Die HiFi-Welt von AUDIO und stereoplay
Geschlossener Kopfhörer

Sennheiser HD 820 im Test

Offene Kopfhörer gelten im High-End-Segment als Nonplusultra der Wiedergabe. Mit dem geschlossenen HD 820 will Sennheiser nun beweisen, dass es auch anders geht. Kann er mit den offenen Topmodellen mithalten?

Kopfhörer

© Sennheiser

Der geschlossene Kopfhörer HD 820 von Sennheiser erweist sich im Test als stereoplay-Highlight.

Pro

  • eher warm abgestimmt mit einer deutlichen Senke bei 300 Hz
  • sehr geringe Verzerrungen

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 81 Punkte, Klang: 57 Punkte, Preis/Leistung: überragend

Einen audiophilen Kopfhörer mit geschlossenem Gehäuse hat man bei Sennheiser bislang vergeblich gesucht. Für diese Lücke im Portfolio gab es allerdings auch gute Gründe. Da geschlossene Kopfhörer im Vergleich zu offenen ein deutlich kompakteres Klangbild erzeugen, finden sich vor allem unter den hochwertigen HiFi- Kopfhörern nur sehr wenige Modelle in geschlossener Bauweise.

Die meisten Hersteller gehen davon aus, dass solche Kopfhörer ohnehin nur in ruhigen Umgebungen wie im Wohnzimmer zu Hause benutzt werden. Dort spielt der Hauptvorteil der Geschlossenen, nämlich die bessere Schallabschirmung durch das Gehäuse, nur eine untergeordnete Rolle.

Stattdessen überwiegen die Vorteile des offenen Konstruktionsprinzips. Dazu zählen mehr Transparenz und Räumlichkeit, aber auch ein angenehmeres Tragegefühl und eine höhere Langzeittauglichkeit, weil in offenen Kopfhörermuscheln die Luft besser zirkulieren kann und so weniger Stauwärme an den Ohren entsteht.

Auch die starke Betonung des Bassbereichs, die bei geschlossenen Kopfhörern durch den sogenannten Druckkammereffekt entsteht und bei vielen mobilen Kopfhörern zwar für einen kraftvollen, aber oft auch etwas unausgewogenen Klangcharakter sorgt, ist beim entspannten Hören zu Hause meistens nicht gewünscht und widerspricht den Prämissen der audiophilen Wiedergabe.​

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Für Sennheiser war es aber gar nicht so trivial, diesen Punkt tatsächlich unter Kontrolle zu bringen. Die Lösung war am Ende eine nach innen gewölbte Abdeckung aus Spezialglas, die den rückwärtig abgestrahlten Schallanteil des Treibers auf Absorberkammern reflektiert. Dort verliert er sich so ähnlich, wie wenn er aus einem offenen Gehäuse entweichen würde – eine ebenso aufwendige wie durchdachte Konstruktion, die von Sennheiser auch zum Patent angemeldet wurde.

Der Lohn für die Mühe ist ein deutlich harmonischeres ​Klangbild als bei vielen anderen geschlossenen Kopfhörern. Das Glas hat außerdem den Nebeneffekt, dass es einen Blick in das Innere des Kopfhörers und insbesondere auf den Treiber gestattet. Denn auch im HD 820 kommt Sennheisers bewährter Ringradiator mit stattlichen 56 Millimetern Durchmesser zum Einsatz, auf den der Hersteller seit Einführung des HD 800 vor nunmehr schon neun Jahren vertraut.

Wie man auf den ersten Blick erkennt, orientiert sich die Grundform des Kopfhörers ebenfalls an den beiden offenen Topmodellen HD 800 und 800 S, mit dem Unterschied, dass beim HD 820 das Glasfenster und eine zweilagige Kunststoffschale für ein abgeschlossenes Volumen in der Kopfhörermuschel sorgen.

Die Ohrpolster sind außerdem etwas dicker und auf der Außenseite mit Kunstleder bezogen, um eine saubere Ankopplung an das Ohr zu gewährleisten. Zudem sind sie jetzt magnetisch am Gehäuse befestigt und lassen sich so leichter auswechseln.​

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Mit viel Schwung

Aus einem ursprünglich offen konzipierten Kopfhörer wie dem HD 800 ein geschlossenes Modell abzuleiten, war auch für Sennheiser sicher keine triviale Aufgabe. Umso mehr beeindruckt am Ende das Ergebnis: Bei „All In“, gespielt von der Tobias Becker Bigband unter der Leitung von Jochen Neuffer, begeisterte der HD 820 mit viel Dynamik und unbändigem Elan. Den Bläsersatz setzte er glanzvoll und kontrastreich in Szene, die zackigen Läufe der Bigband meisterte er ohne ein Anzeichen von Mühe.

Dazu ließ er die Rhythmusgruppe ein durchaus ausgeprägtes, aber auch punktgenaues Fundament liefern, das für viel Schwung sorgte und dem Kopfhörer einen extrem lebendigen Charakter verlieh.

Wer sich mit den offenen Topmodellen von Sennheiser nicht anfreunden konnte, sollte in den HD 820 hineinhören. Mit seiner deutlich „moderneren“ Abstimmung stellt er Hörspaß und Musikgenuss in den Vordergrund, maximale Detailtreue und perfektes Timing gibt es obendrein.

Das akustische Diffraktionsgehäuse

Um den vom Treiber rückwärtig abgestrahlten Schall unter Kontrolle zu bekommen, hat sich Sennheiser für den HD 820 etwas Besonderes einfallen lassen. Die Schallwellen werden von einer konkaven, also einer nach innen gewölbten Glasabdeckung reflektiert und treffen dann auf ringförmig um den Treiber angeordnete Absorptionselemente. Glas wurde deshalb ausgewählt, weil es durch seine harte Oberfläche ein besonders gutes Reflexionsverhalten bietet.

Um Alltagstauglichkeit zu gewährleisten, wird die Abdeckung aus „Gorilla Glass“ gefertigt, einem kratzund bruchfesten Spezialglas, das von der amerikanischen Firma Corning produziert wird und sonst vor allem bei Smartphones und Tablets als Deckglas für den Touchscreen zum Einsatz kommt.

Mit dieser ungewöhnlichen Konstruktion gelang es Sennheiser, die Resonanzen innerhalb des Gehäuses auf ein Minimum zu reduzieren und ein klanglich optimales Dämpfungsverhalten sicherzustellen.

Fazit

Mit dem HD 820 sorgt Sennheiser jetzt auch unter den geschlossenen HiFi- Kopfhörern für Furore. Mit seinem nach innen gewölbten Gehäusedeckel aus Glas ist das komplett in Deutschland gefertigte Topmodell nicht nur optisch, sondern auch klanglich ein echtes Aushängeschild.

Druckvoll und überzeugend im Bass, aber weitaus neutraler und räumlicher abgestimmt als viele seiner geschlossenen Artgenossen.

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