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Komplettsystem

Canor AI & CD 2.10 im Test

Canor kommt aus der Slowakei. Player und Verstärker sehen super aus und sind noch erschwinglich – traumhaft. Mehr dazu in unserem Test.

© Canor

Der Canor AI ist 15 kg schwer und hat einen Listenpreis von 3500€.

Pro

  • Ein Fighter – schlagkräftig, elegant, reich in den Informationen (AI 2.10)
  • große Pracht, dabei human und geschmeidig (CD 2.10)

Contra

Fazit

AUDIO Klangurteil: 120 Punkte (AI 2.10) 122 Punkte (CD 2.10); Preis/Leistung: Überragend (beide)

Aufgemerkt – hier ist ein neuer Name für das audiophile Poesiealbum. Bitte mit Ausrufezeichen schreiben: Canor! Kennt man nicht? Sollte man kennen. Das sind Meister der Elektronik, daheim in der Slowakei. Und wir legen die Hand dafür ins Feuer: Canor ist keine Bastelbude, sondern eine Instanz, mit vielen Händen, Köpfen und einer großen Firmenzentrale.

Die liegt in Prešov (Preschau). Hat man auch noch nicht gehört. Da ist weit und breit – nichts. Die Stadt liegt im östlichen Teil des Landes, knapp vor den Karpaten. Erstaunlich viele High-End-Hersteller kommen aus dem Niemandsland. Dahinter steckt ein doppeltes Geheimnis. Erstens will man die enormen Kosten in den angesagten Großstädten sparen, zweitens ist man weitab von Pop/Rock-Arenen und Sinfonieorchestern.

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Das große Hörerlebnis wird per Stream oder Silberscheibe herbeigebeamt. In unserem Fall sind es primär Silberscheiben. Der CD 2.10 ist zunächst einmal ein Vollblut-CD-Player, der in unserem Test mit dem Vollverstärker AI 2.10 harmonieren soll. Wir stellen die beiden nebeneinander – und sind sofort fasziniert.

Meine Güte, wer hat sich dieses Design ausgedacht? Das sind wahrhaftig Brüder. Auf gleicher Höhe streckt sich ein schwarzes Glasdisplay durch die gebürstete Alufront. Links bleibt es dunkel, in der Mitte jedoch blinkt das Canor-Logo unter einen mächtigen Drehrad. Alles weitere wird rechts im Display abgehandelt.

Das wiederum ist ebenso eigenwillig: Eine Dot-Matrix mit mächtiger Anzeige. Das kann selbst ein Kurzsichtiger vom 4 Meter entfernten Hörsofa aus lesen. Super. Wem das alles etwas zu dick aufgetragen vorkommt, der kann das Display bis hin zur Unsichtbarkeit dimmen.

© Canor

Auf der Rückseite findet man diverse Anschlüsse des Canor AI 2.10.

EIN REINES CD-LAUFWERK

Was ein Fehler wäre, denn gerade die mächtigen Dots verleihen den beiden Komponenten ihren singulären Status. Abermals: mächtig, schlau und ohne Konkurrenz dieser Auftritt. Auch bei den Feinheiten bringt Canor eine eigene Sprache ein. So wird die CD nicht über eine Schublade eingezogen, sondern über einen Slot.

Das fühlt sich für alte High-End-Haudegen seltsam an. Aber die jüngere Generation weiß: Dahinter liegt ein Laufwerk, das rein für die CDAusbeute geschaffen wurde. Kein umgebautes DVD/PC-Konglomerat, sondern eher ein Bauteil aus dem Fundus der Autozulieferer. Genau von dort, wo es zu jeder Zeit ultrapräzise sein muss, unabhängig von der Temperatur oder anderer Unbill, gefeit gegen die Erschütterungen auf der Fahrbahn.

Der Name nochmals in Zahlen und Buchstaben: AI 2.10. Das bringt wenig Erotik in unsere Erwartungshaltung. Doch da ist eben das tolle Design. Und unter der Haube eine eigenwillige Schaltung. Folgen wir dem Weg vom Laser an. Da liegt ein Wandler mit stolzen 32 Bit. Das ist die doppelte Datenmenge derer, die sich auf einer CD einfangen lässt.

© Canor

Zu sehen sind hier der Canor AI 2.10 und der canor CD 2.10.

Aber es liegt am Hintergrund – auf der Rückseite könnten wir die CD umgehen und per USB einen Computer anschließen. Dann schießt die Datenausbeute auf bis zu 768 Kilohertz hinauf. Unfassbar viel Feinauflösung. Auch die DSD-Fans werden bis DSD256 bedient. Das ist mehr als ein CD-Player – da steht eher der klangstarke Ich-fresse-alles-Digitalwandler im Rack.

Der CD 2.10 ist die Crème Brûlée unter den modernen Digitalquellen – ein Klassiker, überall erlebbar, aber dennoch süße Feinkost. Die oberste Schicht aus der angefackelten Zuckerschicht haben wir gerade beschrieben. Noch spannender ist, was darunter brodelt: eine Ausgangsstufe mit vier Röhren. Die tragen den Zahlencode 6922.

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Für Insider lohnt sich die Übersetzung: das sind ECC88-Röhren, in der maximalen Ausbaustufe nach militärischem Standard auch E88CC genannt. Und Canor steckt sie nicht einfach auf, sondern verpackt sie in eine Hülle, die Vibrationen bedämpft. Das sieht auf der Platine super aus und öffnet einen Himmel. Wenn jetzt noch der Vollverstärker mitspielt.

Und tatsächlich finden wir die gleichen Röhren auch im AI 2.10. Der sieht seinem Player-Geschwister höchst ähnlich. An der Front, zu Teilen aber auch unter der Haube. Hier glimmen besagte E88CC im Doppel am rechten Rand. Das ist die Vorstufe, fein aufgebaut und umfassend im Gehäuse von den Mitstreitern abgeschirmt.

© Canor

Der Canor CD 2.10 hat einen UVP von 3500 Euro.

ÜBERGROSSER RINGKERNTRAFO

Hier saugt ein übergroßer Ringkerntrafo die Energie an und verteilt sie auf die Bausteine. Massige, schwere Peaks können diesem Vollverstärker nichts anhaben, weil besagter Ringkerntrafo den großen Stromfluss walten lässt. Zudem kombiniert Canor hinter der Röhrenvorstufe keinen klassischen Transistor-Amp, sondern einen Digitalverstärker auf High-Drive. Ein Lamborghini, oder besser noch – ein Ferrari.

Der aus dem Stadtverkehr knapp hinter der Autobahn an allen vorbei jagen kann. 155 Watt an 4 Ohm, 173 Watt bei den Spitzen – nicht der Hauch eines Problems. Ja, digitale Endstufen sind die Garanten der Zukunft. Doch lukullisch wird es, wenn eine Röhrenstufe davor flötet. Stringent und elegant – diese Gesamtkombi markiert die alte, neue Ära von CD-Player und Vollverstärker.

Kombinieren wir Lautsprecher hinzu: eine große Bowers & Wilkins, eine mittlere Piega, eine elegante Dynaudio. Stets blieb das Duo auf seinem Klangkurs, elegant und potent, ohne dass wir den Bizeps als Aggressionsmotor gespürt hätten. Das war geradezu aufreizend reich und souverän. Wie ein Porträt von Michelangelo.

© Canor

Wenn man den Canor AI 2.10 von vorne betrachtet, ist er richtig elegant.

Legen wir einen 80-Jährigen auf, wenn er denn so alt geworden wäre. Wieder einmal gibt es ein neues Remaster von John Lennon „Gimme Some Truth“ (siehe Musikteil). Das ist keineswegs mit dem Glasreiniger auf Brillanz getrimmt worden, sondern zum Beispiel „Woman“ klingt im Gegenteil nach mehr Bodenhaftung.

Toll die innere Energie. Was sind das für Schlaginstrumente, die uns plötzlich von links und rechts anfachen? Das hatten wir in den bestehen Mastern nie gehört. Hier gibt es tatsächlich Neues zu erleben.

Großartig, was die beiden Canors daraus staffelten. Der Bass war nicht dicker, sondern plötzlich mit mehr Energie aufgeladen, perfekt die Präsenz der Singstimme in der Mitte, dazu war viel Luft an den Seiten. Über den Preis haben wir noch nicht gesprochen: Canor liefert hier die High-End-Klasse nicht für billiges Geld, aber zum immerhin erschwinglichen Preis.

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