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B&W 702 Signature im Test

Die 800er-Serie von Bowers & Wilkins bleibt für viele ein unerfüllter Traum. Soll es eine Standbox sein, kostet das Ticket in die Luxusklasse 9000 Euro. Dann steht auch eine stolze 804 D3 im Wohnzimmer. Die neue 702 Signature ist nicht weniger stolz und sieht fast noch schöner aus und kostet dabei 4000 Euro weniger. Wir haben sie getestet.

© B&W

Die Aerofoil-Membran besteht aus einem Papier-Kunststoff-Sandwich und ist leicht und stabil.

Pro

  • Ein der schönsten Bowers & Wilkins-Boxen mit Top-Klang

Contra

Fazit

AUDIO Klangurteil: 98 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Für mich persönlich ist es ein besonderes Vergnügen, eine Bowers & Wilkins zu testen. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass ich mir vor über 20 Jahren ein Pärchen dieser Marke gönnte. Neuer Job, neue Wohnung, neue Lautsprecher. Meine Träume hätten auch für ein paar Klassen höher gereicht, aber das Budget gab „nur“ eine DM 601 S1 her.

Immerhin eine Bowers. Und ich war glücklich. So strahlte schon immer etwas von dem Glanz der höheren Serien auch auf günstigere Boxen ab. Seit ein paar Jahren habe ich eine 802 D3. Leider gehört sie mir nicht und steht auch nicht bei mir zu Hause, sondern im Hörraum der AUDIO.

Sie wäre für mich außerhalb jeden Budgets. Aber was uns jetzt aus Südengland zum Test erreichte, löste in mir augenblicklich dieses altbekannte „Haben-Will-Gefühl“ aus. Im Juli fand die Pressekonferenz statt, Corona-bedingt lief die Konferenz virtuell im Internet, und wir konnten die Präsentation der 700er-Signature-Serie bequem vom Schreibtisch aus verfolgen.

Die Pressekonferenz war sehr gelungen, hatte aber einen Haken. Der Lautsprecher sieht in natura noch sehr viel besser aus. Edelstes Furnier, kunstvoll lackiert und auf Hochglanz poliert, die 702 Signature ist eine absolute Schönheit. Bowers & Wilkins bezeichnet das Holz als „Datuk“. Es erinnert mit seinen Streifen ein wenig an Zebrano.

Die Rückseite ist ebenfalls mit diesem edlen Finish versehen. Damit ist sie auch von hinten ein absoluter Blickfang. Ein poliertes und graviertes Metalltäfelchen oberhalb der Bassreflexöffnung gibt Auskunft über Modell und Hersteller.

© Screenshot / Montage: connect

Ein poliertes und graviertes Metalltäfelchen oberhalb der Bassreflexöffnung gibt Auskunft über Modell und Hersteller.

Technisch basiert die 702 Signature auf der 702 S2, die Bowers & Wilkins 2018 vorstellte. Die Anordnung der Treiber sind weitestgehend identisch. Eine geänderte Abstimmung bei den Tieftönern und bei der Frequenzweiche sollen akustische Verbesserungen bringen. Wie sich das auf den Klang auswirkt, werden wir im Hörtest sehen, bzw. hören.

Vorerst bleiben wir bei den technischen Finessen und davon hat die 702 Signature jede Menge zu bieten. Der Carbon-Dome-Tweeter ist eine feine Aluminium-Kalotte, die in einem aufwendigen Verfahren mit Kohlenstoff bedampft wird. Das ergibt zwar noch keinen echten Diamant-Hochtöner wie in der 800er-Serie, der auch aus Kohlenstoff besteht, aber die Verbindung dieser beiden Werkstoffe erhöht die innere Dämpfung.

Damit das fragile Gebinde keinen Schaden nimmt, sitzt in der Verbindung zwischen Schwingspule und Kalotte ein extrem leichter und steifer Carbonring. Das torpedoförmige Gehäuse des Tweeters verfügt über nahzu keine Eigenresonanz und ist akustisch vom Rest der Box entkoppelt. Das fühlt sich so an, als wäre der Hochtöner nicht richtig festgeschraubt, aber das hat so seine Richtigkeit.

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Darunter befindet sich ein alter Bekannter im silbrigen Gewand. 2015 hatte die gelbe Kevlar-Membran bei Bowers & Wilkins ausgedient und die Continuum-Membran hielt Einzug. Damals zuerst in die 800er-Serie, nach und nach fand sie ihren Weg in die günstigeren Serien. Bowers hatte nach zahllosen Experimenten und Simulationen ein Material und ein Webverfahren gefunden, das ungewünschte Partialschwingungen besser unterdrückt als Kevlar.

Die Membran ist ohne Sicke hart eingespannt. In der Mitte thront ein samtener Phaseplug. Auch bei den Tieftönern kommt Bewährtes zum Einsatz: die Aerofoil-Membran. Die Combound-Konstruktion aus Papier und Kunststoff weist im Querschnitt ein Profil auf, das dem eines Flugzeugflügels ähnelt.

Auch hier wurden Gewicht und Festigkeit optimiert. Doch kommen wir zur Gret- chenfrage: Klingt die 702 Signature tatsächlich besser als die 702 S2?

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Signature gegen S2

Um das herauszufinden, begab ich mich in die Katakomben des Verlagsgebäudes zum Hörraum der AUDIO. Gerade an Tagen, an denen das Thermometer über die 30-Grad-Marke klettert und die Luft in den Büros zum Schneiden dick wird, verspricht der Hörraum eine von mir und den Kollegen sehr geschätzte Abkühlung. Die 702 S2 stand bereits an der auf dem Teppich markierten Standardpositon.

Unsere T+A Elektronik hatte ordentlich Zeit zum Vorglühen und war einsatzbereit. Zum Testhören entschied ich mich ganz pragmatisch für die Heftscheibe dieser Ausgabe „Progressive Gods“. Ich bin nicht der größte Prog-Rock-Fan, könnte es aber nach dieser fantastischen Scheibe werden!

Hörprobe

Track 1 „Happy Somewhere In Between“ von Rikard Sjöblom zeigte gleich, was in der 702 Signature steckt. Die angenehme Neutralität in der Stimme und die exakte Trennung von Gesang und Instrumenten begeisterten mich auf Anhieb. Nach der seidigen Höhenwiedergabe kann man süchtig werden.

Die grazile Auflösung förderte filigranste Details ans Tageslicht. Aller Neutralität zum Trotz zeigte die 702 Signature keine Spur von Kälte oder Analyse. Sie dröselte den Sound in allen Details auf, behielt aber immer den Überblick. Wir hörten uns weiter durch die Scheibe und kamen bei Track 5 an. Mit Long Distance Calling „How Do We Want To Live?“ konnte die 702 Signature ihre Stärken voll ausspielen, denn die räumliche Wiedergabe und die exakte Ortbarkeit liegen dem Lautsprecher im Blut.

Das konnte die 702 S2 schon sehr gut, die Signature kann das einen Tick besser. Was auffiel, war der schlanke und trockene Bass. Es waren alle Tiefeninformation vorhanden, doch blieben sie vornehm im Hintergrund. Kein Wummern, kein Zumatschen – also eher Vorteil als Nachteil.

© B&W

Bowers & Wilkins macht ein großes Geheimnis um die Continuum-Membran.

Die leichte Anhebung im Oberbassbereich fiel nicht unangenehm auf, ist sogar sachdienlich, wenn man dem Bassisten auf die Finger hören möchte. Für die Basswiedergabe lohnt es sich, mit dem Abstand zur Wand zu experimentieren. Ich begann mit 1,30 Meter und verkürzte dann auf 1 Meter und schließlich auf 70 Zentimeter.

Mit jedem Rücker nahm der Bass an Fahrt auf, wurde kräfiger und bot sogar mehr Punch. Durch den nun vergrößerten Hörabstand verlor die Bühne etwas und die Ortbarkeit nahm ab. Also rückte ich mit dem Sofa hinterher und verkürzte den Abstand, was sofort eine positve Auswirkung hatte.

Fazit

Die Signature ist die bessere 702. Dieser Lautsprecher ist eine Augenweide, die Verarbeitung ist luxuriös, der Klang formidabel. Die 1000 Euro Aufpreis sind happig, aber das Finish ist jeden Euro wert. Aber klingt sie besser als ihre etwas schlichtere Schwester? Ja. Mehr Klangpunkte? Nein.

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