Testbericht

Lautsprecher Magnat Quantum 1009

Magnat hat einen Lauf: Im bezahlbaren Bereich bieten die Kölner mehr Box und Klang als fast jeder andere Anbieter. Nun wagen sie mit der Quantum 1009 (4000 Euro das Paar) den Angriff aufs High End. Mit Erfolg?

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Lautsprecher Magnat Quantum 1009

© Archiv

Lautsprecher Magnat Quantum 1009

Wehe, wenn sie losgelassen: Vier Mann umfasst das Team um den Magnat/Heco-Entwicklungsleiter Shandro Fischer. Sie bevölkern eines der größten deutschen HiFi-Entwicklungslabore, mit Klippel-Analysetechnik bestens ausgestattet, und entwickeln quasi im Monatstakt Testsieger - wie die Rang & Namen-Liste von stereoplay eindrücklich beweist. Doch für das Projekt Quantum 1009 ließen sie sich überraschend viel Zeit: über zwei Jahre.

Lautsprecher Magnat Quantum 1009

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Und wie so oft in den letzten Jahren, wenn Lautsprecher von höchstem Anspruch auf dem Programm standen, holten sie sich Schützenhilfe von Karl-Heinz Fink, dem wohl vielseitigsten Boxenentwickler der Republik. Fink ist bekennender Highender, Querdenker und ein begnadeter Chassis-Entwickler - vor allem der Reduzierung von Verzerrungen widmet er sich leidenschaftlich. Man muss daher nicht lange suchen, um einen Großteil der technischen Neuerungen im 4000 Euro teuren Flaggschiff von Magnat auszumachen - sie stecken in der Hochtonkalotte, dem 6-Zoll-Mittel- und den beiden 8-Zoll-Tieftönern.Um klanglich hohe Homogenität zu gewährleisten, bestehen die Membranen von Mittel- und Tieftönern aus Aluminium; die Gewebekalotte des Hochtöners ist mit Keramikpartikeln bestäubt und dadurch ebenfalls recht steif.

Doch die richtige Materialwahl ist noch die leichteste Übung. Die viel höhere Kunst ist es, Magnetsysteme und Membranformen so auszugestalten, dass möglichst wenig Verzerrungen anfallen. Dafür haben die Kölner lang geforscht; stereoplay liegen die endlosen Mess- und Forschungsreihen vor.

Lautsprecher Magnat Quantum 1009

© Julian Bauer

Mit ihrer Höhe von 1,25 Metern ist die Quantum 1009 ein stattliches Tonmöbel - und dank der edlen Bi-Color-Lackierung ein ausgesprochen schönes dazu.

Viel wichtiger aber sind hier die Ergebnisse unseres Messlabors, das der Quantum 1009 beispielhaft niedrige Verzerrungswerte bescheinigt. Vor allem im klangrelevanten Mittenbereich ist fast gar kein Klirr zu erkennen - Respekt! Nachdrücklich zu loben sind auch die äußerst glatte Frequenzgangskurve, der relativ gleichmäßige Impedanzverlauf (gut für Röhren) um 4 Ohm und der stattliche Tiefgang bis runter auf 30 Hertz - nicht übel für "nur" zwei Achtzöller.

Die technische Basis stimmt also. Aber High End ist ja bekanntlich mehr. Es ist die Mühe um das letzte Bisschen, das Wissen um die Klangrelevanz auch kleinster Dinge. Und tatsächlich stoßen wir hinter den sehr edel wirkenden, hochglanzlackierten und insgesamt fast 50 Kilogramm schweren Gehäusewänden auf eine Fülle solcher High-End-Details.

Weil Frequenzweichenbauteile mit Verzerrungen auf Vibrationen reagieren, sind die der Quantum 1009 per Elastikpaste effizient von der Rückwand entkoppelt aufgehängt. Weil Bässe umso sauberer tönen, je fester sie eingebaut sind, werden die der Quantum zusätzlich von Gehäusestreben gehalten. Weil ungleichmäßig dicke Seitenwände immer natürlicher klingen als gleichmäßig dicke - auch wenn diese sehr stark ausgeführt sind -, verjüngen sich die der Quantum 1009 von 42 auf 30 Millimeter. Und weil Fink herausgefunden hat, dass mitschwingende Deckelplatten die Abbildung in der Höhe verfälschen, ist die der 1009er aufwendig als Sandwich aufgebaut - da schwingt nichts mehr mit.

Lautsprecher Magnat Quantum 1009

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1) Die Deckelplatte wurde als besonders klangrelevant entlarvt und deshalb als stabiles Sandwich aufgebaut. 2) Das Magnetsystem des Hochtöners ist nach hinten offen. Daher braucht er ein eigenes Gehäuse. 3) Zusatzversteifungen halten Bass- und Mitteltöner fest im Griff und sorgen so für noch sauberere Impulse. 4) Bass- und Mittelhochtonsektion der Frequenzweiche sind für echte Bi-Wiring-Fähigkeit separat ausgeführt. 5) Die Gehäusewandstärke verringert sich nach hinten. Ein produktionstechnisch aufwendiger, aber akustisch kluger Schachzug, denn damit bekommen die Entwickler die Plattenresonanzen gut in den Griff.

Und wie klingt so ein nach allen Regeln der Kunst ausgereizter Schallwandler? Erst einmal angenehm warm, mit sattem Bass und sehr fein auflösend. Und dennoch hatten die Redakteure das Gefühl, es fehle etwas. Etwas mehr Schmackes, etwas mehr Lebendigkeit. Doch je länger die Hörsession lief, desto deutlicher wurde: Hier fehlt gar nichts - außer vielleicht die üblichen Verzerrungen. Wie leicht und doch druckvoll, wie klar und doch nie vordergründig die Quantum Chopins Klavierkonzert Nr. 1 von Sa Chen ("Die Audiophile des Monats" 12/08) in den Hörraum projizierte, war atemberaubend. Wie sie die letzten Tiefen des Aufnahmeraums ausleuchtete, wie sie die Größe des Instruments nachbildete und wie zwingend sie das energische Spiel des Nachwuchsstars zelebrierte - die Magnat zog einen mit zunehmender Spieldauer in ihren Bann.

Im Vergleich mit anderen Boxen behauptete sie sich ebenfalls. Pikanter Weise kommt die Referenz dieser Klasse, die Heco Statement (1/08), ja aus gleichem Hause, und einige Entwickler hatten bei beiden Projekten ihre Finger drin.

Trotzdem klingen sie grundverschieden - wenn auch beide richtig gut. Die Heco ist eindeutig die lebendigere: Mit höheren Pegelreserven, mehr Punch im Bass und mehr Spass bei Bläsern wirkt sie durchaus  "schneller". Doch beim genauen Hinhören fußt diese Lebendigkeit auf kleinen Unschärfen.

Den genaueren, feineren, aber auch den wärmeren, natürlicheren Ton, den traf stets die neue Magnat.

Ihre Verzerrungsfreiheit und audiophile Neutralität sind nicht nur faszinierend, sondern in dieser Preisklasse einmalig. Das ist tatsächlich schon echtes High End, ohne jegliche geschmäcklerische Eigenheiten.

Magnat Audio Produkte Quantum 1009

HerstellerMagnat Audio Produkte
Preis4000.00 €
Wertung58.0 Punkte
Testverfahren1.0

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