Testbericht

AV-Receiver Anthem MRX 700

Der Anthem MRX 700 (2200 Euro) ist ein kraftvoller, ungeheuer dynamischer AV-Receiver mit einem höchst professionellen Werkzeug bei der Korrektur von Raumakustikfallen.

  1. AV-Receiver Anthem MRX 700
  2. Datenblatt
Anthem MRX 700

© Anthem

Einziges verspieltes, gleichzeitig sehr praktisches Detail: Die Front-Anschlüsse verbergen sich unter einem Schiebetürchen links unten.

Immerhin ist der MRX 700 einer der ersten AV-Receiver von Anthem, die sich  mit amtlichen Mehrkanal-Einzelkomponenten für Erwachsene einen Namen gemacht haben. Dieses Erbe  trägt der Amp auch schon äußerlich: nüchternes und praktisches Design, gut lesbares und vor allem nicht zu grelles Display und kein überflüssiger Multimedia-Schnickschnack - das iPhone findet nur über ein optional erhältliches Dock Zugang zu den inneren Schaltkreisen.

Anthem MRX 700

© MPS

Überbordende Anschlussvielfalt kann man dem Anthem nicht vorwerfen. Aber alles Wichtige und Nützliche ist vorhanden: Pre-Outs, analoges Video (außer S-Video), USB und die immens wichtige RS232-Buchse.

Die beiden USB-Eingänge sind für Audiodaten von externen Festplatten und Speichersticks reserviert (ausgerechnet Flac-Dateien werden aber nicht unterstützt). Die Ethernetschnittstelle an der Rückseite dient lediglich dem Empfang von Internetradio, dafür spielt die nostalgisch anmutende RS232-Buchse eine weitaus wichtigere Rolle: Nicht nur die vom PC errechneten Raumkorrektur-Kurven finden so den Weg zum MRX 700, sondern auch Software-Updates, die den Anthem auf dem neuesten Stand halten.

Anthem MRX 700

© MPS

Der gewaltige Ringkerntrafo spricht Bände, die sieben Endstufen kuscheln sich eng an den Aluminium-Kühltunnel und Lüfter sind weit und breit nicht zu sehen.

Das On-Screen-Menü ist nüchtern gehalten, schnell zu erfassen und zu bedienen. Dabei hilft die ebenfalls eher sachlich gestaltete Hauptfernbedienung. Eine zweiter, kleinerer Befehlsgeber kontrolliert ausschließlich die Nebenraumfunktionen der Zone 2. Die sieben Endstufen des MRX 700 können wahlweise jedes erdenkliche 7.1-Setup versorgen (ob mit zusätzlichen Lautsprechern hinten oder vorne) oder mit den nicht genutzten Ressourcen ein Nebenzimmer akustisch unterstützen. Bi-Amping der Frontboxen, also der getrennte Antrieb von Hoch- und Tiefmittelton, ist dagegen nicht vorgesehen.

Auch sind dem Anthem analoge Signale irgendwie suspekt. Mehrkanalton gewährt er nur digitalen Einlass und wandelt jedes eintreffende Analogtönchen konsequent in Bits und Bytes, ohne den üblichen audiophilen Schleichweg über "Pure Direct" anzubieten. Zudem kennt er bei der Quantisierung nur Samplingraten bis 44,1 kHz, was Freunde der SACD so gar nicht gerne sehen.

Als engagierter Homecineast weiß er 3D-Bilderdaten von seinen vier HDMI-Eingängen an den einzigen Ausgang zu schleusen. Ein Videoprozessor mit Faroudja-Wurzeln von ST Microelectronics sorgt dabei für die nötige Aufbereitung von Analog- und Digitalbild.

Anthem MRX 700

© Anthem

ANthem Room Correction

Extra: Anthem Room Correction

Die Anthem Room Correction oder kurz ARC ist ein höchst professionelles Werkzeug bei der Korrektur von Raumakustikfallen. Für die Nutzung ist unbedingt ein PC mit Windows XP, Vista oder Windows 7 erforderlich - und eine RS232-Schnittstelle. Im ARC-Paket enthalten ist die Computer-Software, ein ziemlich hochwertiges USB-Mikrofon mit ausreichend langem Kabel und ein ernsthaftes Dreibein-Stativ. An mindestens fünf und maximal zehn Hörpositionen können so Messwerte ermittelt und für zwei unterschiedliche Konfigurationen gespeichert werden (beispielsweise mit oder ohne Subwoofer als Movie und Music).

Der Anthem-Receiver wird nur zur Generierung der Messtöne aktiviert, die aufgenommenen Ergebnisse werden direkt vom Mikrofon per USB an den PC weitergereicht und dort verarbeitet. Heraus kommt ein komplexes Frequenzdiagramm pro gemessenem Lautsprecher, das die ermittelte Kurve im Verhältnis zur angestrebten Soll-Kurve darstellt. Der PC berechnet auch die entsprechenden Equalizeranpassungen und sendet diese zum Receiver. Dort sind sie per Option "Room EQ on/off" pro Eingang aktivierbar.

Anthem MRX 700

© AUDIO

SPANNUNGSPROFIL: Mit einer AK von 69 und fast perfektem Würfel höchst beeindruckend.

Messungen

Dass der Anthem ein ausgewachsenes Kraftpaket ist, konnte man im Hörraum schon erahnen, das Messlabor liefert die Bestätigung: Sinusleistung Stereo 8/4 Ohm: 2x 142/213W, Sinusleistung Surround 8/4 Ohm: 5x 106/132W. Auch von komplexen Lasten lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen. Gewöhnungsbedürftig: Alle eintreffenden analogen Signale werden nur mit 44,1 kHz gesampelt. Verbrauch Standby/Betrieb: 0,3/32W

Anthem MRX 700

© AUDIO

HARMONISCHER KLIRR: k3 liegt leicht über k2, insgesamt aber gleichmäßiger Anstieg.

Hörtest

Der Anthem MRX 700 legte mit den wilden  Fiddlern und der extravaganten Nyckelharpa-Polka auf der Blu-ray-Disc "Trondheim Solistene in Folk Style" los wie ein Derwisch, ließ die im typischen 2L-Label-Stil kreisförmig aufgenommenen Streicher so raumfüllend und dynamisch agieren wie kein zweiter Testkandidat.

Beim Test der Dolby TrueHD-Kodierung kam die Police-Scheibe "Wrapped Around Your Finger" in das Laufwerk. Genau hier fiel den Testern ein Bug beim Anthem auf: Von der 5.1-Aufnahme muss der Receiver eine 5.0-Variante für die fünf im AUDIO-Hörraum genutzten B&W 801 errechnen - und den LFE-Anteil dementsprechend auf die Front-Boxen mischen. Genau das schien dem Anthem mit der Scheibe nicht ganz zu glücken, jedenfalls ließ die Stand Tom die sonst gewohnte Durchschlagskraft vermissen. Glücklicherweise fanden die Tester nur diesen einen Fall, mit allen anderen dargebotenen HD-Discs (mit DTS-HD und Dolby True HD) kamen der Amp und sein Bassmanagement tadellos zurecht.

Noch ein Tipp der Redaktion: Soll der Anthem auch Stereoverstärker seinen Dienst tun, wählt man lieber den digitalen Coax-Eingang: Hier konnte der MRX 700 mit großartiger Kulisse und extremer Dynamik beeindrucken.

Anthem by Sonic Frontiers MRX 700

HerstellerAnthem by Sonic Frontiers
Preis2200.00 €
Wertung95.0 Punkte
Testverfahren1.0

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