Testbericht

Vollverstärker Densen B-150

Dieser Test gebührt einem kecken Integrierten aus Dänemark. Der Densen B-150 (4100 Euro) verzichtet auf Riesenknäufe und jegliches Imponiergehabe. Kenner wissen: Die Intelligenz steckt hinter der Front.

  1. Vollverstärker Densen B-150
  2. Datenblatt
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 Er ist so eine Art Kronprinz von Dänemark: Der Densen B-150 gehört zu einem vierköpfi-gen Vollverstärker-Lineup, dem sich AUDIO vom preiswerten Ende her genähert hat: In Heft 3/06 empfahl sich der "kleine", in den Abmessungen identische, aber leichtere und schwächere B-110 als schlanke, doch antrittsschnelle 1500-Euro-Sportskanone.

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Coole Beats: Die Endstufentransistoren stecken unter der "Beat"-Leiste und erfrischen sich am Gehäuseboden.

Kantig und edel

Der B-150 sollte für 4100 Euro Gage dann aber nicht nur den Sprint, sondern nebenbei auch das Kugelstoßen beherrschen. Weshalb Thomas Sillesen, Chef und Vordenker von Densen, seinem zweitgrößten Amp zunächst mal den mächtigsten Ringkerntrafo verordnete, der noch ins flache Gehäuse passte. Eine neue Wickeltechnik soll verhindern, dass dieser Dreiviertel-Kilowatt-Brummer zum elektromechanischen Unruhestifter wird: Während Kollege Lothar Brandt im Test des B-110 noch "Trafo-brummen" als Minuspunkt notieren musste, gab sich der Umspanner im B-150 vorbildlich vibrationsarm.

Die Endstufe des Densen beschäftigt zwei Pärchen bipolarer, sehr breitbandiger Ring-Emitter-Transistoren (Sanken 2SA1216 und deren Komplementär-Brüder 2922), die ohne jegliche Gegenkopplung auskommen müssen. Sillesen vermeidet diese Kontrollmaßnahme, trotz günstiger Auswirkungen auf fast alle traditionellen Messwerte, weil sie seiner Meinung nach dem Klang schadet.

Um ohne die Feedback-Regelschleifen überhaupt einen stabilen, HiFi-tauglichen Verstärker hinzubekommen, muss Densen ihn von vornherein so sauber und toleranzarm wie möglich bauen. Das allein kann die fast schon klinische Sauberkeit und Genauigkeit, die auf der B-150-Platine herrscht, aber nur zum Teil erklären. Das Board selbst besteht aus teurem, unschlagbar verlustarmem Teflon, bestückt wird es überwiegend im SMD-Verfahren, und zwar auf zwei hundertstel Millimeter genau. Die Lötverbindungen entstehen unter Stickstoff-Schutzatmosphäre mit Silberlot, sämtliche Widerstände stammen vom Edelhersteller Vishay, der sie per Laser auf winzige 0,1 Prozent Toleranz trimmt. Durchaus vorstellbar also, dass sich ein B-150 nicht nur unmittelbar nach dem Kauf gut anhört, sondern auch noch in zehn Jahren.

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Klare Linie: Gehäuse aus Aluprofilen mit sauberen, fast scharfen Kanten. Die Boxenklemmen sind ungeschickt neben der Netzbuchse platziert.

Exakt und flexibel

Dann ist für den Erstkäufer gerade mal  die Hälfte der Garantie abgelaufen. Densen würde sogar lebenslang für seine Amps einstehen - ein Versprechen, das der deutsche Vertrieb aus wettbewerbsrechtlichen Gründen auf 20 Jahre einkürzt. Ausgenommen sind Verschleißteile wie Potentiometer, die sich im B-150 aber nicht finden. Als Poti-Ersatz dient nicht der allgegenwärtige PGA-sowieso-Chip von Burr-Brown, sondern eine Bank diskreter Relais, die einen Trupp besagter Vishay-Widerstände prozessorgesteuert zu 200 exakten Werten kombinieren. Eine genauere Lautstärkeregelung lässt sich im Grunde kaum vorstellen - gewöhnungsbedürftig ist daran höchstens das muntere Klickern des Stellwerks bei Pegeländerungen.

In Sachen Ausstattung setzt Densen seit eh und je auf Aufrüst-Optionen. So bietet er zum Beispiel mehrere Phonoplatinen für die Freunde des Schallplattenhörens an. Zudem locken die Dänen mit weiteren, exotischeren Features, die nur mit der Anschaffung zusätzlicher Endstufen sinnvoll sind: Eine Mehrkanal-Platine macht den B-150 zum Surround-Amp, maßgefertigte Aktivweichen-Boards (SAXO, 600 Euro pro Weg) erlauben die nachträgliche Aktivierung existierender Lautsprecher.

Nur eine Kopfhörerbuchse haben die Dänen vergessen. Für die Fernbedienung gilt das nicht, allerdings fällt für den externen Befehlsgeber tatsächlich eine Nachgebühr an. Die Systemfernbedienung "Gizmo", die den ganzen Densen-Gerätepark steuern kann, schlägt immerhin mit 260 Euro zu Buche.

Die Hörsession mit der KEF Reference 207/2, seit dem Test in AUDIO 9/07 immer wieder gerne herangezogener Monitor für alle Stärken und Schwächen jeglicher Elektronik, führte durch eine große Zahl von CDs und SACDs sowie etliche Hochbit-Files, wiedergegeben vom Linn Akurate DS.

Präzise und definiert

Tom Brosseau machte den Anfang: Dessen unscheinbaren Opener "Favorite Colour Blue" hatten die Tester noch gut vom Hörtest der 1500-Euro-Amps im Ohr, aber das Stück war nun kaum wiederzuerkennen: Hier hatte jeder Ton seinen genau definierten Aufenthaltsort, den er auch bis zum letzten Ausschwingen beibehielt; die ersten, spärlichen Noten bargen schon mehr Überraschungseffekte als so manches tontechnische Husarenstück über einen mittelprächtigen Kompromissverstärker.

Genauso, wie auch Kinofilme eben nicht kornfrei sind, haben alle Platten eine Feinststruktur - hier etwas körniger Schmirgel im Klavier, da ein leichtes Zittern in der Stimme, dort ein gering übersteuertes Analogband. Und diese Feinheiten, diese leichten Unregelmäßigkeiten, die unterbewusst Spannung erzeugen können - sie schienen den B-150 ganz besonders zu interessieren. Das war nicht immer schön, erzeugte aber eine Monitor-artige Nähe zur Aufnahme, ein müheloses Mitverfolgenkönnen wirklich jeder einzelnen Spur, jedes Atemholens, jedes Saitenrutschens.

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Der Densen B-150 ist ein Purist ohne Dreh- und Blink-Knöpfe - nichts zu sehen, was vom überzeugenden Klang ablenken könnte.

Dynamisch und agil

Und beileibe nicht immer waren es nur Kanten, die über den Densen hervortraten: Die ultraknackig aufgenommenen Instrumentalrock-Meisterstücke von Cougar ("Patriot", Rough Trade) platzten so dynamisch und mit so perfektem Timing in den Hörraum, dass auf dem Notizblock des Autors nachher nur "wie live!" gekritzelt stand.

Klassikhörer, insbesondere Opern-Fans, werden das vielleicht seltener notieren. Natürlich bot der Densen B-150 auch Tenören, Sopranen und anderen ausgebildeten Vokalisten eine prächtige Bühne, doch die samtweichen, manchmal auch zartbitteren Schattierungen, wie sie ranghöchste (und mehr als doppelt so teure) Vollverstärker vom Schlage eines Accuphase E-560 (Test in AUDIO 4/2010) zusätzlich zu aller Kraft und Herrlichkeit zaubern können, unterschlug der Däne ein wenig. Vielleicht wollte sein Entwickler dieses schmeichelnde, anheimelnde Element auch gar nicht. Weil er sich dem Ideal eben von der anderen Seite nähert. 

Im berühmten Drama vom Prinzen "Hamlet" lässt Shakespeare seinen Helden den berühmten Spruch aufsagen: "Es ist was faul im Staate Dänemark". Unter dem Strich hat Thomas Sillesen einen beeindruckenden Beweis angetretenen, dass dänische Kronprinzen über ein herrlich frisch klingendes Reich der Töne und Zwischentöne gebieten können. Ohne dass da im Geringsten etwas faul wäre.

Fazit

Wer braucht schon einen Lautstärke-Drehknopf, wenn er eigentlich gar nicht aufstehen, sondern nonstop weiterhören will? Vielleicht ist sogar die Fernbedienung verzichtbar: Der dänische Top-Verstärker macht Dynamik zu einem Erlebnis, weil er agil und ehrlich wie wenige zur Sache geht und das Wort Lästigkeit schlicht und einfach nicht zu kennen scheint.

Densen B 150

HerstellerDensen
Preis3900.00 €
Wertung120.0 Punkte
Testverfahren1.0

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