Smartphone mit KI

LG G7 ThinQ im Test

Das LG G7 ThinQ überzeugt im Test mit einem tollen Display und künstlicher Intelligenz. Im Testlabor leistete es sich jedoch eine kleine Schwäche.

LG G7 ThinQ im Test

© LG

Trotz 6,1­-Zoll­-Display ist das G7 vergleichsweise kompakt. Und trotz Glas auf Vorder- und Rückseite ist es besonders stoßfest, LG verweist auf den US-­Militärstandard MIL-­STD­-810G.

EUR 399,99

Pro

  • kompaktes Gehäuse mit exzellenter Haptik
  • tolle Verarbeitung inklusive Zertifizie­rung nach IP68 und MIL­STD­810
  • hochauflösendes LCD mit herausra­gender Darstellung
  • Top­-Audio-­Eigen­schaften inklusive DAC
  • ansprechende Benutzeroberfläche mit vielen Extras und KI­Elementen
  • gute Dual-­Kamera mit Weitwinkeloptik
  • gute Funkeigen­schaften
  • drahtloses Aufladen wird unterstützt

Contra

  • interner Speicher in dieser Preisklasse zu knapp
  • Akustik nur befriedigend
  • kein Dual­-SIM

Fazit

connect Testurteil: gut (421 von 500 Punkten)
84,2%

LG bietet das G7 ThinQ in Deutschland seit Anfang Juni mit 64 GB Speicher und 4 GB RAM für eine UVP von 849 Euro an. Das ist viel zu hoch angesichts der Tatsache, dass Huaweis P20 Pro​ mit 128/6er-Bestückung bereits unter 700 Euro zu haben ist. Der Markt sieht das ähnlich, denn schon jetzt ist der Straßenpreis für das G7 unter die 600-Euro-Marke gefallen, was zu der Frage führt, ob man von einer ernsthaften Alternative zu Huawei sprechen kann. 

Im Vergleich mit dem Flaggschiff der Chinesen macht das G7 optisch schon mal eine vergleichbar gute Figur. Das Design ist mit einem Metallrahmen und viel Glas vorne und hinten typisch für die Oberklasse. Eine Besonderheit ist das kompakte Gehäuse: Trotz 6,1-Zoll-Display ist das G7 nur 72 Millimeter breit. In Verbindung mit dem niedrigen Gewicht von 162 Gramm und den sanft gerundeten Seiten entpuppt es sich als ein besonders anschmiegsames Phone – es gibt kaum einen 6-Zöller, der so gut in der Hand liegt. 

Hinzu kommt eine robuste Bauweise: Das G7 ist nach IP68 zertifiziert und steckt damit auch einen Tauchgang locker weg. LG verweist zudem auf den Militärstandard MIL-STD-810G, den das Modell hinsichtlich der Stoßfestigkeit erfüllt. Kleine Enttäuschung bei der Farbauswahl: Das G7 wird nur in Schwarz und in Grau angeboten, hier hätten wir uns mehr Mut zur Varianz gewünscht.

Testsiegel connect gut

© WEKA Media Publishing GmbH

Testsiegel connect gut

Das Display ist eine Wucht

Die schmale Bauform lässt sich nur mit einem besonders gestreckten Display realisieren. LG dehnt das 6,1 Zoll große Panel auf ein Seitenverhältnis von 19,5:9, das ist vergleichbar mit dem iPhone X. Doch während Apple auf moderne OLEDs setzt, kommt beim G7 ein LCD zum Einsatz. Wer glaubt, dass diese Technologie ihren Zenit überschritten hat, wird hier eines Besseren belehrt: Die Darstellung ist mit 3120 x 1440 Pixeln knackscharf und, wie unsere Messungen zeigen, in einer hellen Umgebung jedem OLED-Screen überlegen. 

Denn während OLEDs in der Sonne schwächeln, weil eine Hintergrundbeleuchtung fehlt, gibt sich das G7 selbst an einem Sommertag relativ kontrastreich. Über einen Button in der Statuszeile von Android lässt sich die Hintergrundbeleuchtung kurzzeitig über den Standard hinaus hochschrauben, sodass man sogar im direkten Sonnenlicht noch etwas erkennen kann. Angetan waren wir auch von der hohen Blickwinkelstabilität. Uns ist derzeit kein Smartphone-LCD bekannt, das mit dem G7 mithalten kann. Hut ab!

LG G7 ThinQ - Google Assistant

© LG

Das G7 ist zwei­fach für den As­sistant optimiert: Das Mikrofon reagiert sehr empfindlich, sodass man ihn auch aus einiger Entfernung akti­vieren kann. Alternativ kann man den Assis­tant mit einer Taste starten.

Volle Leistung überall

Unter dem Display sitzt Technik vom Feinsten. LG baut Qualcomms Spitzenprozessor Snapdragon 845 ein, der eine exzellente Performance mit einer umfassenden Connectivity kombiniert. Dazu reichen die 4 GB RAM locker aus, die LG dem Chipsatz zur Seite stellt. Nur beim internen Speicher hätten wir uns mehr als die bereits erwähnten 64 GB gewünscht. Zumal die Benutzeroberfläche von LG speicherhungrig ist, sodass ab Werk nur 47 GB zur Verfügung stehen; man kann aber per Micro-SD nachrüsten. 

Ein Steckplatz für eine zweite SIM fehlt dagegen, den Trend zu Dual-SIM machen die Koreaner nicht mit. Bei der Audio-Ausstattung geht LG dagegen deutlich über die Standards hinaus. Das fängt schon mit den klangstarken In-Ears an, die mit einem verwicklungsresistenten Textilkabel und einer Kabelfernbedienung samt Lautstärkeregelung ausgestattet sind. Dazu gesellt sich ein Digital-Analog-Wandler (DAC) mit 32 Bit, der auch hochwertige Kopfhörer gut bedienen kann und zudem erweiterte Klangeinstellungen bietet, unter anderem eine Balance-Regelung und unterschiedlich klingende Digitalfilter. 

Bei der Wiedergabe über die Smartphone-Lautsprecher fällt eine spürbare Vibration der Rückseite auf: Das gesamte Gehäuse dient als Resonanzkörper, was den Klang trotz Mono-Lautsprecher sehr laut und voluminös macht – erst recht, wenn das G7 auf einem Hohlkörper liegt, der die Schwingungen verstärkt. Für räumlichen Klang sorgt der 3-D-Audio-Standard DTS:X.

LG G7 ThinQ - Kamera mit KI

© LG / Montage: connect

Die Kamera erkennt automatisch die Szene und passt die Bildeinstellungen entsprechend an. LG nennt die Funktion „AI Cam“.

Kamera mit KI angereichert

Der Beiname ThinQ ist beim G7 nicht nur Marketing: Intelligente Algorithmen machen vor allem die Kamera schlauer. LG kombiniert eine Standard- mit einer Weitwinkel-Brennweite (je 16 Megapixel) für besonders große Bildausschnitte. Eine weitere Besonderheit ist die mit KI-Algorithmen angereicherte Motiverkennung. LG setzt sie erstmals ein und ist Huaweis P20-Serie dicht auf den Fersen. Das Prinzip ist bei beiden gleich: Der Nutzer richtet die Kamera auf ein Motiv, eine Software erkennt in Echtzeit die Szenerie (Sonnenuntergang, Hund, Essen etc.) und passt das Feintuning entsprechend an – Farben werden bei einem Porträt anders dargestellt als bei einem Landschaftsfoto. 

Die Anpassungen sind nicht so umfassend wie bei Huawei, so wird der Hintergrund bei einem Porträt nicht automatisch unscharf und Dokumente werden nicht freigestellt. Unabhängig davon kann sich die Bildqualität sehen lassen. Bei schlechten Lichtverhältnissen wird das Niveau eines P20 erreicht, in heller Umgebung fällt das G7 etwas zurück. Auch die Einstellungen und Extras erreichen nicht die Dichte der P20-Serie, unterstreichen aber den hohen Anspruch des G7 – unter anderem ist ein Porträtmodus samt Hintergrundunschärfe dabei. Die 8-Megapixel-Frontkamera bewegt sich qualitativ nur im Mittelfeld.

Eine gute Alternative

Die Akkukapazität hat LG im Vergleich zum Vorgänger von 3300 auf 3000 mAh reduziert, was bei uns schlimme Befürchtungen geweckt hat. Die haben sich jedoch als unbegründet erwiesen: In unserem genormten Testverfahren erreicht das G7 7:32 Stunden, ein für die Oberklasse durchschnittlicher Wert, mit dem man noch gut durch den Tag kommt. Ein 16-Watt-Schnellladenetzteil gehört zum Lieferumfang, auch drahtloses Aufladen ist möglich, das entsprechende optionale Zubehör vorausgesetzt. 

Die Überprüfung der Funkeigenschaften zeigt ebenfalls in allen Netzen positive Resultate. Einen kleinen Patzer offenbaren die Akustikmessungen, hier wird nur ein befriedigendes Ergebnis erreicht. Dafür sind drei Faktoren verantwortlich: eine niedrige Lautstärke in Senderichtung, eine nicht optimale Geräuschunterdrückung und eine durchschnittliche Sprachqualität in Empfangsrichtung. Das ist allerdings Kritik auf hohem Niveau. In der Summe entpuppt sich das LG G7 ThinQ als gute Alternative zu den Top-Smartphones von Huawei und Samsung, die in den Bereichen Display und Audio interessante Alleinstellungsmerkmale bietet.

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