Testbericht

Universal-Player Arcam DV 139

Arcam hat mit dem DV 137 ja schon einen herausragenden Universalspieler in stereoplays Rang & Namen-Liste stehen. Warum also kommt nach nur einem Jahr ein DV 139 (2700 Euro)?

Arcam DV 139

© Archiv

Arcam DV 139
Nanu? Erst 8/06 feierte der DV 137 (2000 Euro), Arcams erster Universalplayer, bei stereoplay einen grandiosen Einstand. Er entstand aus der engen Kooperation der Briten mit den Cracks aus der führenden Halbleiterindustrie: den Kaliforniern Zoran (DVD-Prozessoren), Silicon Image (HDMI-Schnittstellen) und Anchorbay (Scaler und Progressive Scan). Exklusiv kam im DV 137 ein DVD-Prozessorbaustein namens Zoran Vaddis 888 S zum Einsatz, wobei "S" für die SACD-Entschlüsselung durch den Universal-IC steht.
Arcam DV 139 Innenansicht

© Julian Bauer

Die Ausgangsstufen inklusive der vier Stereo-D/A-Wandler der britischen Wolfson finden sich auch im preiswerteren DV 137, werden im DV 139 aber von einem separaten Netzteil (zweiter Ringkerntrafo) versorgt. Ebenfalls neu: ein Ultrahochleistungs- Rechenchip für Progressive Scan.

Im DV 139 (2700 Euro) vertraut Arcam demselben Wunderchip die Basisfunktionen an: Decodierung von SACD, DVD-Audio, Dolby Digital, DTS und Dolby Pro Logic. Auf seine sonstigen Fertigkeiten wie Farbkorrekturen des Videosignals verzichtete Arcam dankend mit dem schlagenden Argument: Farbeinstellungen nimmt der Besitzer lieber am Monitor vor. Eine Serie entsprechender Testbilder steuert der DV 139 bei.

Auch die im Prozessorchip integrierten Video-D/A-Wandler lässt Arcam brachliegen. Stattdessen beschäftigt der DV 139 präzisere Spezial-Videokonverter, die dank deutlich höherem Oversampling weniger rauschen. Die Liste an Extra-Bausteinen ähnelt der des DV 137. Ein High-End-Scaler rechnet die originäre DVD-Auflösung besonders akkurat auf die Hochzeilenfertigkeiten angeschlossener Monitore um (bis 1080p). Nochmals kräftig investiert hat Arcam in die Rechenfertigkeiten für Progressive Scan. Warum? Gleichgültig, wie die Bilder digital auf der DVD abgespeichert sind, gibt sie der Player im Halbbildverfahren (interlaced) aus, weil sie ein herkömmlicher Fernseher nur so auch anzeigen kann. Beamer, Plasma- oder LCD-Monitore wollen aber partout ein besseres, sprich ein Videosignal mit der vollen Zeilenzahl vorführen.

Ist das Videosignal (in seltenen Fällen) schon Progressive auf der DVD abgespeichert, aber zu Halbbildern konvertiert, werden zusammengehörende Bilder markiert. Das Progressive Scan muss sie lediglich zusammenfassen -  eine einfache Aufgabe. Was aber, wenn keine Flags gesetzt sind oder die Vorlagen aus Videomaterial stammen? Dann muss Progressive Scan die einzelnen Halbbild-Schnappschüsse analysieren und sie so geschickt zu Vollbildern umrechnen, dass wenig bis keine Störungen in den Bewegungsabläufen oder in Kameraschwenks auftreten.

Ein programmierbarer, hochleistungsfähiger Rechenchip im DV 139 bietet dazu zwei Millionen mehr Rechenoperationen pro Sekunde an als die Halbleiter im kleineren DV 137. Die Vorschriften für Progressive Scan sind im Signalprozessor ABT 102 verewigt, der wie der Scaler ebenfalls von der kalifornischen Soft- und Hardware-Werkstätte Anchorbay stammt.

Arcam DV 139 Rückseite

© Julian Bauer

Integriert sich in eine Heiminstallation, läßt sich über die Triggerports fern- ein- und ausschalten und versorgt Receiver über HDMI (1.1) digital mit Bild und Ton: Arcam DV 139 mit 5.1- und Extra-Stereo-Ausgängen.

Für besseren Ton dockt sich ein zusätzliches konventionelles Netzteil von einem eigenem Ringkerntrafo aus an die Analogsektion des DV 139 an. An den Analogstufen selbst gab es für Arcam nichts weiter zu verbessern. Diese Extra-Stromversorgung für Analog findet sich nur in Arcams teurerer FMJ-Serie (Full Metal Jacket). Wobei der Begriff "Ganzmetallgehäuse" eigentlich eher auf den preiswerten DV 137 zutrifft. Denn die Wanne des DV 139 besteht aus einem dreilagigen Stahl-Gummi-Stahl-Sandwich, das Schwingungen genauso effektiv absorbiert wie weicher Teer.

Ein solches Mehrlagen-Chassis verwendet beispielsweise auch Toyota, um seine Lexus-Nobelkarossen ruhigzustellen. Arcam verspricht sich von der effektiven Dämpfung eine geringere Mikrofonie-Empfindlichkeit dafür sensibler Baugruppen, aber auch ein deutlich besseres Fehlerkorrekturverhalten.

Schwingungen bekämpft Arcam zusätzlich vor Ort: sensiblen Kondensatoren verpassen die Briten ein Gummikorsett, den zentralen Prozessor bewahrt ein aufgeklebtes Ferritplättchen vor mechanischen und elektrischen Attacken. Von außen weist lediglich das FMJ-Fähnchen auf die edlere Bestückung hin. Beide Spieler verfügen über üppige Anschlussfelder, einen RS-232-Port für eine Home-Installation und massive Frontplatten.

Fernbedienung

© Julian Bauer

Die Arcam Fernbedienung glimt im Dunkeln.

Die ergonomische Fernbedienung sucht ihresgleichen. Sie lädt sich aus ihrer internen Datenbank die Codes aller namhaften Hersteller. Sollte sich unter den rund 4000 Einträgen wider Erwarten kein passendes Gerät finden, kupfert der Handsender kurzerhand die Befehlssätze vom Geber des unbekannten Geräts ab.

Hinterließ der DV 139 mit extrem wenig Jitter, vorbildlich niedrigem Ausgangswiderstand und exzellenter Fehlerkorrektur schon im Messlabor einen ausgereiften Eindruck, begeisterte er beim Hörtests mit CDs geradezu. Im Vergleich zum DV 137 besaß er eine eigene Vorstellung von Perfektion. Mittleren bis höheren Tonregistern schenkte er mehr Bedeutung. Orchester spielten mit noch etwas mehr Schub und Glanz, die Musiker standen noch unverrückbarer auf der virtuellen Bühne. Der DV 137 blieb etwas zurückhaltender, klang im Vergleich etwas runder und weicher. Damit war die erste Sensation perfekt: Mit 58 Punkten zog der neue Universalplayer sogar mit einem rassereinen CD-Player wie dem hauseigenen CD 92 T gleich!

Mit seinen Mehrkanaldarbietungen konnte der Newcomer seinen gar nicht so kleinen Bruder aber nicht überbieten. Der Altmeister breitete mit der DVD-Audio von der Gruppe REM beim Stück "Everybody Hurts" Stimmen und Instrumente geschlossen raumfüllend aus, der DV 139 hielt mit mehr Basspräzision, aber etwas schlankerer Abbildung dagegen. Auch mit SACDs wahrten beide Player ihren Charakter: Der DV 137 wirkte einen Tick runder und räumlicher, der DV 139 spielte straffer und kontrollierter auf, womit er bei Filmton über seine eigenen Decoder eine mitreißendere Vorstellung gab.

Doch eine echte zweite Sensation kam erst beim Bildvergleich mit Progressive Scan. Bei im Vollbild-Modus aufgenommenen Filmen waren die Unterschiede zwischen den Playern noch gering; beide begeisterten mit natürlichen Farben, der DV 139 überzeugte mit noch etwas mehr Brillanz.

Sein Bild gewann aber noch einmal deutlich an Schärfe, wenn er den angeschlossenen (1080p)-Beamer mit Progressive Scan ansteuerte. Fantastisch, wie sich die Akteure dreidimensional vom Hintergrund abhoben, grandios, wie der DV 139 Lichter glänzen ließ, ohne Koronen zu bilden oder Konturen übertrieben zu betonen. Sein Progressive Scan leistete sich keinerlei Fehler. Kameraschwenks gerieten ihm flüssig, diagonal verlaufende Linien reproduzierte er ohne die gefürchteten "Sägezähne". Keine Frage: Den etwas farbloseren kleineren Bruder ließ er hinter sich und erklomm schließlich sogar das Niveau der Bildreferenz Denon DVD 3930.

Jetzt wissen wir also, welche Ziele Arcam mit dem DV 139 verfolgte: erstens einen Universalspieler bauen, der auch mit CD hochrangig klingt, zweitens Bildreferenz bei stereoplay werden.

Arcam DV 139

HerstellerArcam
Preis2700.00 €
Testverfahren1.0

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