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Hintergrund: Elektrosmog Wie gefährlich ist Handystrahlung?

Viele Menschen fürchten sich vor Mobilfunkstrahlung. Wir nennen die Fakten zum Thema und listen die Smartphones auf, die am wenigsten strahlen.
Strahlungsleistung © connect

Wenn das Ohr nach einem langen Telefonat förmlich zu glühen scheint, kann es ja wohl keinen Zweifel mehr an den starken Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung geben, oder? Doch komischerweise kennen ältere Quasselstrippen das Phänomen auch aus einer Zeit, als Telefone noch Hörer hatten, die über ein Spiralkabel mit einem Wählscheibenapparat verbunden waren.

Denn Schuld an der Erwärmung ist der schlichte Hitzestau durch das in der Wärmestrahlung blockierte Außenohr, schließlich wird die Ohrmuschel im Gegensatz zum Kopf nicht über Durchblutung gekühlt.

Durch ein mit den maximal zulässigen 2 W pro Kilo strahlendes Smartphone würde die Körpertemperatur um etwa ein halbes Grad steigen, wenn sie über den ganzen Körper wirken würde. Da diese Strahlung aber nur sehr lokal in unmittelbarer Nähe des Telefons auftreten kann, bleibt die tatsächliche Erwärmung weit darunter.

Sind Kinder besonders gefährdet?

Es sind immer wieder ähnliche Fragen, die die connect-Redaktion erreichen:

  • Wann wird das neueste Mobiltelefon eines Herstellers in Bezug auf Strahlung getestet?
  • Was bedeutet der normierte Strahlungsfaktor von connect?
  • Wird ein fünfjähriges Kind durch ein Smartphone besonders gefährdet?

Wie also steht es um die Mobilfunkstrahlung, wie sehen die Gefahrenquellen aus? Und werden es durch den fortschreitenden Ausbau der Mobilfunknetze in den Städten immer mehr? Welche Krankheitsrisiken sind als Folge der Bestrahlung mit Mobilfunk zu erwarten? Und was kann jeder Einzelne tun, um die Strahlenbelastung möglichst gering zu halten?

Dass Strahlen für Menschen gefährlich sein können, ist eine Tatsache. Ohne Frage ist etwa radioaktive Strahlung in hohen Dosen schädlich bis hin zur Tödlichkeit. Doch diese Strahlung zählt zur sogenannten Teilchenstrahlung, bei der ein radioaktiver Stoff Alphateilchen – Elektronen, Neutronen oder Positronen – aussendet. Dass die radioaktive Strahlung in sehr geringem Maße vergleichsweise gut von Lebewesen vertragen wird, zeigt die überall auftretende natürliche Radioaktivität, die auch als terrestrische Strahlung bezeichnet wird.

Die beim Funk auftretende Strahlung gehört jedoch nicht zur Teilchenstrahlung, vielmehr spricht man hier von elektromagnetischen Wellen. Zu diesen Wellen zählt auch sehr energiereiche und folglich kurzwellige Strahlung, zum Beispiel Röntgenstrahlung und UV-Strahlung.

Die UV-Strahlung, die aufgrund des Ozonlochs zunimmt, hat eine traurige Berühmtheit als Quelle von Hautkrebs erlangt – einerseits. Andererseits trägt UV-Strahlung auch zur Bildung von Vitamin D bei, und das ist krebshemmend. Das zeigt, dass auch bei der Strahlung Gift und Medizin nahe beieinanderliegen.

So haben viele Soldaten, die in Röntgenstrahlen von Radargeräten arbeiten mussten, Krebs bekommen. Mittlerweile erkennt selbst die sonst eher zögerliche Bundeswehr viele dieser Fälle als Berufskrankheit an. Es gibt also Indizien dafür, dass mit elektromagnetischer Strahlung nicht zu spaßen ist.

Doch rechtfertigen die Negativbeispiele der Auswirkungen von UV- und Röntgenstrahlung die Verdammung des Mobilfunks? Welche Faktoren führen zu einer hohen Strahlenbelastung? Und wie sieht die Wissenschaft die Risiken einer Gesellschaft, die ohne Mobilfunk heute kaum vorstellbar wäre?

Handys strahlen nur wenige Zentimeter stark

Gehen wir Schritt für Schritt vor. Aus technischer Sicht eindeutig bekannt sind Zeit und Ort, an dem ein Mensch der größten Strahlungsbelastung durch Mobilfunk ausgesetzt ist. Eine Simulation, die im Rahmen einer Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) durchgeführt wurde, zeigt, dass die direkt an der Position des Handys liegenden, sehr hohen elektrischen Feldstärken schon nach wenigen Zentimetern auf ein Hundertstel ihres Maximalwertes absinken.

Vier Personen beim Telefonieren: Die Feldstärke ist direkt am Ohr am höchsten und nimmt schon bei mäßigem Abstand deutlich ab. © connect
Vier Personen beim Telefonieren: Die Feldstärke ist direkt am Ohr am höchsten und nimmt schon bei mäßigem Abstand deutlich ab.

Sollte also eine Gefahr vorliegen, so trifft sie hauptsächlich den Telefonierer selbst. Sogar sehr nah bei ihm stehende Mitmenschen bekommen bloß einen Bruchteil dieser Strahlung ab. Noch besser beobachten lässt sich der Zusammenhang zwischen dem Abstand zur Strahlungsquelle und der Strahlungsintensität an Mobilfunk-Basisstationen.

Angriff auf die Gesundheit?

Viele Mobilfunkgegner sehen in jedem neuen Mobilfunkstandort nichts anderes als eine weitere Strahlungsquelle und damit einen abermals verstärkten Angriff auf ihre und die allgemeine Gesundheit. Dabei ist das Verhältnis zwischen einer Mobilfunkzelle und einem Mobiltelefon im Grunde auch nicht viel anders als das zwischen zwei Menschen, die sich unterhalten – ohne Telefon, wohlgemerkt.

In gut versorgten Gebieten sinkt die durch Mobiltelefone tatsächlich verur­sachte Strahlenbelastung deutlich. © connect
In gut versorgten Gebieten sinkt die durch Mobiltelefone tatsächlich verur­sachte Strahlenbelastung deutlich.

Wenn diese beiden Menschen nah beiein­ander stehen, so brauchen sie nicht besonders laut zu reden, damit einer den anderen hört. Bei größerer Distanz hingegen muss geschrien werden. In einer Bibliothek oder im Mu­seum neigt der Mensch sogar dazu, seinem Gegenüber ins Ohr zu flüstern, um die allgemeine Ruhe nicht zu stören. Nach denselben Prinzipien funk­tioniert die Kommunikation im Mobilfunk, wo jedes Handy oder Smartphone, aber auch jede Mobilfunkzelle immer nur mit der Leistung sendet, die notwendig ist, damit das Gegenüber die Nachricht korrekt empfangen kann.

Das bedeutet, dass ein dicht ausgebautes Mobilfunknetz die Strahlenbelastung verringert, weil deutlich niedrigere Sendeleistungen in den einzelnen Zellen und bei den mobilen Endgeräten zur Verständigung ausreichen. Das zeigen auch viele Messungen, die Dr.-Ing. Reinhard Georg mit anderen Mobilfunk-Experten im Auftrag des BfS ausgeführt hat.

In diesen Studien erfasste das Team die ­tatsächlich beim Telefonieren auftretenden SAR-Werte unter ­verschiedensten typischen Bedingungen. Eine Überlandfahrt, auf der mehrere besiedelte Gebiete mit guter Mobilfunkversorgung gestreift werden (siehe Karte oben), zeigt, dass die Strahlenbelastung in gut versorgten Gebieten deutlich abnimmt.

Mythos Elektrosensibilität

Doch diese Messungen sagen noch nichts darüber aus, ob und wie sich Mobilfunkstrahlung auf den Körper auswirkt. Wer im Internet nach entsprechenden Studien sucht, wird mit Lesematerial auf Jahre hin eingedeckt sein. Dabei lassen sich Belege für ­alles und jedes finden, wie die Oberfeld-Studie zeigt, die Ende 2008 Aufsehen erregte.

In ihr berichtete der Umweltmediziner Dr. Gerd Oberfeld von einer signifikant erhöhten Krebsrate im Zeitraum 1984 bis 1997 im Umkreis von 200 Metern um einen Mobilfunksender. In Erinnerung ist diese Studie geblieben, weil sich nach ihrer Veröffentlichung herausstellte, dass die C-Netz-Sendeanlage, von der hier die Rede war, nie existiert hat.

Ein dicht ausgebautes Mobilfunknetz verursacht deutlich geringere maximale Strahlenbelastung (rot) bei gleicher Versorgungsgüte. © connect
Ein dicht ausgebautes Mobilfunknetz verursacht deutlich geringere maximale Strahlenbelastung (rot) bei gleicher Versorgungsgüte.

Etwas sprachlos machen auch die vielen Berichte und Veröffentlichungen zum Thema Elektrosensibilität. Die Personen, die sich als betroffen bezeichnen, führen Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Nervo­sität, Tinnitus und vieles mehr auf Mobilfunkstrahlung zurück.

In kontrollierten ­Experi­menten der ETH Zürich und der deutschen Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin jedoch konnten Personen, die sich als elek­tro­sensibel bezeichnen, ihre Empfindlichkeit für elektromagnetische Felder keineswegs unter Beweis stellen.

Unter den jüngeren Studien über die mögliche krebsauslösende Wirkung von Mobilfunkstrahlung sind zwei von besonderer Bedeutung. Da ist erstens eine Kohorten-Studie (2001), für die 420.000 Einwohner Dänemarks (etwa zehn Prozent der Bevölkerung des Landes), die zwischen 1982 und 1995 ­einen Handy-Vertrag abgeschlossen haben, auf Krebs untersucht wurden. Die Zahl der Erkrankungen wurde verglichen mit der Krebsrate der dänischen Gesamtbevölkerung.

2006 und 2011 gab es Fortsetzungen dieser Studie – insgesamt wurde also ein Untersuchungszeitraum von über 13 Jahren Mobilfunknutzung erfasst. Selbst nach dieser langen Exposition konnte die dänische Studie kein erhöhtes Krebsrisiko des zen­tralen Nervensystems oder von Hirntumoren beobachten. Dabei sind Risiken über längere Zeiträume oder moderate Erhöhungen durch Vielnutzer laut dieser Studie nicht ausgeschlossen.

Langzeitstudie der WHO

Die zweite große, von der Weltgesundheitsorganisation WHO in 13 Ländern durchgeführte Untersuchung ist die Interphone-Studie, die im Oktober 2000 begann. Sie bestimmt detailliert das Telefonierverhalten von rund 6500 an Hirntumoren erkrankten Personen und stellt es einer Kontrollgruppe von rund 7500 gesunden Menschen gegenüber. Dafür wurden die Probanden rückwirkend befragt.

Das Ergebnis war zwiespältig. Einerseits zeigte sich: Wer oft mit dem Handy telefoniert, bekommt seltener einen Hirntumor. Dieses Ergebnis ist den Autoren zufolge jedoch eher auf methodische Schwächen der Studie zurückzuführen als auf die vorbeugende Wirkung von Strahlung.

Andererseits trat bei den zehn Prozent der Befragten, die am meisten mobil telefoniert hatten, ein statistisch signifikantes Risiko für die Gliom genannte Form von Hirntumoren auf. Hier kann wegen der Fragemethode aber nicht ausgeschlossen werden, dass ein Teil der Erkrankten den Tumor auf sein Telefonierverhalten schiebt und dieses überschätzt. „Recall Bias“ oder verzerrte Erinnerung nennen Forscher diesen Effekt.

So krebserregend wie Kaffee

Unter Berücksichtigung der Interphone-Studie hat die IARC (International Agency for Research on Cancer) die Mobilfunkstrahlung im Jahr 2011 als „möglicherweise krebserregend“ (2B) eingestuft. Wer jetzt Angstzustände bekommt, sollte sich das Klassifikationssystem der IARC genauer ansehen. Über der Gruppe 2B gibt es noch die Gruppe 2A („wahrscheinlich krebserregend“) und die Gruppe 1 („krebserregend“).

Zur Gruppe 1 gehören etwa Röntgenstrahlung und Asbest, zur Gruppe 2A anorganische Bleiverbindungen und Abgase von Dieselmotoren. Dagegen stehen in der Gruppe 2B die Abgase von Benzinmotoren, nach asiatischen Traditionen eingelegtes Gemüse, aber auch der allseits beliebte Kaffee.

Fazit: Schädliche Wirkung noch immer nicht erwiesen

Diese beruhigenden Ergebnisse bedeuten nicht, dass nun alle Fragen um die Wirkung der Mobilfunkstrahlung beantwortet sind, wie auch die durch das BfS koordinierten Forschungsvorhaben zeigen. Besondere Aufmerksamkeit dürften hierbei Studien haben, die den Einfluss von Mobilfunk auf Kinder und Jugendliche, aber auch auf ältere Menschen untersuchen.

Auch die Exposition der Bevölkerung durch neue Mobilfunkstandards hat die aktuelle Forschung im Blick, wie aus dem 6. Bericht der Bundesregierung hervorgeht, der im Januar 2015 publiziert wurde. Auch nach über zwanzig Jahren Mobilfunk ist die Angst vor der neuen Kommunikationstechnik keineswegs überwunden – ganz im Gegenteil. Dabei zeigen die Fakten, dass mehr Mobilfunkstationen insgesamt zu einer Verringerung der Strahlenbelastung führen und dass modernere Funkstandards mit geringeren Leistungen auskommen.

Nicht vergessen sollte man, dass selbst Langzeitstudien keinen signifikanten Anstieg an Hirntumoren belegt haben. Dass Mobiltelefone schon Leben gerettet haben, steht hingegen außer Frage. Daran sollte jeder denken, der mit dem Gedanken spielt, sich von seinem Handy oder Smartphone zu verabschieden.

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