Testbericht
CD-Player Linn Majik CD
Der brandneue Linn Majik CD für 2900 Euro beschränkt sich trotz eingebauter DVD-Technik auf reine Zweikanal-CD-Wiedergabe - und wird damit zum besten CD-Player der Schotten.
- CD-Player Linn Majik CD
- Datenblatt

Die DVD ist auf dem Vormarsch; reine CD-Player spielen eine immer kleinere Rolle. Wenn nun Linn mit dem Majik CD für 2900 Euro einen solchen Puristen vorstellt, muss dies handfeste Gründe haben. Schließlich hat man mit den Unidisk-Brüdern ja schon Universalspieler im Programm, die für ihren CD-Klang berühmt sind. Dennoch vermissten Linn-Fans nach der Einstellung des Ikemi und des Sondek CD 12 einen reinen CD-Player. Denn klar ist: Er könnte bei ähnlich gutem Klang günstiger sein als die Universalspieler, die neben SACD- und DVD-Schaltkreisen auch Baugruppen für die Bildwiedergabe besitzen. Und das kostet nun mal.

So beschränkt sich der Majik CD ausschließlich auf die CD-Wiedergabe, obwohl er ein vollwertiges DVD-Laufwerk besitzt, das auch im Classik Movie (2/06) zuverlässig seinen Dienst tut, und sogar einen DVD-Processor-Chip (ESS Vibratto S) sein Eigen nennt. Die Drehzahl des Laufwerks bremsten die Linn-Ingenieure ein, während der große Chip nur dafür da ist, das Laufwerk zu steuern und dessen Auslesedaten aufzubereiten, damit der folgende Chip seine Digitalfilter-Tätigkeiten verrichten kann. Dass dies ein komplexer Xilinx Spartan ist, den die findigen Schotten auch noch ein 8-faches Upsampling erledigen lassen, zeigt, auf welchem digitalen Niveau man in Glasgow ist.

Das Digitalfilter legte das Entwicklungsteam um Ivor Tiefenbruns Sohn Gilad eher zahm aus (erste Ordnung), da dies zu weniger dynamischen Verzerrungen führt. Beim Digital/Analogwandler ging Linn kein Risiko ein und setzte den bekannt guten Stereo-Konverter Wolfson WM 8740 mit 24 Bit und 192 Kilohertz ein. So lag es wohl an dieser klugen Konzeption, dass der Majik CD im stereoplay-Messlabor Bestmarken setzte.Bei solch massivem Einsatz von Digital-Elektronik verwundert es nicht, dass der Majik CD auch MP3-CDs abspielt, deren Verlaufsbäume er komfortabel anzeigt, sowie HDCDs mit voller Qualität und sogar DTS-CDs wiedergibt. Zudem spendierten ihm die gar nicht geizigen Schotten einen optischen sowie einen koaxialen Digital-Ausgang. Die RS-232-Ein- und -Ausgänge für die Anbindung an moderne Heimsysteme oder Touchscreen-Fernbedienungen sind bei Linn hingegen schon länger Standard.

Aber solche Ausstattungsdetails spielten im Hörraum keine Rolle, denn hier galt es, sich gegen den Unidisk 1.1 (7/03) durchzusetzen - was dem Majik CD vor verblüfften Testern recht locker gelang. Der Universal-Bruder stemmte sich zwar mit einem konturierteren und tieferen Bass gegen seine Niederlage, konnte aber letztendlich dem natürlicheren Farben- wie auch Detailreichtum des Majik CD nicht Paroli bieten. So erklang die Stimme von Sandrine Kimberlain ausdrucksvoller, das Harmonium am Anfang von "Loin Derriere" ("Manquait plus Qu'Ca....", siehe CD-Rezensionen) natürlicher, der Schellenkranz feiner.
Sogar im Vergleich zum superben Naim Audio CD 5x mit FlatCap-Netzteil (3/05) konnte der Linn leichte Vorteile verbuchen, da er den etwas standfesteren Bass und die sehr direkte Ansprache des Naim mit mehr Eleganz und Klangfarbe sowie einer etwas losgelösteren Wiedergabe parierte. Zudem erspürte er mehr Zwischentöne in langgezogenen Passagen wie etwa auf "The Shine Of Dried Electric Leaves" von Cibelle (siehe CD-Tips), wo er der Stimme der Brasilianerin mehr Spannnung verlieh und den vielschichtigen Hintergrund klarer darstellte.
Einen weiteren Klangpunkt blockierte der Sondek CD 12, der noch ein wenig mehr Übersicht in komplexen Passagen behielt und im Bass mehr Souveränität besaß. Da ihm der Majik CD aber ansonsten sehr ähnelte, verlieh ihm stereoplay freudig ein Highlight.
Linn Majik CD
Linn Majik CD | |
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Hersteller | Linn |
Preis | 2900.00 € |
Wertung | 62.0 Punkte |
Testverfahren | 1.0 |