KI-Smartphone, maschinelles Lernen und mehr

Neue Impulse und Gefahren durch KI

14.8.2018 von Andreas Seeger und Bernd Theiss

ca. 3:00 Min
Ratgeber
VG Wort Pixel
  1. Künstliche Intelligenz: Chancen und Risiken der technischen Entwicklung
  2. Lexikon der wichtigsten Begriffe
  3. Neue Impulse und Gefahren durch KI
  4. KI und Performance
  5. KI auf dem Smartphone
  6. KI-Chipsätze und mehr
  7. Das KI-Smartphone der nahen Zukunft
Künstliche Intelligenz - Neue Impulse
Drohnen ohne Piloten
© © Phonlamai Photo / shutterstock.com

Technologien auf Basis von künstlicher Intelligenz lassen keinen gesellschaftlichen Bereich unberührt. Die Veränderungen sind näher als wir denken. Fünf Beispiele, die das verdeutlichen.

Der kassenlose Supermarkt

Am Hauptsitz in Seattle hat Amazon 2016 den ersten kassenlosen Supermarkt eröffnet, seit Anfang 2018 kann hier jeder mit einem Amazon-Konto einkaufen. Man bucht sich per Smartphone am Eingang ein, nimmt die Produkte und geht wieder raus. Amazon nutzt eine Vielzahl von Kameras und Sensoren, die registrieren, wenn ein Produkt seinen Platz verlässt. Mithilfe von lernenden Algorithmen versteht das System auch, wenn ein Produkt wieder zurückgelegt wird. Weitere Läden sind bereits in der Planung.

Der automatische Kfz-Gutachter

Das Londoner Start-up Tractable hat eine Software entwickelt, die Autoschäden begutachten kann. Die Basis ist ein lernender Algorithmus, der mit Millionen von Aufnahmen beschädigter Autos trainiert wurde. Bei einem Schaden reicht es, Fotos an die Versicherung zu schicken, danach kommt in Sekundenschnelle ein Kostenvoranschlag und im Idealfall wird ein paar Minuten später das Geld überwiesen. Und das ist nur der Anfang: Experten gehen davon aus, dass künstliche Intelligenz die gesamte Versicherungsbranche umkrempeln wird.

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Drohnen ohne Piloten

Beim autonomen Fahren steuert eine Maschine das Auto. Einen Schritt weiter geht der von der Universität Zürich entwickelte Algorithmus DroNet: Drohnen fliegen vollautomatisch durch die Straßen einer Stadt und weichen Radfahrern oder Autos aus. Für die Steuerung reicht der KI eine normale Kamera. Die autonome Drohne für Pakete oder Rettungseinsätze ist in Sichtweite.

Diagnose per Computer

Die Diagnose-Software des in Oxford gegründeten Medizin-Start-ups Optellum soll anhand von Brustkorb-Scans Lungenkrebs besser erkennen können als ein Arzt. Ein ähnliches Verfahren für Herzerkrankungen spricht direkt Behandlungsempfehlungen aus. Technologien, die die überlegene Mustererkennung von KI-Systemen für die Diagnostik nutzen, werden weltweit entwickelt.

KI in der Landwirtschaft

Das Münchener Start-up Acrai hat einen Roboter entwickelt, der über den Acker fährt und Unkraut mechanisch mit einer Art Hacke entfernt. Basis ist eine KI, die Nutzpflanzen von Unkraut unterscheiden kann. Wenn diese Lösung marktreif ist, ist eine nachhaltige Landwirtschaft ohne Herbizide deutlich einfacher als bisher umsetzbar.

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Gefahren durch KI

Erkennen, bewerten und einsortieren – künstliche Intelligenz scheint wenig bedrohlich. Doch Technologie-Visionär Elon Musk (SpaceX, Tesla) warnt eindringlich vor KI, die „viel gefährlicher als Atomwaffen“ sei.

Projekt Maven

Warum Warnungen nötig sind, zeigt das von Teilen der Google-Belegschaft abgelehnte Projekt Maven des US-Verteidigungsministeriums. Bei der Entwicklung der Militärdrohnen wollte Google Know-how bei der Integration der eigenen KI-Software Tensor Flow beisteuern. Mit KI können Drohnen weit autonomer in Kriegssituationen agieren. Mit den verantwortlichen Personen fallen aber auch ethische Hemmungen bei Kampfhandlungen weg. Google hat die Mitarbeit mittlerweile gestoppt. CEO Sundar Pichai stellte im Blog sogar sieben Regeln für KI auf, die den alten Google-Geist von „Don’t be evil“ reflektieren. Ob sie durchzusetzen sind, ist freilich fraglich.

Social Scoring

Ideal scheint künstliche Intelligenz auch für das Ende letzten Jahres in die Schlagzeilen geratene chinesische Sozialkredit-System. Über die Beurteilung von Kreditwürdigkeit, Zahlungsmoral, Strafregister und viele andere Informationen soll ab 2020 jeder Bürger verpflichtend einer sozialen Bewertung unterzogen werden. Die beeinflusst mutmaßlich seine Perspektive in ökonomischer, juristischer und sozialer Hinsicht. KI könnte ein solches System sehr engmaschig knüpfen und Aufenthaltsorte, Aktivitäten, soziales Umfeld und mehr in das Social Scoring einbeziehen. Jeder Mensch müsste sich überlegen, ob er sich Perspektiven verbaut, indem er sich etwa mit mutmaßlich als politisch oder moralisch zweifelhaft geltenden Personen einlässt. Schon ungesunde Ernährung oder trägen Lebenswandel könnte eine KI leicht über Einkaufsverhalten und Bewegungsprofil erkennen, Abwertung inklusive. So ließe sich jede Abweichung von der staatlich verordneten Norm erkennen und sanktionieren, was die Selbstzensur in Form von vorausschauendem Wohlverhalten fördert.

Deep Fakes

Auch auf anderen Wegen kann KI Einfluss gewinnen. Spätestens seit 2017 kursieren Pornos, in die Gesichter von Prominenten montiert werden. Bei Deep Fakes wird aus tausend und mehr Gesichtsfotos das realistische Gesicht mitsamt Mimik berechnet, das dieser in einer völlig anderen Situation hätte. Deep-Fake-Spezialisten haben bewiesen, dass mit dieser Technik auch ein Barack Obama zu erschaffen ist, der Donald Trump beleidigt, oder eine Angela Merkel, die Erdogan entwürdigt. Damit lassen sich bald leichtgläubige Menschen in jede beliebige Richtung beeinflussen, Skeptiker verlieren den Glauben an jede Information.

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