Highspeed-Internet mit 5G und Glasfaser

Report: Breitbandausbau in Deutschland

Deutschland hinkt beim Breitbandausbau hinterher. Die EU-Kommission fordert nun Highspeed-Internetnetze mit 5G und setzt auf einen zügigen Glasfaserausbau.

Breitbandverfügbarkeit 50 Mbits nach Bundesländern

© TüV Rheinland

Hamburg, Bremen und Berlin verfügen laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands Bitkom über die meisten schnellen Breitbandzugänge.

Das Thema Breitband brennt nicht nur der TK-Branche unter den Nägeln, sondern auch den Regierenden: „Wir müssen vernetzt sein. Unsere Wirtschaft ist darauf angewiesen und die Bürgerinnen und Bürger sind es auch. Deshalb müssen wir jetzt in diese Vernetzung investieren“, gab Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei seiner Rede zur Lage der Europäischen Union Mitte September zu Protokoll. 

Europa soll vorangehen 

Dazu stellte die Brüsseler Behörde gleich ein umfangreiches Digitalpaket vor, mit dem sie den Breitbandausbau in Europa vorantreiben will. Dabei wollen die Regulierer neue Rahmenbedingungen schaffen, um möglichst alle Haushalte und Gemeinden ans schnelle Internet anzuschließen. Laut dem Entwurf der Kommission sollte bis 2025 jeder Haushalt in Europa über einen Internetanschluss mit mindestens 100 Mbit/s verfügen, der sich auf Wunsch problemlos auf 1 Gbit/s im Download beschleunigen lässt. 

Zudem preschen die EU-Beamten bei der nächsten Mobilfunkgeneration voran und schlagen vor, dass bis 2018 alle Testläufe durchgeführt sowie alle nationalen Ausbaupläne des weltweiten 5G-Standards verabschiedet werden. Zum Marktstart 2020, heißt es in dem Entwurf, sollte als Zwischenziel mindestens eine Großstadt in jedem Mitgliedstaat mit einer 5G-Anbindung versorgt werden. 

Mehr lesen

connect Kundenbarometer Festnetz 2016/2017
connect Kundenbarometer Festnetz 2016/2017

connect befragte in Deutschland 2313, in Österreich 1075 und in der Schweiz 856 Festnetzkunden, wie zufrieden sie mit Service, Diensten, Preisen und…

Langfristig sollen dann alle Stadtgebiete und alle wichtigen Straßen- und Bahnverbindungen durchgängig mit 5G erschlossen sein. „Europa will beim Ausbau der 5G-Technik vorangehen“, so Günther Oettinger, EU-Kommissar für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft bei der Vorstellung der digitalen Marschroute der EU. „Es ist an der Zeit, zu einer Gigabit-Gesellschaft überzugehen und dafür zu sorgen, dass alle Europäerinnen und Europäer, unabhängig davon, ob sie auf dem Land oder in der Stadt leben, eine hochwertige Internetanbindung bekommen.“  

Freies WLAN für EU-Bürger

Auch beim öffentlich zugänglichen Internet sieht die Kommission erheblichen Handlungsbedarf und will mit der Initiative „WiFi4EU“ kostenlose Hotspots in Stadtzentren etablieren. Dafür stellt sie 120 Millionen Euro zur Verfügung. 

Mit der Finanzspritze sollen bis 2020 mindestens 6000 bis 8000 Kommunen in der EU kostenlose Wi-Fi-Stationen in öffentlichen Gebäuden, Krankenhäusern, Parks oder Anlagen bereitstellen. Schöne Aussichten, sollte man meinen. Statt ständig Krisengipfel einzuberufen, strickt man nun in Brüssel handfest an einer besseren Zukunft.

FTTP Abdeckung nach Ländern 2015

© Broadband Coverage in Europe 2015

Deutschland liegt bei der Glasfaser-Netzabdeckung im EU-Vergleich weit hinter dem Durchschnitt. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder Litauen mit über 95 Prozent, gefolgt von Lettland mit 85 Prozent.

Doch das ambitionierte Konnektivitätspaket, ​das mehr Wettbewerb, neue Arbeitsplätze und Chancengleichheit verspricht, dürfte hierzulande nicht bei allen auf Zustimmnung stoßen. 

Glasfaser als Zukunftstechnik

Denn die EU-Regulierer sehen bei Breitband neben 5G vor allem die Glasfaser im Einsatz, die ihrer Meinung nach im Festnetz für extrem hohe Kapazitäten sorgt und eine bessere und flächendeckende Netzanbindung sowohl im privaten wie auch im geschäftlichen Sektor erlaubt.

Doch das kostet Geld: Für den Ausbau der Netze sind in den nächsten zehn Jahren 500 Milliarden Euro erforderlich, wobei den Löwenanteil die Industrie stemmen soll. Um Anreize für die immens hohen Investitionen zu schaffen, will die EU den Leitungsbau neu regulieren. Dabei setzt sie verstärkt auf Deregulierung und will damit Alternativ-Anbietern den Rücken stärken, sich an den Investitionen zu beteiligen: Laut dem neuen EU-Kodex teilen sich die Akteure die Kosten für den Kabelausbau und gewähren sich gegenseitig Zugang zum Netz. 

Über Zugangspreise könnte dann auch ohne regulatorische Auflagen verhandelt werden. Zudem sollen die Wettbewerber gegen Miete freien Zugang zu den Leerrohren der marktbeherrschenden Firmen erhalten.​

Möglichkeiten der Konnektivität 2025

© connect

Glasfaser spart Zeit: Der Download einer Computertomographie-Aufnahme (CT) klappt via Glasfaser mit bis zu 400 Mbit/s in 40 Sekunden, wie eine aktuelle Infografik der EU-Kommission zeigt.

Telekom bremst Wettbewerb

Das dürfte vor allem der Telekom sauer aufstoßen, die über Tausende von Leerrohren verfügt. Dass sich die EU-Kommissare klar zur Glasfaser bekennen, wird die Bonner auch nicht freuen. Schließlich hat die Bundesnetzagentur erstkürzlich den umstrittenen Vectoring-Ausbau im Nahbereichzugunsten des Marktführers entschieden. 

Somit hat dieTelekom exklusiven Zugang zu den 8000 Hauptverteilern im Nahbereich, um etwa 5,9 Millionen Haushalte mit der VDSL-Technik, die bis zu 100 Mbit/s liefert, zu versorgen. Dass die Telekom mit ihrer kupferbasierten Brückentechnologie beim EU-Regulierer keinen Blumentopf gewinnen kann, freut natürlich die Konkurrenz. Die wirft dem Exmonopolisten vor, den Glasfaser-ausbau mit ihrer „veralteten Kupferideologie“ massiv auszubremsen.

Mehr lesen

Netztest Handynetz Bestes Netz connect
Mobilfunk-Netztest 2017

Nicht überall funktioniert das Surfen im Internet genauso gut. Der Netztest zeigt, welcher Anbieter die beste Leistung liefert - auch in Auto und…

„Die neue europäische Ordnung soll diejenigen Monopolisten in ihre Schranken weisen, die 20 Jahre Wettbewerb zurückdrehen und den Fortschritt in Europa ausbremsen wollen“, kommentierte Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter den EU-Entwurf. Er lobt, dass die EU auf „echte Zukunftstechnologien wie Kabel, Glasfaser und 5G setzt und keine Brückentechnologien wie Vectoring fördern will, wo Zukunftstechnologien wie Glasfaser doch bereits verfügbar sind.“ 

Auch 1&1- Chef Martin Witt sieht „dass das Zeitalter des Klingeldrahtes sich dem Ende neigt“. Höchste Zeit, so die Telekom-Kritiker, denn Deutschland liegt mit seinem Anteil an Glasfasernetzen weit abgeschlagen hinter dem europäischen Durchschnitt. Laut einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste WIK werden 2025 über 75 Prozent der Haushalte mindestens 500 Mbit/s im Down- und 300 Mbit/s im Upload benötigen.

Festnetz Datenvolumen

© Bundesnetzagentur, Cisco, BREKO-Research

Über 80% der mobilen Datennutzung in Deutschland erfolgt über WLAN-Netze. Der Datenverbrauch im Festnetz wird sich bis 2019 verdreifachen. 85% der Bevölkerung wollen nicht aufs Festnetz verzichten.

Mehr lesen

Festnetztest connect 2016 Logo
connect Festnetztest 2016

Wer bietet die höchste Sprachqualität? Wer ermöglicht die schnellsten und stabilsten Down- und Uploads? Der connect-Festnetztest liefert die…

Dass man angesichts zukunftsträchtiger Geschäftsfelder wie Industrie 4.0, Connected Cars oder E-Health auch für die Anbindung der 5G-Antennen flächendeckend Glasfaser braucht – auch in den weniger lukrativen ländlichen Regionen –, darüber sind sich Experten in Politik und Wirtschaft einig. 

Um den 5G-Ausbau EU-weit zu beschleunigen, ruft Günther Oettinger die Mitgliedstaaten auf, neue Frequenzen in einem klar bestimmten Zeitraum zu vergeben. Dem Vorschlag kann sogar die Telekom etwas abgewinnen. Die EU-Wünsche für neue europäische TK-Rechtsvorgaben müssen noch vom Europaparlament und den Mitgliedstaaten verabschiedet werden. Ob die angestrebten Richtlinien tatsächlich schon ab 2018 greifen, ist also mehr als fraglich.​ 

Mehr zum Thema

connect Kundenbarometer Mobilfunk 2015
Kundenzufriedenheit Mobilfunk

Image, Kundenservice, wahrgenommene Qualität des Netzes: Mehr als 1200 Mobilfunkkunden haben ihre Anbieter bewertet.
Hotspots
Kostenlos ins Internet

Bei der Breitbandversorgung hinkt Deutschland hinterher, doch es gibt vielversprechende Ansätze.
Smartphones in Händen
Mobilfunkanbieter

Bei dem derzeitigen Preisverfall, den die Mobilfunk-Discounter vorantreiben,lohnt sich ein Blick auf die besten Smartphone-Tarife für jedes Budget.
Samsung Galaxy S8
Überblick

Schon vor dem Verkaufsstart können Sie das Samsung Galaxy S8 und S8 Plus vorbestellen. Wir geben einen Überblick über Preise und Angebote.
Shutterstock Teaserbild
Schnelles Internet

Die einen bereiten die erste deutsche Mondlandung vor, die anderen heben in die Gigasphäre ab: Die deutschen Breitbandanbieter sorgen für Spannung.
Alle Testberichte
Toyota C-HR
Navigation und Infotainment
Mit dem C-HR bringt Toyota ein cool designtes Crossover-Modell auf den Markt. Wir haben das Auto samt Navigations- und Infotainment-System getestet.
Dual CS-550
Plattenspieler
Mit dem CS 550 vertreibt der Traditionshersteller Dual einen soliden Plattenspieler. Wie er klingt, lesen Sie im Test.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.