Testbericht

Focal Electra 1028 BE

Mit dem Formel-1-Werkstoff Beryllium will Focal die Freunde hoher Auflösung und ungestümer Attacke an die Boxen holen. Was hat die neue Electra 1028 Be sonst noch drauf?

  1. Focal Electra 1028 BE
  2. Datenblatt
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In der Formel 1 sorgte Ferrari aus Frust über die Konkurrenz für ein Beryllium-Verbot. Nur gut, dass die Italiener keine Lautsprecher bauen. So können sich Focal-Fans jetzt an der Neuauflage der Electra-Be-Serie mit einem Hochtöner aus dem leichten und steifen Metall erfreuen. Wie in der Vergangenheit lässt Focal die Neuerungen aus der Utopia-Serie (deren Topmodell mittlerweile rund 130000 Euro kostet) mit etwas Anstands-Zeitversatz auch der Electra-Baureihe zukommen. Die Sandwich-Mebranen der Tief- und Mitteltöner werden jetzt mit einem präzisen Laser ausgeschnitten, denn die Kantenpräzision übt einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Wiedergabequalität aus. Zudem wurde das Sandwich-Rezept im Laufe der Jahre immer weiter verbessert. Maßgabe waren stets die drei Hauptansprüche der Focal-Entwickler: höchste Steifigkeit bei niedrigstem Gewicht und maximaler innerer Dämpfung.

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Die akustisch für geringe Kantenbrechung optimierte Trägerplatte aus Metall passt auch optisch zur Berylliumkalotte.

Die zum Markenzeichen aufgestiegene Inverskalotte wurde für höhere Belastbarkeit und möglichst breiten Einsatzbereich in der Dreiwegebox optimiert. Sie übergibt ungeachtet ihres geringeren Durchmessers von 2,7 Zentimetern erst bei 2200 Hertz an den 17er-Mitteltöner. Das aufwendige Gehäuse mit schiefergrau lackiertem Mittelteil und hochwertigen Holzfurnieren an den Flanken präsentierte sich schlicht superb. Kein Wunder, dass die Franzosen gerne darauf verweisen, dass sie inklusive im Haus gefertigten Chassis die kompletten Electras in Frankreich herstellen.

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Starke Antriebe und sehr offene Gußkörbe kennzeichnen die leichten und steifen Verbund-Konus-Chassis.
Im Hörtest interessierte weder die Herkunft der Lautsprecher, noch die der Sängerinnen und Sänger, solange sie akzentfreies Englisch von sich gaben. Dafür stockte der Hörjury regelrecht der Atem, denn so schnell und dabei völlig klar artikuliert hatte Elvis Costello sein "Hora Decibitus" ("My Flame burns blue", DG) noch nie vorgetragen. Kaum zu glauben, dass sich der Singer/Songwriter dabei nicht verschluckte oder auf die Zunge biss. Die Solotrompete des live in Den Haag aufgezeichneten Metropol Orkest kam mit ungestümer Attacke aus den Lautsprechern, glasklar und bis ins letzte Detail differenziert. Das war der Moment, als dem Autor die an ein Rennspiel angelehnte Headline "Need for Speed" in den Sinn kam. Wenn etwas diesen knackigen, anspringenden, explosiven Lautsprecher kennzeichnet, dann ist es Speed. Und wenn es ein herausstechendes Motiv gibt, über 6000 Euro hinzulegen, um diesen Lautsprecher an seine Anlage anzuschließen, dann ist es das unersättliche Verlangen nach Drive, Taktgefühl und ungebremster Attacke

Trotz tendenziell schlanker Klangkörper bot die Electra eine unerschöpfliche Palette an Klangfarben, die sie am unteren Ende der Frequenzskala auf ein staubtrockenes Bassfundament stellte. Die zum Vergleich herangezogene ME Geithain ME150 (Ausgabe 9/07, 96 Punkte) wirkte daneben erdiger. Sie lotete den Tiefbass gründlicher und nachhaltiger aus und stellte Interpreten so körperhaft und mit genauen Konturen umrissen in den Raum, dass man sie förmlich mit geschlossenen Augen greifen konnte.

Die Focal bildete die gesamte Bühne höher ab und kam ein gutes Stück auf die Zuhörer zu, nahm es aber mit dem Fokus nicht so genau. Dafür bot die Französin ein solches Spektakel, dass man sich nach dem Umschalten erst einmal an die bedächtige, entspannte Art der ostdeutschen Spezialität Geithain gewöhnen musste. Nüchtern betrachtet ergab das ein glattes Patt der beiden europäischen Superstars.

Focal Electra 1028 Be

HerstellerFocal
Preis6000.00 €
Wertung97.0 Punkte
Testverfahren1.0

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