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Standlautsprecher

Wharfedale EVO 4.4 im Test

Britische Boxen zaubern mitunter eine eigene Klangfarbe aus dem Hut. Heute ist das nicht mehr dramatisch, aber hörbar. Die Evo 4.4 von Wharfedale spielt mit diesen Idealen. Sie klingt super – und fegt viele unserer Preisvorstellungen hinweg. Lesen Sie unseren Test hierzu.

© Wharfadale

Wharfadale Evo 4.4

Pro

  • geht mit viel Wucht und Charme in Richtung Hörplatz

Contra

Fazit

Audio Klangurteil: 86 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Wir haben glücklicherweise zwei Hände. Mit der einen greifen wir uns an den Kopf, mit der anderen ans Portemonnaie. Genau in diesem Moment spreche ich mit der IAD, dem deutschen Vertrieb der Lautsprecher von Wharfedale und erkundige mich nach dem Preis. Zuvor habe ich diesen Lautsprecher in unserem Audio-Hörraum erlebt, die Evo 4.4.

Ich war fasziniert, angetan, und ich hätte diesen Standlautsprecher jedem guten Freund empfohlen – für, sagen wir einmal, 3000 Euro. Doch dann lässt mir die Preisinformation der IAD die Kinnlade auf die Brust fallen. Wharfedale wünscht sich 1461,21 Euro. Seltsame Summe. Offensichtlich der reduzierten Mehrwertsteuer geschuldet.

Aber immerhin hätten wir gut getippt. Mal zwei kommen wir ziemlich genau auf die 3000 Euro. Doch wir haben uns verrechnet. Wharfedale wünscht sich 1461,21 Euro nicht für das Stück, sondern für das Paar! Das kann nicht sein. Haben wir uns tatsächlich so getäuscht? Auch ein erneutes Nachfrage beim Vertrieb lässt uns etwas ratlos zurück. Wie kann das sein?

Das Finish ist fein und fabelhaft

Nähern wir uns nochmals an. Das ist ein ausgewachsener Standlautsprecher mit 106 Zentimetern in der Höhe. Drei Wege. Das Finish ist fein und fabelhaft. Schwarz und Weiß sind zu haben, in der Kür auch Walnuss. Jede Kante, jede Verbindung passt bei dieser Box. Hier hat ein Meister das Gehäuse geformt. Trotzdem stehen wir dem Preis gegenüber.

Gut, für den 15-cm-Bass hätten wir jetzt keine Millionen ausgegeben. Auch für den Mitteltöner mit seiner konvexen Membran sind keine Gewaltsummen nötig, diese Schallwandler haben wir schon mal irgendwo gesehen. Doch jetzt kommt der Superstar – ein Hochtöner nach der Bauweise von Oskar Heil. Die Profis buchstabieren dann „AMT“. Wir schreiben es in diesem Fall einmal aus: Air Motion Transformer.

© Wharfadale

DA IST ES: Wharfedale hat es geschafft, eigene Air-Motion- Transformer zu bauen. Das ist die höchste Edelkost im Geschäft. Wunderbar klingen die räumlichen Details.

Das klingt wie der Hyperantrieb aus Raumschiff Enterprise. Die Luft wird in Bewegung transformiert. Huh. Tatsächlich steckt ein Ziehharmonika-Prinzip dahinter: Ein Bändchen wird von Hand gefaltet und strömt die Energie auf den Hörplatz. Das klingt möglicherweise simpel, bedingt aber eine Reihe von Stellschrauben.

Auf der Welt können das nur wenige, ELAC in Kiel beispielsweise. Dann wird die Luft schon ziemlich dünn, und wie von Zauberhand taucht in diesem Umfeld nun Wharfedale auf. Und hält an einem Helden der Kunst fest: Peter Comeau. Er ist der Chefentwickler, ein Mann mit grauen Haaren, aber auch einer ganzen Menge grauer Zellen.

Wharfedale ist in allem den europäischen Werten verpflichtet, was wir auch nachgemessen haben. Den typischen Präsenzhub in den Mitten gibt es hier nicht. Doch im Bass findet sich eine effektive Erhöhung im Frequenzgang. Aber nochmals: Für wirklich kleines Geld kann man sich mit der Wharfedale Evo 4.4 einen Zauberkünstler in sein Wohnzimmer stellen.

© Wharfadale

EIGENWILLIG, ABER GUT: Natürlich geht es per Bi-Wiring hinein. Weit wichtiger: Die Mebranen sind auf Tempo getrimmt.

Dazu stimmen auch die praktischen Werte: Die Bassreflexenergie beispielsweise flutet in die Tiefe, an einen Port direkt unter dem Korpus. Bedeutet: Dieser Lautsprecher kann auch relativ nah an der Rückwand seine Bässe in den Raum abgeben.

Aber jetzt werfen wir einmal unsere Ohren sowie die gesammelten HiFi-Bausteine an. Wir sind stolz darauf, dass wir hier das Beste der deutschen High-End- Manufaktur T+A mit Strom fluten dürfen. Unsere Referenzelektronik. Ein Player/ Streamer und dahinter ein mächtiger Vollverstärker.

Die meisten Standboxen könnten wir mit dieser Feinauflösung und mit dieser puren Kraft an das Ende ihrer Existenz treiben. Doch die Evo 4.4 blieb auf Kurs. Und das sogar erstaunlich problemlos. Sie glich dem berühmten Felsen im Meeresstrom.

© Wharfadale

NUR EIN DETAIL: Großartig ist der Abstand zum Boden gelungen – das ist nicht unwichtig. Wuchtige Spikes heben die Evo 4.4 ab.

Der Track „Wild Horses“ von den Rolling Stones fasziniert uns, zu finden auf dem Album „Sticky Fingers“ aus dem Jahr 1971. Die akustischen Gitarren rechts und links – Keith Richards und Mick Taylor – haben hier plötzlich deutlich mehr Herz und auch Speck auf den Rippen. Richtig groß wird dann der Klangeindruck, wenn Charlie Watts loslegt, also das Schlagzeug einsetzt.

Ein Super-Song. „Brown Sugar“ vom selben Album spielt mit dem Echo von links nach rechts hinten. Wieder brachte die Wharfedale Kraft ins Spiel. Super – die Stones klangen schmutzig, wahrhaftig. Bei aller Pracht freuten wir uns über eine grundehrliche Abstimmung.

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Tiefer, aber etwas zurückhaltender Bass sowie sanfte obere Mitten und Höhen und gleichmäßiges Abstrahlverhalten charakterisieren die Wharfedale. An den Verstärker stellt die Box mit der AUDIO-Kennzahl 67 keine besonderen Ansprüche; 2 x 100 Watt an 4 Ohm genügen.

© Weka Mediapublishing GmbH

Das Klirrdiagramm offenbart ab 95 dB eine Klirrspitze bei 600 Hz, der Maximalpegel im Bass liegt bei satten 102 dB.

Fazit

Wharfedale legt immer wieder die Preisschraube an, fast brutal wird nach unten gedreht. 1460 Euro für dieses Paar – das ist unsittlich günstig. Das hätten wir auch gesagt, ohne einen Ton gehört zu haben. Das Finish ist perfekt, dazu ein Air-Motion-Transformer für die Höhen. Andere Hersteller verlangen das Doppelte dafür. Also: Wer auf feines, britisches High-End steht – hier ist es opulent, aber für kleines Geld.

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