Künstliche Intelligenz

Das Smartphone als digitaler Assistent

4.4.2017 von Andreas Seeger

Bahnbrechende Erfolge im Bereich des maschinellen Lernens ermöglichen intelligente Software, die das Smartphone in einen digitalen Assistenten verwandelt. Die Konsequenzen sind noch gar nicht in vollem Umfang absehbar, klar ist aber: Das Handy steht vor dem nächsten Evolutionssprung.

ca. 2:55 Min
Ratgeber
VG Wort Pixel
  1. Das Smartphone als digitaler Assistent
  2. Siri, Bixby & Co: Intelligente Assistenten im Smartphone
  3. Interview mit Arndt Polifke, Global Director Telecom bei der GfK
Shutterstock Teaserbild
Künstliche Intelligenz bestimmt die aktuelle Evolution der Smartphones.
© Shutterstock/SFIO CRACHO

Wer sich die Smartphone- Entwicklung der letzten Jahre anschaut, könnte zu dem Schluss kommen, dass das Gerät in seiner Tasche zu Ende entwickelt ist und seine besten Jahre bereits hinter sich hat. Die Märkte in den Industrieländern sind weitgehend gesättigt, gleichzeitig verharrt das Smartphone selbst in einer Art Entwicklungsstarre: Innovationen und technische Verbesserungen nehmen von Generation zu Generation ab. Die Fotoqualität erreicht langsam die Grenzen des physisch Machbaren, genauso wie die Fertigungsverfahren der Halbleitertechnologie. Qualcomms 2017er Top-Chipsatz Snapdragon 835 wird im 10-Nanometer- Verfahren gefertigt – viel kleiner geht es nicht mehr.​

Zentrum der digitalen Welt 

Doch der genaue Blick zeigt, dass diese Entwicklung nur eine Seite der Medaille darstellt. Auf der anderen Seite steht ein enormer Bedeutungszuwachs im digitalen Alltag. Kein anderes technisches Produkt wird vom Konsumenten intensiver genutzt. Das Smartphone ist nicht mehr nur Kamera, Scanner, Organizer und Fenster ins Internet, es steht darüber hinaus im Zentrum zahlreicher neuer digitaler Dienstleistungen und treibt diese vorwärts.

Car Sharing wäre nicht so erfolgreich, wenn man nicht bequem per App nachschauen könnte, wo das nächste freie Auto steht. Das gleiche gilt für den Fahrdienst Uber, den Zimmervermittler Airbnb und auch für Facebook, das mobil häufiger aufgerufen wird als über den Computer.​​

Die meisten digitalen Dienstleistungen beziehen einen Großteil ihrer Attraktivität daraus, dass sie auf dem Smartphone verfügbar sind. Der damit verbundene Bedeutungszuwachs ist enorm und Experten wie Arndt Polifke von der Gesellschaft für Konsumforschung GfK gehen davon aus, dass er sogar noch weiter zunimmt. Denn im Smartphone werden nahezu alle wichtigen Trends und Zukunftsthemen wie in einem Brennglas gebündelt und verstärkt. 

Dazu gehören das Smart Home, mobiles Bezahlen, Fitness, Gesundheit und natürlich Virtual Reality. Beispiel Smart Home: Die Vernetzung des Haushaltes ist nur schwer vorstellbar ohne das Smartphone, das als Steuerzentrale buchstäblich alle Fäden in der Hand hält. Das Gleiche gilt für Wearables: Erst in Zusammenarbeit mit dem Smartphone nutzen Smartwatches oder Fitnesstracker alle Möglichkeiten.​

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Evolution versus Revolution 

Die Smartwatch und das Smart Home haben aber noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie blieben in den letzten Jahren weit hinter den Erwartungen der Medien zurück. Genauso wie Apple. Dem iPhone-Erfinder wird gern vorgeworfen, seit dem Tod von Mastermind Steve Jobs 2011 die Innovationskraft verloren zu haben. Vergessen wird dabei, dass Apple seit Jahren auf Erfolgskurs und immer noch das wertvollste Unternehmen der Welt ist. Vergessen wird auch, dass der Umsatz mit Smartwatches und Smart-Home-Lösungen seit Jahren kontinuierlich wächst. 

Die GfK sieht das Smart Home in einer aktuellen Studie sogar auf dem Weg in Richtung Massenmarkt. Hier wird deutlich, dass Trends gerne mit unrealistischen Erwartungen überfrachtet und vorschnell zum Flop erklärt werden, weil sie diese nicht erfüllen. Das führt wiederum zu einer Wahrnehmung, die viele Entwicklungen ausblendet, weil sie evolutionär statt revolutionär-disruptiv verlaufen. Auch das ist ein Grund, warum das Smartphone mehr unter- als überschätzt wird.​

Einer der härtesten Märkte 

Aus Sicht der Hersteller ist das Smartphone-Segment brutal, allenfalls vergleichbar mit dem PC-Markt, der seit Jahren von einem harten Verdrängungswettbewerb gekennzeichnet ist. Größe ist der entscheidende Faktor – wer eine Chance haben will, muss in riesigen Stückzahlen produzieren. Das ist auch der Grund dafür, dass chinesische Hersteller seit Jahren auf dem Vormarsch sind: Sie haben mit über einer Milliarde Konsumenten den weltgrößten Mobilfunkmarkt im Rücken und bauen Absatz sowie Marktanteile weltweit aus, während etablierte Marken wie HTC oder Sony immer stärker in Rückstand geraten. Drei der fünf weltgrößten Smartphone- Hersteller kamen 2016 aus China. 

Huawei, aktuell Platz drei hinter Apple und Samsung, hat erklärt, innerhalb der nächsten vier Jahre Samsung als Nummer eins ablösen zu wollen – ein ambitioniertes Ziel. Abgesehen von den Marktführern Apple und Samsung kann kein Hersteller nennenswerte Gewinne verbuchen, viele dümpeln in der Verlustzone. Dass trotzdem keiner freiwillig das Handtuch wirft und stattdessen bereit ist, über Jahre rote Zahlen zu schreiben, unterstreicht ebenfalls die wachsende Bedeutung des Smartphones. Kein Hersteller ist bereit, die Schnittstelle so vieler Zukunftstechnologien einfach aufzugeben.​

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