurde in bester Absicht entwickelt. Es richtet sich an Android-Nutzer, die wichtige Daten wie zum Beispiel noch nicht anderweitig gesicherte Fotos versehentlich gelöscht haben.

Dazu versucht das Programm, im Speicher noch vorhandene Dateistrukturen und -inhalte zu erkennen und wieder zum Zugriff durch das Betriebssystem bereitzustellen. Doch leider gilt: Je erfolgreicher es dabei ist, umso größer ist auch das Missbrauchspotenzial. 

Undelete Beta

© Hersteller/Archiv

Zugriff direkt auf dem Smartphone: Auf gerooteten Android-Geräten versucht die App "Undelete Beta" Datenreste aus dem Speicher zu rekonstruieren.

Und es geht noch einfacher: Für Desktop-Rechner gibt es ausgesprochen mächtige "Recovery"-Tools. Unter Windows-Nutzern gilt beispielsweise das Programmpaket "Test Disk & Photo Rec" als Geheimtipp, wenn es um die Wiederherstellung versehentlich gelöschter Daten auf Festplatten, SSDs oder inbesondere auch SD-Cards geht. Andere beliebte und einschlägige Tools heißen "F-Recovery" oder "PC Inspector" oder "Recuva".

Schließt man nun ein Android-Smartphone im USB-Festplatten-Modus an einen PC oder Mac an, können solche Wiederherstellungs-Spezialisten mit ihren ausgefeilten Tricks auch das seit "Gingerbread" (Android 2.3) von Android-Geräten genutzte Dateisystem "Ext4" durchforsten - und werden dabei gar nicht selten fündig.

Die 10 besten Android-Handys im Test

Diese Methode hat sogar den Vorteil, dass nach dem Löschen des Smartphones dort keine neuen Apps installiert werden müssen, was die Chancen zur erfolgreichen "Datenrettung" weiter steigert.

Viele Faktoren im Spiel

Wie viele Daten sich von einem vermeintlich gelöschten Handy wiederherstellen lassen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Um welche Dateitypen geht es, wo im Speicher liegen sie genau, wurden seither neue Daten auf dem Gerät gespeichert?

Und schließlich: Um welches Modell handelt es sich? Denn die Telefonhersteller haben die Rücksetzungs-Routinen im Detail mit unterschiedlichen Löschverfahren und -strategien realisiert.

Klar ist aber: Jede persönliche Information oder Datei, die einem Unbefugten in die Hände fällt, ist eine zu viel. Dieser Wunsch nach Privatsphäre ist keineswegs paranoid, wie es manche Kommentatoren in Android-Foren behaupten.

Richtig löschen

Wie lassen sich die beschriebenen Risiken nun aber am besten vermeiden? Dabei gilt es zwischen den beiden Speicherbereichen des Smartphones zu unterscheiden: dem internen Speicher und einer im Gerät eventuell eingesetzten Micro-SD-Karte.

Wer bei der Speicherkarte auf Nummer sicher gehen will, verkauft sie am besten gar nicht mit oder setzt an ihrer Stelle eine fabrikneue Karte mit kleiner Kapazität ein. Wollen Sie die Karte unbedingt mit abgeben, lässt sich mit den im Folgenden vorgestellten Methoden auch deren Inhalt unwiderruflich beseitigen.

Photorec

© Hersteller/Archiv

Zugriff von außen: Mit der Freeware "Test Disk & Photo Rec" lassen sich in den USB-Modus geschaltete Android-Smartphones von außen auf Datenreste durchsuchen. Das mit bester Absicht zur Datenrettung entwickelte Tool kann so auch zur Bedrohung für übrig gebliebene sensible Smartphone-Inhalte werden.

Zum wirklich sicheren Löschen des Flash-Speichers muss dieser mehrfach mit Nullen überschrieben werden. Dieses Prozedere beherrschen verschiedene Apps. Kostenlos erhältlich ist das an der ETH Zürich entwickelte "Shredroid".

Das Programm läuft auf vielen Android-Geräten stabil, allerdings häufen sich beim Einsatz auf neueren Geräten und Android-Versionen Berichte über Abstürze. Wer deshalb lieber ein wenig Geld ausgeben möchte, sollte sich die mit 74 Cent fair bepreiste App "Nuke My Phone" anschauen. Eine, allerdings teurere, Alternative ist "SD Android" (Secure Deletion for Android, 2,20 Euro).

NukeMyPhone

© Hersteller/Archiv

Digitale Bombe für 74 Cent: Die App "Nuke My Phone" macht dem Speicherinhalt Ihres Android-Geräts den Garaus.

Löschen von außen

Statt das Smartphone per lokaler App zu löschen, können Sie aber auch dieselbe Strategie wie beim Wiederherstellen nutzen: Schließen Sie das Smartphone per USB-Kabel an einem Desktop-PC an, aktivieren Sie den USBFestplatten-Modus und leeren Sie dann den Speicherinhalt mit einem einschlägigen Löschprogramm.

Dazu sollten Sie nach Möglichkeit einen Windows-Rechner einsetzen, denn für PCs gibt es gute Ext4-kompatible Tools wie etwa den "Eraser". Auf Macs lassen sich Ext4-formatierte Laufwerke nur mit kostenpflichtigen Tools wie "ExtFS for MacOS" von Paragon (40 Dollar), bearbeiten und zuverlässig löschen.

SHREDroid

© Hersteller/Archiv

Kostenloser Digital-Vernichter: Die App "Shredroid" ist gratis und wurde an der ETH Zürich entwickelt.

Auch wenn die beschriebenen Methoden etwas Mühe bereiten und Sie möglicherweise sogar Geld kosten: Wenn Sie auf die Sicherheit Ihrer privaten Daten Wert legen, führt beim Handyverkauf daran kein Weg vorbei.

Mehr lesen

Wer ist die Nummer eins? -

Mehr zum Thema

Android-Apps auf Speicherkarte
Schritt für Schritt

Seit Android 4 lassen sich Apps nicht mehr auf die Speicherkarte auslagern. connect zeigt anhand des Samsung Galaxy S3, wie es trotzdem klappt.
Android-UIs
Android-Oberflächen

Stock-Android, Samsung Touchwiz, HTC Sense, Sony UI, LG Optimus UI und Huawei Emotion UI: Wir zeigen, wie sich die Android-Benutzeroberflächen der…
Apple App-Store
Apple

Auch wer keine Kreditkarte hat, kann in Apples App Store und im iTunes Store einkaufen. Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten es gibt und wie Sie…
iOS Einstellungen In-App-Käufe deaktivieren
iOS & Android

Viele zunächst kostenlose Apps und Spiele werden durch In-App-Käufe im Nachhinein noch richtig teuer. So deaktivieren Sie die In-App-Käufe.
Dokumente scannen mit Android und iPhone
Gratis-App

Wie Sie aus Ihrem Android-Smartphone einen Scanner machen: Mit der App Google Drive geht's einfach, bequem und gratis.
Alle Testberichte
Acer Switch Alpha 12
Detachable
75,4%
Das Acer Switch Alpha 12 ist das erste lüfterlose 2-in-1-Gerät mit Core-i-Prozessor. Im Test hinterlässt es einen…
Huawei P9 Plus
5,5-Zoll-Smartphone
88,0%
Huawei optimiert das P9 und heraus kommt ein echter Überflieger: Wir haben das Huawei P9 Plus getestet.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.