iOS jailbreaken

iPhone- und iPad-Jailbreak: Das sind die Vor- und Nachteile

Der Jailbreak für iPhone und iPad verspricht nützliche Apps und praktische Optimierungen. Doch er hat auch Nachteile. Wir liefern das Pro und Contra.

© Packix.com

Der Jailbreak ist die Grundlage für umfangreiche Änderungen an der iOS-Oberfläche.

Apples Geräten haftet der Ruf eines goldenen Käfigs an. Das gilt ganz besonders für das iPhone und das iPad, auf denen Sie ausschließlich Software installieren können, die Apple für den AppStore freigeschaltet hat.

Doch Flucht ist möglich! Per Jailbreak (zu deutsch: "Gefängnisausbruch") schalten Sie Apps frei, die Apple nicht genehmigt hat. Dann können Sie das Design der iPhone-Oberfläche anpassen und zusätzliche Funktionen nachrüsten, die keine offizielle App anbietet. Der Jailbreak hat aber auch Nachteile, denn er bedeutet unter anderem ein Sicherheitsrisiko.

Hinweis: Zur Vereinfachung sprechen wir nachfolgend ausschließlich vom iPhone und iOS. Jailbreaks funktionieren bislang aber genauso auch auf dem iPad unter iPadOS.

Darum geht es beim Jailbreak

Als Jailbreak bezeichnet man technische Verfahren, die die Ausführung nicht signierten Codes unter iOS ermöglichen. Um das zu verstehen, reicht ein kurzer Blick darauf, wie das iPhone Apps startet. Hat ein Entwickler eine App fertig gestellt, dann lädt er sie in den App-Store. Hält die App die Regeln des App-Stores ein, bestätigt Apple das mit einer digitalen Signatur und schaltet den Download frei. iOS überprüft die Gültigkeit der Signatur, wenn die App gestartet wird.

Ist ein iPhone "gejailbreaked", startet es auch nicht von Apple signierte Apps, die abseits des App-Stores auf das Handy geladen wurden. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist das Jailbreaken legal.

© Callbar

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Kurze Historie des Jailbreakens

Jailbreaks sind fast so alt wie iOS selbst. Schon 2007, zu Zeiten von iOS 1.1, erschien die erste Software, mit der sich das iPhone freischalten ließ. Der Bedienkomfort ist über die Jahre immer weiter gewachsen, so dass heute auch technisch weniger ambitionierte Anwender davon profitieren.

An der grundsätzlichen Vorgehensweise hat sich aber nichts geändert. Jailbreaks nutzen eine Schwachstelle im Betriebssystem, um die Schutzfunktion auszuhebeln. Anschließend können Sie einen Paketmanager wie Cydia installieren, der als alternativer App-Store funktioniert. Meistens benötigen Sie einen Windows-PC oder Mac für den Jailbreak. Nur wenige Methoden funktionieren ohne zusätzliche Hardware direkt auf dem iPhone.

Apple geht gegen Jailbreaks vor, indem man die zugrunde liegenden Sicherheitslücken schließt. So ist ein scheinbar endloser Wettlauf entstanden zwischen Hackern, die Sicherheitslücken finden und für Jailbreaks ausnutzen, und Apple, das die Lücken behebt.

Aktuelle Verfahren sind checkra1n und unc0ver. Checkra1n funktioniert dauerhaft auf allen iPhones bis einschließlich iPhone X, denn es basiert auf einer Sicherheitslücke in der iPhone-Hardware, die Apple nicht per Software beseitigen kann. Unc0ver unterstützt jüngere Modelle, derzeit bis einschließlich iOS 13.5.

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Vorteile des Jailbreaks

Apple hat konkrete Vorgaben für das, was Apps sowohl technisch wie auch inhaltlich erlaubt ist. Ganze App-Kategorien bleiben deshalb aus dem App-Store ausgeschlossen und alternativen App-Stores wie Cydia vorbehalten. Fünf Beispiele:

  1. Technisch ist es kein Problem, zum Beispiel die Anzahl der Apps im Dock von vier auf fünf zu erhöhen, den Akkustand in der Statusleiste in Prozent anzuzeigen oder Safari durch einen anderen Standard-Browser zu ersetzen.
  2. Manche Funktionen sind dem iPad vorbehalten, wären aber auch auf dem iPhone praktisch. Per Jailbreak bringen Sie Bild in Bild und Tabs in Safari auf das iPhone.
  3. iOS bietet wenige Möglichkeiten zur Anpassung der Oberfläche. Dabei ist es technisch möglich, das Design über Themes zu ändern und sogar Widgets zu installieren.
  4. Apple erlaubt keine Emulatoren wie zum Beispiel MAME, d.h. Apps, die alte Spielekonsolen auf dem iPhone simulieren und so Game-Klassiker auf das Smartphone bringen.
  5. Sicherheitsexperten nutzen den Jailbreak, um das Verhalten von Apps auf dem iPhone zu beobachten. Die notwendigen Apps sind über den AppStore nicht erhältlich, weil sie - so widersprüchlich das vielleicht klingt - Sicherheitsfunktionen von iOS aushebeln, um die Beobachtung zu ermöglichen.

© Y-ClockCircle

Y-ClockCircle steht stellvertretend für verschiedene Widgets, die dank Jailbreak auch auf dem iPhone möglich werden.

Nachteile des Jailbreaks

Wer jailbreaked, der hebelt Sicherheitsfunktionen aus und vergrößert so die Gefahr, dass sein Handy zur Beute von Angreifern wird. Das ist auch der Grund dafür, dass viele Banking-Apps ihren Dienst verweigern, wenn sie entdecken, dass sie auf einem Gerät mit Jailbreak gestartet wurden.

Das Sicherheitsrisiko ist aber noch größer: Sie können von Apple bereitgestellte iOS-Updates nicht mehr bedenkenlos einspielen. Schließt das Update nämlich die Sicherheitslücke, auf der der Jailbreak beruht, dann sind sämtliche Modifikationen, die Sie vorgenommen haben, Geschichte.

Bevor Sie ein Update einspielen, müssen Sie darauf warten, dass es die Community getestet hat. Zeigt sich dabei, dass der Jailbreak das Update überlebt, dann können Sie es installieren. Geht der Jailbreak durch das Update verloren, dann bleibt Ihnen nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder Sie verzichten auf den Jailbreak, bis eine neue Methode bekannt ist, oder Ihr Handy bleibt ohne Update und damit ohne Schutz vor den aktuellen Bedrohungen.

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Ein weiterer Nachteil droht Jailbreakern, wenn das iPhone kaputt geht. Apple behält sich ausdrücklich vor, den Service zu verweigern. Die Rechtslage ist uneindeutig.

Wahrscheinlich bleiben zumindest die Gewährleistungsansprüche erhalten, Apples freiwillige Garantieleistungen könnten aber durch den Jailbreak wirklich verloren gehen.

Die per Jailbreak erlangte Freiheit wird nicht nur legal genutzt. So finden Sie zum Beispiel auch Hacks, die die Werbung aus Youtube-Videos entfernen und somit das Geschäftsmodell von Google und zahlreichen Vloggern bedrohen.

Mancher Pokémon-Spieler verschafft sich Vorteile, indem er dem Spiel per Jailbreak einen falschen Standort vortäuscht. Auch vom Mobilfunkanbieter dafür nicht freigeschaltete SIM-Karten lassen sich per Jailbreak zum Tethern verwenden, also um mit dem Laptop oder Tablet über das Handy online zu gehen.

Und schließlich bildet der Jailbreak auch die Grundlage für den Einsatz illegaler App-Kopien aus dem AppStore. Natürlich kann man die Frage stellen, in wie weit es die Aufgabe des Betriebssystems ist, den Nutzer vor möglicherweise illegalen Handlungen zu bewahren? Aus Sicht der jeweiligen Anbieter schafft der Jailbreak auf jeden Fall neue Probleme.

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