5G-Frequenzauktion

5G-Auktion bringt dem Bund 6,55 Milliarden Euro

Die 5G-Frequenzauktion endet bei 6,55 Milliarden Euro und damit höher als erwartet. Der Erlös soll in die digitale Infrastruktur fließen.

5G-Lizenzauktion

© Telekom

Der Hammer ist gefallen: Das erste Paket an 5G-Lizenzen ist versteigert.

Nach 497 Runden war endlich Schluss: Nach dem Startschuss am 19. März vor nahezu drei Monaten ging am 12. Juni die längste Frequenzauktion Deutschlands zu Ende. Die vier teilnehmenden Wettbewerber Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Germany und 1&1 Drillisch haben für 6,55 Milliarden Euro 5G-Frequenzblöcke ersteigert. Damit fiel der Lizenzerlös deutlich höher aus als erwartet: Im Vorfeld gingen Brancheninsider von 3 bis 5 Milliarden aus. Die letzte Mobilfunk-Auktion 2015 spülte insgesamt 5,08 Milliarden Euro in die Staatskassen. Peanuts im Vergleich zu der UMTS-Auktion im Jahre 2000: Da kassierte der Bund rund 50 Milliarden.

Telekom zahlt am meisten 

Insgesamt wurden 420 MHz in 41 Frequenzblöcken ersteigert. Davon gingen mit 13 Blöcken (im 2-GHz-Bereich 2 x 40 MHz; im 3,6-GHz-Bereich 90 MHz) die meisten an den Branchen-Primus Deutsche Telekom, der mit 2,17 Milliarden Euro auch den höchsten Betrag zahlte. Vodafone ging mit zwölf Blöcken (im 2-GHz-Bereich 2 x 40 MHz; im 3,6-GHz-Bereich 90 MHz) für insgesamt 1,88 Milliarden und Telefónica Germany mit neun Blöcken (im 2-GHz-Bereich 2 x 20 MHz; im 3,6-GHz-Bereich 70 MHz) für 1,424 Milliarden aus dem Rennen. Der Newcomer 1&1 Drillisch, der bis dato über kein eigenes Mobilfunknetz verfügt, konnte sieben Blöcke (im 2-GHz-Bereich 2 x 20 MHz; im 3,6-GHz-Bereich 50 MHz) für insgesamt 1,07 Milliarden Euro ergattern. 

Bis zuletzt wurde um einen 10-MHz-Block in dem heiß begehrten 3,6-GHz-Band gerungen. Als die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch hier bei einem Block überboten wurde, konnte die Auktion beendet werden. Die Lizenzdauer für die vergebenen 5G-Frequenzen läuft bis 2040. Das Spektrum im 2-GHz-Bereich ist erst ab 2021 bzw. 2026 verfügbar.

5G-Auktion: Politik zufrieden

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, war mit dem Ergebnis zufrieden. "Das Ende der Auktion ist zugleich der Startschuss für 5G in Deutschland. Ich freue mich, dass vier Unternehmen Frequenzen ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau in Wettbewerb treten. Die Frequenzen sollen nicht nur für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung in Deutschland eingesetzt werden. Es liegt nun in der Hand der Unternehmen, die Frequenzen zügig zu nutzen und die damit verknüpften Versorgungsauflagen zu erfüllen", gab der Chefregulierer zu Protokoll.

Laut der Bundesnetzagentur müssen die Netzbetreiber bis 2022 jeweils 98 Prozent der Haushalte je Bundesland, alle Bundesautobahnen sowie die wichtigsten Bundesstraßen und Schienenwege mit mindestens 100 Mbit/s versorgen. Für den Neueinsteiger Drillisch gelten geringere Auflagen.

Lesetipp: So ging die 5G-Frequenzauktion im März los

Bundesfinanzminister Olaf Scholz zeigte sich über den Ausgang der Auktion ebenfalls erfreut und  versichert, mit den unerhofft hohen Einnahmen nicht etwa Haushaltslöcher zu stopfen, sondern die  Digitalisierung der Schulen sowie den Breitbandausbau in dünn besiedelten Regionen vorantreiben zu wollen. Auch Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und Infrastruktur, beteuert, dass die Mittel "zu 100 Prozent in das Sondervermögen Digitale Infrastruktur" fließen sollen und plant, damit den Netzausbau und Digitalpakt Schule zu fördern.

Vodafone fordert Lizenzerlöse nur für den Mobilfunk-Ausbau

Das sieht Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter ganz anders: „Die Auktion ist beendet. Und wir haben die Frequenz-Ausstattung bekommen, auf die wir abgezielt haben. Leider haben wir als Branche aber einmal mehr viel Geld für Lizenzpapiere ausgeben müssen, das wir lieber in den Netzausbau investiert hätten. Umso wichtiger ist jetzt, dass Politik und Branche gemeinsam ein Reinvestitions-Programm erarbeiten, mit dem die Erlöse direkt in den Mobilfunkausbau fließen. Denn nur so schafft Deutschland das, was für eine digitale Zukunft neben 5G am nötigsten ist: das Schließen der letzten großen Funklöcher."

Auch für Telekom-CEO Dirk Wössner hat die Auktion einen bitteren Nachgeschmack: „Der Netzausbau in Deutschland hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Das Ergebnis hätte wesentlich günstiger ausfallen können. Auch diesmal ist das Spektrum in Deutschland viel teurer als in anderen Ländern. Das Geld fehlt den Netzbetreibern jetzt für den Netzausbau. Mit dem Auktionserlös hätte man ca. 50.000 neue Mobilfunk-Standorte bauen und viele weiße Flecken schließen können."

Laut Telefónica-Deutschland-Chef Markus Haas hat sein Unternehmen "ein gutes Ergebnis erzielt und ein werthaltiges Frequenzpaket erworben, das unser bestehendes Spektrum ideal ergänzt und unsere Ambition des Mobile Customer & Digital Champions für unsere Kunden auch in den kommenden 20 Jahren ermöglichen wird." Seine Kollegin Valentina Daiber, Chief Officer for Legal & Corporate Affairs bei Telefónica Deutschland, spart dagegen nicht mit Kritik: "Der Verlauf der Auktion hat gezeigt, dass das Design sowie die nicht ausreichende Menge an zur Verfügung gestellten Frequenzen die Kosten in die Höhe getrieben haben. Diese Investitionsmittel wären aus Verbrauchersicht und für den Wirtschaftsstandort Deutschland deutlich besser im Netzausbau aufgehoben."

1&1 freut sich über den Markteintritt

Der Neuling 1&1 Drillisch zeigt sich wiederum selbstbewusst: „Wir freuen uns über den Ausgang der Auktion. Wir haben Frequenzen ersteigert, mit denen wir in der Lage sind, ein leistungsfähiges 5G-Netz aufzubauen. Damit schlagen wir ein neues Kapitel in unserer Unternehmensgeschichte auf. Als vierter Netzbetreiber werden wir einen Beitrag leisten, Deutschland zum Leitmarkt für 5G zu machen und neue Geschäftsfelder für unser Unternehmen erschließen“, so Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der United Internet AG.

Die etablierten drei Netzbetreiber sind davon naturgemäß wenig begeistert und wollen verhindern, dass sie ihre Netze für den Neueinsteiger öffnen müssen. Sie haben unabhängig voneinander gegen die Auflagen der Bundesnetzagentur geklagt und unter anderem bemängelt, dass die Vorgaben zu Kooperationen mit anderen Anbietern sowie zum nationalen Roaming nicht geklärt seien. Diese Klagen sind noch nicht vom Tisch.

Fakt ist: In der Schweiz und in Österreich war das Prozedere einfacher und wesentlich billiger für die Netzbetreiber. So haben unsere Nachbarn bereits mit dem Rollout der neuen Highspeed-Netze begonnen. Vom selbst ernannten 5G-Leitmarkt kann in Deutschland also keine Rede sein. Vielmehr müssen wir aufpassen, nicht abgehängt zu werden.

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