Standlautsprecher

Focal Aria 948 im Test

Bei der Suche nach dem optimalen Membranmaterial für die Aria-Serie kam Focal auf den natürlichsten Rohstoff: die Fasern des blau blühenden Flachses. Klingt das Flaggschiff Focal Aria 948 so natürlich, wie es aussieht?

Focal Aria 948

© Focal

Focal Aria 948
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EUR 600,00

Pro

  • kraftvolles Fundament
  • viel Spielfreude, Dynamik und Klangfarbenreichtum
  • weites klangliches Spektrum

Contra

Auf der Suche nach einer akustischen Revolution im Lautsprechermarkt setzen viele Hersteller auf neue Membranmaterialien. In den letzten Jahren machten Extreme wie Kevlar, Beryllium, Keramik und Diamant von sich reden, die bei Faktoren wie spezifischem Gewicht und Härte in neue Grenzbereiche stießen.

Die neue Aria-Serie von Focal könnte vielleicht so etwas wie eine Gegenrevolution einläuten: Die Franzosen wollten weder das Rad neu erfinden noch unbedingt etwas Exotisches präsentieren, sondern eine bezahlbare Serie kreieren, deren Töner bei Dämpfung, Steifigkeit und inneren Ausbreitungsgeschwindigkeiten mit den Glasfaser-Sandwich-Konstruktionen der teureren Serien mithalten können. So stieß man auf die Naturfaser Flachs (auch Leinen genannt), die etwa in der Automobil-Industrie als Basis für naturfaserverstärkte Kunststoffe dient und beste Dienste leistet.

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Mittel- und Tieftönermembranen der neuen Serie bestehen aus Flachsfasermatten, die mit durchsichtigen Glasfaseranteilen verbacken werden, womit man noch schön das ursprüngliche Basismaterial erkennen kann. Dieses Sandwich soll bei der inneren Dämpfung ebenso in der obersten Liga der Konusmembranen mitspielen können wie bei Steifigkeit und Freiheit von Resonanzen und Partialschwingungen.

Lautsprecher, Querschnitt, Flachs

© Focal

Leichte Membran, kleine Schwingspule: Der Mitteltöner ist für Impulsverarbeitung optimiert.

Focal Aria 948: Aufbau

Im Spitzenmodell Aria 948 sind drei der neuen Naturtöner eingebaut: zwei stramm aufgebaute, schwere Bässe im stolzen 22-Zentimeter-Format und ein für die Feinarbeit optimierter 17-Zentimeter-Mitteltöner, der von einer sehr leichten 1,5-Zoll-Schwingspule angetrieben wird. Die Trennfrequenzen von 260 und 2600 Hz weisen die 948 als lupenreines Drei-Wege-Konzept aus, bei dem der Mitteltöner von den wesentlichen Energieanteilen der Musik befreit aufspielen darf.

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Im Hochton arbeitet eine Ein-Zoll-Inverskalotte aus Alu-Magnesium-Legierung. Statt einer klassischen Sicke kann sie eine resonanzhemmende sickenlose Aufhängung mit Poron-Schaumstoff vorweisen und ist zugunsten eines harmonischen Bündelungsübergangs mit einer leichten Schallführung aus Polyurethan versehen.

Nicht ausschließlich natürliche Wege betrat man beim Design: Die Schallwand in gediegener Lederoptik passt hervorragend zu den neuen Membranen, mit den Seitenwangen in Walnuss-Optik oder Hochglanz-Schwarz, der Topplatte aus Acrylglas und dem Fuß aus Metalguss kommen aber doch ziemlich viele Akzente hinzu. Letzterer dient aber auch der Akustik, harmonisiert er doch die Bedingungen für das Downfire spielende Reflexrohr, während ein weiteres frontseitiges Rohr minimal anders getunt für dröhnfreien Bass sorgt.

Focal Aria 948, Lautsprecher, Flachs

© Focal

Die Flachsmatten werden mit Glasfasermatten in die richtige Form verbacken (links) und anschließend mit Speziallack versiegelt (Mitte). Jedes Chassis wird per Messung und Hörprobe gecheckt.

Hörtest

Ihrem massigen Auftritt wurde die Aria 948 im Hörraum dann auch gerecht: Charlie Antolinis "Knock Out" klang mit einem ungewöhnlich breiten Fundament deutlich mehr nach einem großen, verstärkten Konzert als nach einer zahmen Hörraum-Session. Völlig unabhängig von der Lautstärke  reproduzierte sie fett und kraftvoll, blieb bei den Tom-Anschlägen aber schnell, elegant und zielsicher wie ein Bodybuilder, der plötzlich auf Spitze tanzen kann.

So kraftvoll den Tiefstton, so natürlich und überzeugend behände artikulierte die Focal den Rest des Spektrums: Berlioz' "Symphonie Fantastique" (dirigiert von Yannick Nezet Seguin) tönte leichtfüßig, dynamisch extrem ansprechend und dabei transparent durchhörbar und nuanciert - von laut bis leise beherrschte die Aria alles. Die Instrumente spielten blitzsauber, doch energetisch in Richtung Hörer, nie zu nah oder aufdringlich. Keine Frage: Die Aria verbindet Natürlichkeit, Spielspaß und exzellenten Wert fürs Geld.

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