Standboxen

Wharfedale Diamond 12.3 im Test

1.3.2021 von Andreas Günther

Hochaufragend, individuell in der Weichenschaltung: Für die Wharfedale Diamond 12.3 müssen wir das Portemonnaie sicher weit aufmachen. Diese Frage beantwortet unser Test.

ca. 2:35 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Wharfedale Diamond 12.3 im Test
Schlenk, leicht und attraktiv - der Diamond 12.3 von Wharefedale im Test
© Wharfedale

Pro

  • Hochauflösend und elegant
  • Strammer und konturenstarker Bass

Contra

  • Begrenzt bei hohen Pegeln

Fazit

AUDIO Klangurteil: 81 Punkte; Preis/Leistung: überragend; AUDIO-"Preistipp"


Hervorragend

Manchmal sind wir schwerhörig. Natürlich nicht bei der Arbeit im Hörraum – da sind unsere Ohren gespitzt und analytisch. Doch wenn wir so in der Welt herum telefonieren, verstehen wir die Subbotschaften mitunter nicht. Genau bei diesem Lautsprecher ist es uns wieder passiert. Wir haben den deutschen Manager angerufen und geplaudert.

Sagt einmal, habt ihr nicht ein spannendes Lautsprecher-Stand-Duo unter 1000 Euro? Aber sicher doch, frisch hereingekommen. Das Doppel hört auf den Namen Diamond 12.3. Klasse, wunderbar, könnten wir ein Testduo bekommen? Nur zu gern. Aber wir waren nicht aufmerksam genug. Was kostet das Doppel? 700 Euro, ruft uns der Vertrieb zurück. Wir können es kaum glauben.

Aufbau und Haptik

Nun sind die beiden Lautsprecher angekommen. Wir packen sie aus, wir stellen sie auf. Nach vier Minuten zweifeln wir an unserer Recherche. Das kostet tatsächlich nur 700 Euro? Ok, die Diamond 12.3 ist kein Riese. Eher das Gegenteil. Sie ist erstaunlich leicht und schlank noch dazu. Aber unsere Augen und Finger sagen – das ist kein Billigheimer. Das wirkt ehrlich, gediegen. Auch vor den Ohren.

An der Front strahlen uns drei Chassis an, die Bassreflexenergie geht nach hinten. Was mag die Weiche offenbaren? Sie ist klar auf eine 2,5er-Konstruktion ausgelegt. Der untere Tiefmitteltöner wird ausgeblendet, über 2,2 Kilohertz springt die Kalotte an. Das sieht alles wie nach guter Väter Sitte aus. Keine Wunder, nur feines Handwerk.

Wharfedale Diamond 12.3 im Test: Anschlüsse
Die Traversen sollten nicht brutal über den Teppich gezogen werden. Toll: Es gibt sogar ein Bi-Wiring-Terminal.
© Wharfedale

Zwei 13-Zentimeter-Membranen walten in der Mitte und Tiefe; sie bestehen aus altem, aber wunderwirksamen Polypropylen. Mit markanten Einschnitten, die böse Wellen brechen sollen. Ganz oben schwingt dazu eine Membran aus Textilgeflecht. Abermals: keine Kompromisse, aber auch keine Wunder.

Sehr gelungen ist das Finish: Das Gehäuse wird von einer Folie ummantelt, die aber wirklich gut aussieht. Das kann ein eleganter, schwarzer Holzton sein oder ein angemischtes Blutrot, final noch eine helle Erbe. Das sollte so ungefähr in jeden mitteleuropäischen Wohnraum passen, die Asiaten mal ausgeschlossen.

Klang

Wir ziehen die Lautsprecherkabel vom großen T+A-Amp herüber. Wir denken an ein nettes Klangbild ohne wirklichen Drive, doch das offenbart sich als dummes Vorurteil. Die Diamond 12.3 ging erstaunlich wuchtig in die ihr zugeführte Musik. Zum Test eine Superplatte: „Nightfall“ von Dieter Ilg und Till Brönner. Nur zwei Musiker, aber vom Feinsten.

Dieter Ilg ist ein Meister des Kontrabasses, doch der Superstar steht mit seiner Trompete vor dem Mikrofon – Till Brönner. Die zwei haben sich am Alpenrand getroffen, in einem Luxushotel nahe Garmisch mit einem feinen Konzertsaal. Ein Lautsprecher muss hier dem Raum huldigen, dazu sind ein smarter Move im Bass und das Hauchen der Trompete gefragt.

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Ein Standlautsprecher für 700 Euro das Paar müsste hier normalerweise die Segel streichen und beschämt nach Hause gehen. Doch die Wharfedale vollbrachte den schönen Klangrausch. Was für eine Präsenz, der Kaufpreis ist eine Fantasie. Genau in dieser Minute rufe ich eine gute Freundin an.

Sie ist Sängerin und weiß, wie es klingen muss, hat aber nicht das geringste Gespür für gute Lautsprecher: „Hey, Beate – diesen Lautsprecher musst du dir zulegen. Für kleines Geld wirst du glücklich.“ Ich würde diesen Lautsprecher jedem meiner guten Freunde empfehlen.

Wharfedale Diamond 12.3 im Test: Messlabor
Die Diamond 12.3 betont Bässe (+5 dB) und Höhen (+2 dB) leicht, ansonsten verläuft ihr Frequenzgang ausgewogen. Das Klirrdiagramm mit sauberer Spielweise in den Mitten und gleichmäßig ansteigendem Klirr im Bass zeigt sich unauffällig. Zum Ausloten der Maximallautstärke von 100 dBSPL benötigt die Wharfedale 82 Watt an 4 Ohm. AUDIO-Kennzahl 70.
© Weka Mediapublishing GmbH

Fazit

Erstaunlich, wunderbar. Wie kann ein ausgewachsener, aber leichter Lautsprecher so günstig sein? Es liegt an Wharfedale daselbst. Man gehört der IAD Group, die sich komplett über den Erdball spannt. Sie ist ein Kind der Globalisierung.

Trotzdem ist alles fair. Hier hat jemand gut gehört und noch besser getunt. Die Verarbeitung ist gut, angemessen – kein barockes Fest, aber guter Lifestyle. Sie mögen bedenkenlos zugreifen. Sie mögen bedenkenlos zugreifen.

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