Schnelles Internet

Glasfaserausbau: Interview mit Uwe Nickl - Deutsche Glasfaser

Inhalt
  1. Glasfaserausbau in Deutschland - wie weit sind wir?
  2. Glasfaserausbau: Interview mit Uwe Nickl - Deutsche Glasfaser
Interview mit Uwe Nickl, Geschäftsführer von Deutsche Glasfaser

© Deutsche Glasfaser / Michael Bader

Interview mit Uwe Nickl, Geschäftsführer von Deutsche Glasfaser

Wo steht der Breitbandausbau in Deutschland? 

Das kommt ganz darauf an, was Sie unter „Breitband“ verstehen. Optimierte kupferhaltige Telefonnetze? Oder das reine, Terabitfähige Glasfasernetz bis in die Häuser? Tatsache ist, dass nur der Ausbau von FTTH-Glasfasernetzen („Fiber to the Home“) Zukunftssicherheit bedeutet. Hier stecken wir im internationalen Vergleich noch in Kinderschuhen – lernen aber vor allem durch den privatwirtschaftlich schnellen Glasfaserausbau gerade Laufen. Spannend ist, dass sich bundesweit langsam das Stadt-Land-Gefälle dreht: Das Land überholt mehr und mehr die Stadt in Fragen des Breitbandausbaus mit FTTH-Glasfasernetzen.

Die Politik greift ein, fordert flächendeckende Gigabit-Netze bis 2025 und legt sich dabei auf Glasfaser und 5G fest. Wie lässt sich das realisieren und liegt der Zieltermin nicht zu spät im Vergleich zu anderen europäischen Ländern? 

Die Politik setzt nunmehr auch parteiübergreifend auf reine Glasfaser, was wir sehr begrüßen. Förderung – wo nötig – ist gut, privater Ausbau ist aber schneller und kostengünstiger. Das spricht sich auch bundesweit unter den Kommunen herum – schon über 200 haben mit unserer Unterstützung zukunftsfähige Glasfasernetze gebaut. Entscheidend ist jetzt, auch politisch den schnellsten Weg einzuschlagen – mit einem harmonischen Dreiklang: Den privatwirtschaftlich schnellen FTTH-Ausbau stärken, diesen durch eine flexible Förderung der nicht wirtschaftlich erschließbaren Gebiete begleiten und das eigeninitiativ-bürgerliche Engagement bürokratisch entlasten. Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Die Menschen auf dem Land beginnen Bürgerinitiativen für den Glasfaserausbau zu gründen und sogar selbst zu graben, um unser Netz zu erreichen. Das sind zusätzliche Initiativen, die den Breitbandausbau mit viel Grips und Herzblut schnell voranbringen.

Die Deutsche Telekom treibt laut eigenen Angaben den Glasfaserausbau voran, beschleunigt aber gleichzeitig ihr Kupferkabelnetz via Vectoring, um preisgünstig den Breitbandbedarf abdecken zu können. Geht die Strategie auf?

Die Deutsche Telekom legt Glasfaser bis zu ihren weißen Kästen am Straßenrand und optimiert alte Telefondrähte, bis sie heiß werden. Das hat mit dem Ausbau eines zukunftssicheren Glasfasernetzes wenig zu tun. Bislang ist die Strategie der Telekom in vielen Fällen trotzdem aufgegangen – auch, weil die Politik den Versprechungen geglaubt hat, Vectoring reiche völlig aus. Wir erleben täglich, dass immer mehr Menschen sich ein Bandbreitenlimit von maximal – wenn überhaupt – 100 Megabit pro Sekunde nicht mehr vorschreiben lassen. Sie wissen um die Bandbreitenfreiheit der FTTH-Netze und entscheiden sich lieber für die zukunftssichere Variante des „echten“ Glasfaserausbaus.

Sie gehen einen anderen Weg und verlegen den Lichtleiter bis ins Haus. Wie lässt sich das finanziell stemmen?

Das geht erstaunlich gut. Wir arbeiten nach einem einfachen Geschäftsmodell: Nachdem wir gemeinsam mit der Kommune ein Ausbaugebiet beschlossen haben, starten wir die „Nachfragebündelung“ vor Ort. Während dieser Phase müssen sich 40 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für einen Vertrag mit uns entscheiden. Wird diese Quote bis zum Stichtag erreicht, bauen wir das Netz eigenwirtschaftlich aus. Wir haben dafür starke Investoren im Rücken und Mittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Zudem verwenden wir seit Jahren innovative Bauverfahren, welche die Tiefbaukosten pro Anschluss signifikant verringern, dafür aber die Ausbaugeschwindigkeit massiv erhöhen. Aber der entscheidende Erfolgsfaktor ist und bleibt das Engagement der Bürgerinnen und Bürger und politisch Verantwortlichen in den Kommunen.

Die hohen Investitionen für den Netzausbau lassen sich nur über genügend Kundschaft refinanzieren. Mit welchen Zugangskosten müssen Neukunden bei Ihnen rechnen?

Neukunden schließen bei uns lediglich einen zweijährigen Telekommunikationsvertrag ab – beispielsweise einen Internetvertrag über 200 Megabit pro Sekunde. Der ist aktuell ab 24,99 Euro für die ersten zwölf Monate zu haben. Danach erhöht sich der Preis auf 49,99 Euro. Wenn während der Nachfragebündelung im Ausbaugebiet dann genügend Verträge abgeschlossen werden, bauen wir das Netz aus, ohne zusätzliche Ausbaukosten für Kunden oder Kommune. Wir erleben in unseren Ausbaugebieten, dass die Nachfrage nach reinen Glasfaseranschlüssen und -produkten beständig wächst. Der Wille ist da, wir bieten den Weg.

Die Deutsche Glasfaser setzt beim Netzausbau auf eine Open-Access-Plattform und kooperiert unter anderem mit Vodafone. Welche weiteren Partnerschaften sind angedacht?

Wir betreiben ein anbieteroffenes Netz. Das heißt, alle Telekommunikationsanbieter, die ein Glasfaserprodukt anbieten, können sich theoretisch auf unser Netz schalten. Unser Hauptziel ist die Investition in FTTH-Glasfasernetze – also in die Infrastruktur selbst. Wir kooperieren mit Vodafone, weil sie ein gutes Produktportfolio für Geschäftskunden hat, sodass wir uns in dieser Partnerschaft gut ergänzen. Leider gibt es momentan in Deutschland nicht genügend große Anbieter mit echten Glasfaserprodukten in ihrem Portfolio, sodass wir hier noch die Schlagzahl vorgeben – und das auch gerne tun. Wir sind aber zuversichtlich, dass bald auch die großen Anbieter reine Glasfaserprodukte im hohen dreistelligen oder gar vierstelligen Megabit-Bereich anbieten können.

Wie sehen Ihre Netzausbaupläne aus?

Wir sind der am schnellsten wachsende reine FTTH-Anbieter in Deutschland und wollen unsere Führungsposition ausbauen. Dazu visieren wir für Ende 2018 den Ausbau von FTTH-Glasfaseranschlüssen für knapp eine halbe Million Haushalte in Deutschland an – und das nur in ländlichen Regionen. Betrachten wir das gesamte Bundesgebiet, liegen unsere stärksten Regionen weiterhin in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen. Wir werden insbesondere in Hessen und Bayern unsere Netze weiter ausbauen und auch in Sachsen haben wir in mehreren Gemeinden Fuß gefasst. Es gibt noch viel Potenzial für uns. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger auf dem Land ist nach wie vor ungebrochen – das gibt uns den nötigen Antrieb und die Zuversicht, den Breitbandausbau in Deutschland privatwirtschaftlich schnell voranzutreiben. Damit senden wir ein deutliches Signal für den reinen FTTH-Netzausbau.

Mehr zum Thema

Breitbandverfügbarkeit 50 Mbits nach Bundesländern
Highspeed-Internet mit 5G und Glasfaser

Wo steht Deutschland in Sachen schnelles Internet? Bringen 5G und Glasfaserausbau bald die erwünschten Fortschritte?
Shutterstock Teaserbild
Schnelles Internet

Die einen bereiten die erste deutsche Mondlandung vor, die anderen heben in die Gigasphäre ab: Die deutschen Breitbandanbieter sorgen für Spannung.
Netzwerkkabel
Breitbandausbau

Brennpunkt Breitband: Wo steht Deutschland auf dem Weg zur Gigabit-Gesellschaft? Hören Sie eine spannende und informative Diskussion im Podcast.
Surfen am Tablet
1&1, Vodafone, Telekom & Co.

Unterschiedliche Bedrüfnisse erfodern unterschiedliche Internet-Tarife. Welcher Breitband-Anbieter hat den besten Tarif für Normal-, Viel- und…
Glasfaseranschluss und -Ausbau
Schnelles Internet

Echte Glasfaseranschlüsse sind in Deutschland nach wie vor selten. Zusätzlich bereitet die parallel installierte alte Kupfertechnik neue Probleme.