Testbericht

JBL Array 800

Äußerlich verrät nur das hochstehende Mitteltonhorn der Array-Serie seine Verwandtschaft zu den Urahnen aus den 50er und 60er Jahren. JBL versuchte 2006, das beste der Welten High End, Kino und Beschallung zu verbinden.

  1. JBL Array 800
  2. Datenblatt
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© Archiv

Die Array 800 ist bis auf die Größe des Basses (acht statt zehn Zoll) und die Gehäusehöhe beinahe identisch zur Standbox Array 1000, die AUDIO schon in Ausgabe 11/06 in den Hörraum bat. Das kleinere Modell stellte die Redaktion vor eine veritable Entscheidungsnot: Handelt es sich um eine Kompakt- oder Standbox? Immerhin baut die Array 800 samt hochstehender Horneinheit sage und schreibe 74 Zentimeter in die Höhe.

Da sie jedoch ohne Ständer, der im Idealfall nur 30 bis 40 Zentimeter hoch sein sollte, kaum sinnvoll betrieben werden kann, stufen wir sie als Kompaktbox ein. Im großvolumigen Gehäuse arbeitet ein reflexunterstützter Bass bis etwa 1000 Hertz hinauf; er übernimmt also auch noch die Funktion eines Mitteltöners. Darüber setzt das senkrecht stehende Horn ein, das von einem 1,75 Zoll (4,5 Zentimeter) großen Druckkammertreiber mit Schallwellen versorgt wird. Resonanzen im Schalltrichter, die zu hässlichen Hornverfärbungen führen, wollen die JBL-Ingenieure mit der speziellen Formgebung verhindern: Das Horn öffnet sich zunächst deutlich in der Höhe und bleibt horizontal schmal, um dann nach wenigen Zentimetern zu einem eigentlich recht breiten Abstrahlverhalten überzugehen. Da diese Technik nur bis 8000 Hertz genug Wirkungsgrad liefert, koppelt noch ein Superhochtöner an. Beide sind aus dem PA-Know-how von JBL entstanden und würden theoretisch über beeindruckende Wirkungsgrade verfügen. Sie werden allerdings per Filternetzwerk um bis zu 15 dB heruntergebremst, da bei einer Kompaktbox ohnehin der kleine Bass in der untersten Oktave den Wirkungsgrad limitiert. Hornelement und die Deckplatte der Box sind mit gummiertem Lack überzogen, Front- und Seitenwände in grauem Echtholzfurnier mit Klavierlack gehalten - eine gewöhnungsbedürftige, aber edle Skulptur.

"Die Array 800 klingt wie die Große", erkannte Hornfan Bernhard Rietschel nach wenigen Sekunden von Strawinskys "Sacre du Printemps" (Janssons, RCO live) und zog somit den Vergleich zur Array 1000. Die "Kleine" bot ein etwas wuchtiges Mittel- und Grundtonfundament, gepaart mit einer ultrapräzisen Breitenstaffelung und einer Dynamik, die selbst Lauthörer mit freistehendem Häuschen kaum ausreizen dürften.

Den Bariton Klaus Mertens in Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen" (Rückert-Lieder) konnte die B_&_W 805_S (AUDIO 4/05) allerdings noch etwas stimmschöner, das Kammerorchester weiträumiger abbilden: Die JBL dichtete bei aller Präzision Sängern stets eine starke Aussprache der Konsonanten an und legte den Fokus mehr auf die genaueste Platzierung aller Musiker, weniger auf das akustische Ambiente des Konzertsaals. Dabei klang sie aber angenehmer und bei identischer Präzision langzeittauglicher als die etwas überanalytische Sonics Arkadia (AUDIO 5/06). Die im übrigen die einzige Kompaktbox im AUDIO-Lager war, die pegeltechnisch und im Bass auch nur halbwegs mit der JBL mithalten konnte, nicht jedoch mit deren monitorhafter, gleichwohl selbstverständlicher und unaufdringlicher Präzision.

Ihre Antrittsschnelle war genau das richtige Rezept für bombastische Rock-Klänge: Queens "Was It All Worth It?" (The Miracle, EMI) donnerte viel stärker als über die allzu energische und brillanzbetonte Sonics. Dabei wahrte die JBL stets die richtige Balance: druckvoll, ohne zu schreien, voluminös, ohne schwammig oder langsam zu wirken. Eine Box für echte Männer, die ab und zu mal die Luftgitarre schwingen, dazwischen jedoch auch audiophile Klänge von ungeahnter Präzision genießen wollen.

JBL Array 800

HerstellerJBL
Preis2400.00 €
Wertung92.0 Punkte
Testverfahren1.0

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