iPhone-Historie

10 Jahre iPhone: Die Kunst des Optimierens

Das iPhone ist zehn Jahre alt. Wir gratulieren und dokumentieren, mit welchem Tempo Apple eine komplette Branche auf den Kopf gestellt hat. Wir haben aber auch Wünsche – und zwar an das Jubiläums-iPhone 8.

iPhone

© Maxim Apryatin / shutterstock.com

Vor 10 Jahren wurde das erste iPhone vorgestellt. Mittlerweile gehören Smartphones ganz selbstverständlich zum Alltag.

Die Keynote zur Macworld vom 7. Januar 2007 ist inzwischen legendär. „Heute erfindet Apple das Telefon neu“, erklärte Steve Jobs auf der Bühne des Moscone Center in San Francisco, um dann mit dem iPhone das erste echte Smartphone zu enthüllen. Es bot Möglichkeiten und Funktionen, die vielen heute selbstverständlich erscheinen, damals aber neu und revolutionär waren, weil sie mit vielen Traditionen brachen: ein komfortabler Touchscreen statt Stylus und Tastatur, ein vollwertiger Internet-Browser statt WAP-Portalen, ein schnelles und einfach zu verstehendes Betriebssystem statt komplexer Menüstrukturen.​

Der Gamechanger 

Dass das iPhone einen Meilenstein markierte, der die Branche maßgeblich beeinflussen würde, war seinerzeit schon vielen Experten klar. Aber dass es die mobile Welt komplett auf den Kopf stellen und Giganten wie Nokia oder Research in Motion (Blackberry) aus der Bahn werfen würde, hatte niemand erwartet. Denn das iPhone zeigte auch Schwächen. Es war teuer und kam ohne den schnellen 3G-Mobilfunkstandard, sodass man außerhalb eines WLAN nur schneckenlangsam im Inter​net unterwegs war. Daher ist es auch verkehrt, den Durchmarsch der Kalifornier als Selbstläufer zu betrachten. Der Erfolg des einen ist die Schwäche des anderen – und Apple wäre nicht so groß geworden, wenn sich nicht die ganze Branche träge an der eigenen Fortune delektiert und mit einer aus heutiger Sicht unfassbaren Arroganz zurückgelehnt hätte. 

Man erinnere sich nur an das Gelächter des damaligen Microsoft-CEO Steve Ballmer, als er in einem Fernsehinterview auf das neue iPhone angesprochen wurde. So wie ihm ging es damals vielen hochrangigen Managern. Nokia hat das Erfolgsrezept des iPhones – die einfache Bedienung über den Touchscreen – lange ignoriert, genauso wie RIM, die 2007 den USA-Markt mit mehr als 40 Prozent dominierten. Sie alle hatten durchschaut, dass Apple viele Superlative in den Mund nahm, ohne das Rad neu zu erfinden – mit Touchscreen-Smartphones experimentierte die Branche schließlich schon seit Längerem. Aber sie verkannten, wie wichtig weiche Faktoren wie Usability und Design für die Endkunden waren. Man baute schließlich seit Jahren Smartphones und glaubte zu wissen, was die Käufer wollten.​

Apple Campus

© Apple

Nichts symbolisiert Apples Aufstieg besser als die neue Firmenzentrale in Cupertino – das Bauwerk der Superlative soll 2017 bezugsfertig sein.

Nicht wirklich innovativ 

So ist es auch kein Zufall, dass die Antwort auf das iPhone nicht aus der Branche kam: Nicht Nokia, HTC oder RIM haben den Android-Dachverband Open Handset Alliance gegründet, sondern Google. Spätestens seit dem iPhone gilt Apple als innovatives Unternehmen. Aber das ist ein Missverständnis, weil viele die disruptive Kraft, mit der iTunes, iPhone, App Store und iPad neue Spielregeln für ganze Geschäftsfelder aufgestellt haben, mit Innovation gleichsetzen. Das iPhone war nicht das erste Touchscreen- Telefon, aber es war das erste, das gut funktioniert hat. Auf jedem Symbian-Phone konnte man Apps installieren, aber es fehlte die zentrale Anlaufstelle, eine Plattform für Apps. 

Die Strategie von Apple war es schon immer, zu beobachten, zu optimieren und am Ende mit einem Produkt auf den Markt zu kommen, das so ausgereift und durchdacht ist, dass der Kunde es sofort annimmt. Aktuell lässt sich das beim Zukunftsthema Virtual Reality beobachten: Während Firmen wie Google, Microsoft und Samsung mit VR-Brillen und -Inhalten experimentieren, kommt von Apple nichts. Apples Stärke liegt nicht in der Innovation, sondern im Optimieren von dem, was andere erfunden haben. Das machen viele Unternehmen so. Aber Apple bis dato besser als alle anderen.

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