Testbericht

Test: Sonus Faber Amati Futura

Selten hat uns ein Lautsprecher so begeistert. Die neue Sonus Faber Amati Futura ist ein hochmusikalischer Traum.

Sonus Faber Amati Futura

© Archiv

Sonus Faber Amati Futura

Die Sängerin Lizz Wright hat mit "Speak Your Heart" einen großartigen Song aufgenommen. Klanglich sowieso, aber er berührt mich auch immer tief, weil er so herrlich melancholisch ist. Irgendwann kommt zu dem samtigen Gesang der Amerikanerin eine Männerstimme hinzu, dezent, tief, die sich meist nicht so recht aus den begleitenden, wabernden E-Bässen herauslösen kann.

Sonus Faber Amati Futura

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Die perfekten Metallteile der Box bestehen aus einer aufwendig oberflächenbehandelten Aluminium-Legierung namens Avional.

Diese Mal schon. Ich sitze vor der Sonus Faber Amati Futura - diesem Schallwandler, der so gar nicht nach "Box" aussieht und schon gar nicht so klingt - und fühle mich wie reingesogen in die Aufnahme. Die Amati lässt Klangbühnen von berauschender Dreidimensionalität entstehen. Schließt man die Augen, wird die Illusion perfekt: Lizz Wright steht verblüffend klar umrissen im Raum, und ihre Stimme klingt wunderbar offen und frei. Auch die Stimme des Begleiters kommt aus dem Schatten und wird plötzlich greifbar.

Sonus Faber Amati Futura

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Selbst die Anschlüsse sind besonders stabil. Wir machten übrigens beste Erfahrungen mit Bi-Wiring-Verkabelung.

Die Lautsprecher sind - eine Top-Elektronik wie unsere Referenzkette aus Ayre-Monos und Thorens-Vorstufe vorausgesetzt - nie herauszuhören; das Geschehen löst sich schlafwandlerisch-mühelos von den makellosen Gehäusen. Einzelinstrumente stehen, wie vom Tonmeister arrangiert, zum Teil sogar weit über den Köpfen der Zuhörer. Noch später, als ich diese Zeilen schreibe, stellen sich die Härchen an meinen Armen auf: Dieser Lautsprecher macht Gänsehaut, weil er so echt klingt.

Sonus Faber Amati Futura

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Der hintere Teil der 3,5-Wege-Konstruktion ist komplett aus vernickeltem Metall gefertigt. Darin eingelassen sind Bassreflex-ähnliche Öffnungen für Tief- und Mitteltöner, die aber in der Funktion eher Fließwiderständen - wie den früheren Variovents von Dynaudio - ähneln.

Die hohe Natürlichkeit dürfte unter anderem auf die Resonanzarmut des Gehäuses zurückzuführen sein. Die Italiener haben - ganz im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern - ein ausgeklügeltes mechanisches Konzept.

Sonus Faber Amati Futura

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Den elegant geformten Holzkorpus macht das MDF-Skelett extrem steif. Resonanzen werden über die Spikes abgeleitet oder im "Mass-Damper" in Wärme umgewandelt.

Das sieht in etwa so aus: Man forme aus verschiedenen dünnen Holzlagen einen robusten Korpus, der aufgrund seiner Zusammensetzung, seiner Rundungen und aufwendiger Verstrebungen sehr wenig schwingt. Dieser Korpus wird nun zwischen der metallenen Deckel- und Bodenplatte eingespannt.

Sonus Faber Amati Futura

© stereoplay

Frequenzgang & Impendazverlauf: Weitestgehend ausgewogener Frequenzgang mit kräftigem Bass und sanft abfallenden Höhen

Das massive Alu-Gussteil hinten verbindet die zwei Metallplatten. Das Ganze gibt ein hochstabiles Gerüst, welches - und das ist Idee - auftretende Resonanzen auf die Stoßdämpfer-ähnlichen Spikes abführt und so eliminiert. Letzte Resonanzen, die in jedem Konstrukt entstehen, sollen über einen speziell getunten Masse-Dämpfer (siehe Zeichnung nächste Seite) in Wärme umgewandelt und so minimiert werden.

Ich habe solche Konzepte schön öfter gesehen und fand sie immer fragwürdig. Aber nicht in diesem Fall. Der argentinische Tango-Musiker Juan Carlos Carceres setzt zu Beginn seines "Barrio" (wie Lizz Wright auf der stereoplay-SACD Ultimate-Tunes) heftige Schläge einer eigenwilligen Trommel. Der Tonmeister setzte hier keinen Limiter, weshalb die meisten Boxen in der Hochpegelphase unserer Tests regelmäßig einknicken beziehungsweise erkennbar scheppern. Die Amati Futura demonstrierte, wie diese Schläge richtig klingen müssen: völlig unverzerrt, druckvoll-satt und mit vielen Schattierungen versehen.

Sonus Faber Amati Futura

© stereoplay

Pegel- & Klirrverlauf: Moderates Klirrverhalten. Über 1000 Hertz quasi klirrfrei

Noch während die Amati die Bässe in den Hörraum drosch, legte ich meine Hände auf den perfekten Korpus: leise Vibrationen ja, aber kaum spürbar. Das hat jedoch nichts mit den pumpenden Gehäusen konventioneller Lautsprecher zu tun. Die gewollte Energieableitung funktioniert hier tatsächlich; eine derartige Gehäuseruhe schafften bislang nur echte Lautsprecher-Schwergewichte der Kategorie Magico, TAD oder Wilson.

Hier wird die direkte Erblinie der Amati Futura zu einem weiteren veritablen Dickschiff erkennbar, der Sonus Faber Fenice (Preis: 160000 Euro, Bericht 11/10), die später aus namensrechtlichen Gründen in "The Sonus Faber" umgetauft wurde. Bei jenem Forschungsprojekt konnten die vielen neuen (und recht jungen) Sonus-Entwicklungsingenieure ihre Ideen ohne Rücksicht auf Kosten umsetzen. So entstanden beispielsweise die Stoßdämpfer-Spikes oder die "Stealth"-Bassreflexrohre, die frei von Strömungsgeräuschen arbeiten. Oder die äußerst verzerrungsarmen Chassis, die bei Sonus Faber entwickelt und bei Scan Speak gefertigt werden.

Kernstück der 3,5-Wege-Konstruktion Amati Futura (einer der beiden 8-Zoll-Bässe läuft nur bis 80 Hertz) ist der 7-Zoll-Mitteltöner mit luftgetrockneter Papiermembran (200 bis 3000 Hertz). Er arbeitet auf ein eigenes, fast unbedämpftes Gehäuse, das über ein "Stealth"-Rohr nach hinten offen ist; in den Mitten funktioniert die Amati Futura fast wie ein Dipol. Der Hochtöner, eine mit 29 Millimetern recht große Seidenkalotte, ist wegen seiner Größe äußerst klirrarm, sein Frequenzgang fällt aber aus dem gleichen Grund relativ früh ab. Doch wie Entwicklungsleiter Paolo Tezzon bestätigte, ist das gewollt.

Friedemanns "Kleine Zupfmusik" ist eine Ausgeburt an Fein- und Grobdynamik. Die  zum Teil hart gezupfte Harfe verlangt von Lautsprechern sehr viel. Die Amati Futura gab alles. Mit ihrer Impulsgenauigkeit öffnete sie diese Aufnahme, kein Detail, keine Nuance blieben verborgen, und trotzdem wurde die Italienerin nie anstrengend. Womöglich liegt das auch an diesem fein austarierten Hochtöner.

Ich bin beeindruckt: Wo man auch hinschaut, gleich, wie tief man bohrt: Diese Amati Futura zeigt keine Schwächen. Ich kenne nur wenige Lautsprecher, die wirklich besser klingen; die sind aber meist viel teurer. Und was die Optik, das makellose Finish angeht, fehlen mir eh die Worte...

Sonus Faber Amati Futura

HerstellerSonus Faber
Preis26900.00 €

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