Testbericht

Jamo R 907

Mit der Reference-Linie will auch der Traditionshersteller Jamo wieder im High-End-Bereich durchstarten. Die brandneue R 907 ist ein klassischer Dipol mit offener Schallwand und dynamischer Bestückung.

  1. Jamo R 907
  2. Datenblatt
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© Archiv

Das bedeutet, dass die Basschassis im unteren Bereich ohne weitere Umlenkeinheiten zunehmend im akustischen Kurzschluss arbeiten und viel Luft von vorne nach hinten verschieben müssen, wobei nur ein geringer Teil davon zu hörbaren Schallwellen führt. Um einem Dipol höhere Pegel abzutrotzen, braucht es starke Antriebe, viel Membranfläche und eine spezielle Chassisabstimmung, da sich sonst Basstöne auslöschen und die Konen ans Limit bringen. Die beiden stabilen Jamo-Zwölfzoller mit Druckgusskorb und Verchromungen scheinen exakt an diese Arbeitsbedingungen angepasst zu sein, der Wirkungsgrad ist zwar geringer als bei geschlossenen Boxen, doch noch im praktikablen Bereich.

Der Fünf-Zoll-Mitteltöner arbeitet ebenfalls nach hinten offen und kann daher frei von Gehäuseresonanzen und der Federwirkung der eingeschlossenen Luft aufspielen, durch die Dipolwirkung wird sein Schall zumindest im echten Mitteltonbereich ebenfalls deutlich gebündelt. Nicht ganz konsequent mag es daher anmuten, dass der Hochtöner dem Bauprinzip nicht folgt, sondern als direktabstrahlende Gewebekalotte ausgelegt ist. Akustisch gehen die Jamo-Ingenieure allerdings davon aus, dass nach hinten abgestrahlte Höhen dem räumlichen Klangbild eher schaden würden. Im übrigen ist durch die hornähnliche Schallführung der Abstrahlwinkel der Kalotte recht deutlich begrenzt, was in Summe zwar eine andere Abstrahlcharakteristik als in Mittelton und Bass ergibt, von der gesamten in den Raum abgegebenen Energie aber ungefähr Gleichstand und damit ein möglichst unverfärbtes Schallfeld produziert.

Von einem ungewöhnlich geformten Lautsprecher erwartet man auch einen ungewöhnlichen Klang, der sich abhebt. Doch nichts da, die Jamo spielte ähnlich richtig wie die neutrale KEF Reference 205/2, ließ keinerlei Luft für Spekulationen, die offene Bauweise und der akustische Kurzschluss würden sich negativ auf Bassdruck und Volumen auswirken. Im Gegenteil, jazzig-rockige Töne und knallige Schlagzeuge waren ihr wahres Metier, was Jacques Loussiers "Gavotte" (Concert in F-Moll, "Best Of Play Bach", Telarc) ebenso wie Metallicas "Sad But True" ("Metallica", UMG) bewies. Während die Geithain dem Jazz wie dem urgewaltigen Metal jeweils mit intellektueller Genauigkeit und weniger Druck begegnete und die KEF im Oberbass sogar einige Ungenauigkeiten zeigte, traf die R 907 genau die richtige Mischung aus fettem Sound und Timing.

Das ging keineswegs zulasten ihrer klassischen Fähigkeiten: Feinzeichnend und ausgewogen setzte sie dem "Mars" aus Holsts "Planeten" (Previn, LSO, Note 1) ein atmosphärisches wie dynamisches Denkmal. Forscher und präsenter als die tief räumliche Geithain, dabei aber ansatzloser, fundamentaler und druckvoller als die KEF 205/2. Ein Lautsprecher, der keine Kompromisse kennt und aus jedem Genre von Techno bis Kammermusik ein Feuerwerk an Spielfreude und Spaß an der Musik entfesselt.

Jamo R 907

HerstellerJamo
Preis8000 €
Wertung99.0 Punkte
Testverfahren1.0

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