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Kaufberatung Welcher E-Book-Reader ist der Richtige?

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Kindle E-Book-Reader
E-Books sind auf dem Vormarsch. Doch worin unterscheiden sich die Angebote und welcher Reader ist die richtige Wahl? Unsere Kaufberatung zeigt's.

Wenn Ihnen angesichts des Volumens, das selbst leichte Literatur mit sich bringt, der Platz im Bücherregal ausgeht, sollten Sie über die Anschaffung eines E-Book-Readers nachdenken. In ihm finden tausend Bücher und mehr Platz.

Und selbst wenn dieses Potenzial einmal ausgeschöpft ist, kann man seine Lektüre in die Cloud oder auf andere Speicher outsourcen. Eine normale Festplatte von 1 Terabyte Kapazität fasst weit mehr Lesestoff, als in der legendären Bibliothek von Alexandria mit ihren zu Hochzeiten 700 000 Schriftrollen gelagert war.

Wer dem Papierwahnsinn ein Ende bereiten will, ist mit einem E-Book-Reader also auf jeden Fall gut beraten.

Kindle gegen den Rest der Welt

Doch für welches Modell soll sich der geneigte Kunde entscheiden? Für einen Reader, der den von vielen Herstellern unterstützten EPUB-Standard beherrscht, etwa den PRS-T2 von Sony? Oder doch lieber für einen Kindle von Amazon, schließlich erfreuen sich diese Modelle außerordentlicher Beliebtheit?

Amazon Kindle Fire HD
Amazon Kindle Fire HD ©

Oder sollte es gleich ein Tablet mit passender Reader-App sein? Das bietet immerhin jede Menge Nutzen über das reine Lesevergnügen hinaus. Die Entscheidung zwischen einem Kindle und einem den offenen Standard EPUB unterstützenden Reader hat zahlreiche Konsequenzen.

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So sind beim Kindle die gekauften Bücher an das Amazon-Konto gekoppelt – ohne dieses geht der Zugriff auf die elektronische Bibliothek verloren. Für die Verwaltung von den ebenfalls verschlüsselten EPUBs und von entsprechend geschützten PDFs wiederum ist ein kostenloses Adobe-Konto erforderlich – ohne Anmeldung geht also hier wie da nichts.

Bei elektronischen Büchern im EPUB-Format kann man zwischen verschiedenen Einkaufsquellen wählen. So bietet Sony für die eigenen Modelle einen Shop namens Reader Store an. Daneben kann man beim ehemals unter dem Namen Libri bekannten Shop Ebook.de kaufen. Der ist zudem mit einem regionalen Händlernetzwerk verknüpft, was eine gewisse Unterstützung des Buchhändlers vor Ort ermöglicht.

Zusätzlich bietet sich etwa Mayersche.de zum Stöbern an. Wobei das Angebot an aktuellen Titeln sowohl auf dem proprietären Amazon-Format als auch der offenen EPUB-Plattform zu haben ist; renommierte Verlage beliefern beide Plattformen.

Ebenfalls für beide Plattformen gibt es Reader-Apps für alle gängigen Betriebssysteme, die die erstandene Literatur auch auf Smartphones und Tablets verfügbar machen.

Unterschiedliche Preise

Wer angesichts der Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten glaubt, auf Schnäppchenjagd gehen zu können, wird allerdings schnell enttäuscht. Das Standardrepertoire aktueller Bücher kostet dank deutscher Buchpreisbindung bei allen Anbietern das Gleiche.

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Schlimmer noch: Trotz der wegfallenden Kosten für Papier, Druck und Auslieferung sind E-Books meist kaum billiger als ihre physikalisch existierenden Gegenstücke – die man immerhin auch verleihen und verkaufen kann.

Amazon Kindle Paperwhite (3G)
Amazon Kindle Paperwhite (3G) ©

Auch wichtig zu wissen: Bei Neuerscheinungen richtet sich der Preis von E-Books in aller Regel nach dem der gebundenen Ausgabe. In der analogen Welt folgt dem gebundenen Buch nach einiger Zeit meist ein deutlich preiswerteres Taschenbuch. Das ist bei E-Books nicht zwingend der Fall: Eigentlich sollte mit Erscheinen der Taschenausgabe auch der digitale Preis fallen.

Mitunter bleibt der Preis fürs E-Book aber stehen, sodass dieses dann teurer als die Taschenbuchvariante ist – hier heißt es also aufpassen und die verfügbaren Formate prüfen.

Alte Werke, fremde Sprachen

Doch das E-Book taugt trotzdem für Sparfüchse. Alte Werke, deren Urheberrechte 70 Jahre nach dem Tod des Autors erloschen sind, können von Verlagen ziemlich frei verwendet werden. Das hebelt die Buchpreisbindung weitgehend aus.

Wer also vorhat, sich in die Welten populärer, historischer Autoren zu vertiefen, liegt mit einem E-Book-Reader auf jeden Fall richtig. Doch sollte man durchaus vor dem Kauf eines Gerätes und vor dem Kauf des begehrten Werkes Preisvergleiche anstellen. So fanden wir Franz Kafkas „Der Prozess“ kostenlos bei Amazon, während der gleiche Titel im Reader Store von Sony mit 3,99 Euro zu Buche schlug. Die Gesamtausgabe von Franz Kafka inklusive „Der Prozess“ gab es hier wie da für unter einem Euro. Vergleichen und stöbern lohnt sich also.

Sony PRS-T2
Sony PRS-T2 ©

Ebenfalls nicht von der deutschen Buchpreisbindung betroffen sind fremdsprachige Bücher, sodass auch Leser, die etwa das englische Original der deutschen Übersetzung vorziehen, auf jeden Fall vorab prüfen sollten, ob ihre Lieblingsautoren im Kindle-Format namens AZW, als PDF oder als EPUB preiswerter zu haben sind.

Besondere Displaytechnik

Übliche E-Book-Reader setzen auf Displays in sogenannter E-Ink-Technik. Bei dieser schwimmen positiv geladene schwarze und negativ geladene weiße Mikropartikel in einer sehr klaren Flüssigkeit. Je nach der für jeden Bildpunkt angelegten Spannung werden entweder schwarze oder weiße Partikel nach vorne geholt. Nach Abschalten der Spannung verhalten sich einmal bewegte Partikel weitgehend statisch: Sie verändern ohne erneute Ansteuerung ihre Position auch über mehrere Tage fast nicht.

Kaufberatung: Tablet oder Ebook-Reader?

Im Gegensatz zu anderen Displaytechniken, bei denen das Bild mindestens 50 mal pro Sekunde neu aufgebaut werden muss, wird ein E-Ink-Bildschirm nur angesteuert, wenn sich der Inhalt ändert, also nur beim Umblättern der Seiten.

Der Neuaufbau einer Seite geht dafür wesentlich träger vonstatten als bei Tablet- oder Notebook-Displays. Auf das Lesevergnügen hat das langsame Umblättern aber wenig Einfluss. Auch dass E-Ink-Anzeigen bisher nur in Schwarz-Weiß oder genauer gesagt als monochrome Flächen verfügbar sind, ist für die Augen angenehm.

Dank mattierter Oberfläche entspricht die Ansicht weitestgehend der von schwarzen Buchstaben auf weißem Papier; der Kontrastumfang ist nur minimal geringer. Wie die Zeitung oder das Buch braucht auch das E-Ink-Display Umgebungslicht, doch bei geeigneter Beleuchtung ist es praktisch genauso angenehm lesbar wie die Papiervariante.

Der extrem geringere Aufwand bei der Ansteuerung und der mögliche Verzicht auf Beleuchtung haben einen entscheidenden Vorteil: E-Book-Reader verbrauchen kaum Energie und kommen mit sehr kleinen Akkus auf herausragende Laufzeiten von mehreren Wochen. So sind die elektronischen Lesegeräte mit ihren 6 Zoll Bilddiagonale zwar so groß wie ein normales Taschenbuch, aber deutlich leichter.

Touchscreen ja oder nein?

Immer häufiger besitzen Reader einen eingebauten Touchscreen. Wer den für unabdingbar hält, wird in der Praxis oft eines Besseren belehrt. Blättern geht auch über entsprechende Tasten sehr gut, zum reinen Lesen ist die Gestensteuerung nicht nötig.

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Und wer auf die Idee kommt, die vorinstallierten Browser wirklich einmal auszuprobieren, lernt schnell, dass das träge und monochrome E-Ink-Display die Surfsession zu einer Qual macht, der sich der normale Mensch höchstens in Notfällen unterzieht, Touchscreen hin oder her.

Amazon Kindle 4. Generation
Amazon Kindle 4. Generation ©

Vorteile bringt der Touchscreen, dagegen im Umgang mit Nachschlagewerken wie Wörterbüchern oder Enzyklopädien, wo die virtuelle Tastatur die Suche erleichtert. Aber auch mit Tastaturmodellen kommt man ans Ziel – wenn auch deutlich mühsamer.

Sehr hilfreich für fremdsprachige Lektüre: Bei den Readern lässt sich ein Wörterbuch in den Leseprozess einbinden – markiert man das gesuchte Wort je nach Reader-Modell per Fingertipp oder Cursor, erscheint die Übersetzung oder Erklärung aus dem vorgewählten Wörterbuch auf dem Display.

Fazit

Auch wenn Rechtemanagement, Formatbeschränkungen und Preisgestaltung elektronischer Bücher mitunter noch für Verdruss sorgen, bieten E-Books viele Vorteile, die sich Leseratten nicht entgehen lassen sollten.

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