Magnetostatische Kopfhörer

Oppo PM-2 vs. Audeze EL-8

Die Magnetostaten Audeze EL-8 und OPPO PM-2 bringen ihren eigenen Klangcharakter mit. Wir haben die beiden Kopfhörer im Testlabor verglichen.

Oppo PM-2 vs. Audeze EL-8

© Oppo / Audeze

Oppo PM-2 vs. Audeze EL-8

Nicht weniger als Reisen in andere Welten – am besten intergalaktisch und mit Emotionsgarantie – sollte ein HiFi-Kopfhörer heutzutage ermöglichen. Ein Anspruch, der sicher nicht immer gerechtfertigt ist, wollen doch nicht alle Musikhörer mit getricksten Frequenzgängen und Schönfärbereien leben. Stattdessen beweist unsere Umfrage auf der letzten CanJam in Essen, dass Kopfhörer mit einer präzisen Raumdarstellung und neutralen Studiowiedergabe deutlich häufiger bevorzugt werden. Doch fehlt es einem neutral abgestimmten Kopfhörer nicht etwa an Musikalität und an den viel gerühmten atmosphärischen Mitten?

Magnetostaten sind aus zwei Gründen interessant: Zum einen erreichen sie aufgrund der magnetisierten Folienmembran eine ausnehmend feine Auflösung; sie bieten einen bruchlosen Klangkörper bis in die höchsten Höhen. Gleichsam erlaubt die ultraschnell schwingende Membran die Wiedergabe schnellster Impulse, ohne die „Rückstellungzeit“ (Trägheit) einer kolbenförmigen Membran zu benötigen. Ein Magnetostat bietet daher eine Kraftkombination, die eine fein granulierte Struktur stante pede explodieren lassen kann! Die offenen Audeze EL-8 und OPPO PM-2 bringen dennoch ihren eigenen Klangcharakter mit.

Oppo PM-2

Der amerikanische Hersteller ist eher für seine Blu-ray-Player bekannt. Mit dem PM-2 präsentiert OPPO nicht etwa seinen ersten Kopfhörer, gehört er doch zur Mitte eines edlen Magnetostaten-Trios. Technologisch entspricht der PM-2 nahezu dem teuren PM-1. Der PM-2 verwendet den gleichen Treiber mit den sieben feinen Materialschichten und spiralförmigen Aluminiumspulen, die es ermöglichen, die Leiterzahl pro Treiber zu verdoppeln. Die dadurch erreichte höhere Feldstärke führt nicht nur zu einer höheren Sensitivität der Folie, sondern wirkt sich auch positiv auf die elektrische Dämpfung und Signalkontrolle aus.

Oppo PM-2

© Oppo

Mit 385 Gramm ist der PM-2 ein Leichtgewicht, er passt bequem in die mitgelieferte Tasche. Die austauschbaren Ohrpolster sind wie bei einem DJ-Hörer komplett eindrehbar und bestehen aus Latex. Die Lochung dient einer speziellen Abstimmung der Dämpfung.

Im Unterschied zum PM-1 fehlt dem PM-2 hauptsächlich das Kabel-Zubehör; zudem wurde an der Materialqualität gespart, und die Dämpfung der Ohrmuscheln fällt leichter aus. Dafür sind nun diverse Polster-Varianten verfügbar, die dazu feinstufige Soundanpassungen beeinhalten. So klingt das mit einem Innenring bedämpfte Samtpolster etwas dunkler und feiner als das Standard-Kunstlederpolster, während das bedämpfte Kunstlederpolster irgendwo in der Mitte liegt. Doch egal, welches Polster man wählt, der PM-2 sitzt immer definiert und drückt nicht. Klanglich beweist er bei „Keeping Up With Our Jones‘s“ (von der stereoplay- CD „Perfektes Timing, Vol. 1“) seine hohen feindynamischen Fähigkeiten und serviert dazu einen perfekt transparenten Raum. Offener und etwas heller timbriert als der Audeze transportiert der OPPO selbst emotional aufgeladene Stimmen organisch und staffelt dazu Instrumente exakt zueinander. Den feinen Materialklang eines Trommelfells gibt er ebenso leicht wieder (bei „Fôret Sacré“ von Matadi) wie die großräumig angelegten Dynamik-Salven eines Orchesters (vgl. Ravels „La Valse‘‘ vom Netherlands Philharmonic Orchestra).

Audeze EL-8

Nach einem umfassenden Re-Design präsentieren sich die neuen EL-Modelle des kalifornischen Kopfhörerspezialisten jetzt runder, leichter und moderner. Das gelungene Industriedesign stammt von BMW Designworks. Neben den kostenintensiveren Modellen der LCD-Serie (der LCD-X wurde in stereoplay 4/14 getestet) sind die EL-Kopfhörer nun wesentlich stärker auf Mobilität ausgerichtet.

Audeze EL-8

© Audeze

Geschmackvoller Materialmix aus Aluminium, Leder und Holzelementen. Ähnlich Apples Lightning-Methode konnektiert der EL-8 über einen schmalen goldplatinierten Stiftstecker über beide Ohrmuscheln. Ein geschlossenes Modell ist ebenfalls erhältlich.

Die schnelle Anprobe besteht der ohrumschließende Hörer mit „Leichtigkeit“. Möglich macht dies unter anderem die erhöhte Dichte der Neodymium-Magnete, wobei die Feldstärke maximiert und das Gewicht gleichzeitig minimiert werden konnte. Der eigentliche Clou sind allerdings flexibel reagierende Leiterbahnen, die sich in Abhängigkeit von der lokal induzierten Feldstärke in ihrer Breite quasi on the fly anpassen können. Audeze spricht von der Uniforce-Membran und meint damit die nochmals schnellere Kraftübertragung, die Magnetspalt und Membranfolie dichter zusammenwachsen lässt. Geringere Verzerrungen und eine höhere Auflösung sind die zu erwartenden Vorteile. 

Akustische Fazor-Elemente streuen auch im EL-8 den Schall homogenisiert und phasenstabil ans Ohr. Doch gerät „Keeping Up With Our Jones‘s“ im Vergleich zu OPPOs PM-2 dunkler timbriert. Inga Rumpfs „It‘s A Man‘s World“ legt dann die Differenzen noch deutlicher offen: Während der OPPO Raum und Instrumente besser distanziert, holt der EL-8 Stimme und Instrumente dichter ans Ohr, summt dabei deutlicher im Bass und lässt die Bassdrum druckvoller federn. Der EL-8 ist der Musiker, der PM 2 akademischer. Druckvoller und körperhafter auch die Trommeln auf Track 8 („Fôret Sacré“ von Matadi), voller und organischer die Violinen auf Track 11 (Vivaldis „Sommer-Presto“) und glühender Freischladers Gitarre auf Track 5 („Cry Again“).

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