Breitband-Lautsprecher

Lowther Academy im Test

31.10.2014 von Malte Ruhnke

Wenn es so etwas wie die Mutter aller audiophilen Breitbänder gibt, dann hat sie einen Namen: Lowther. Wir haben den Lautsprecher Academy im Test.

ca. 2:30 Min
Testbericht
VG Wort Pixel
Lowther Academy
Lowther Academy
© Lowther

Pro

  • Traumhafte Raumabbildung
  • feindynamische Ansprache und Homogenität

Contra

  • Neutralität und Auflösung

In der Tradition steht die aktuelle Academy: Einer der 20 Zentimeter messenden Chassis strahlt dabei frontal auf den Hörer, ein anderer auf der Oberseite der Standbox schräg nach hinten oben und kompensiert damit die zu hohen Frequenzen hin unterrepräsentierte Indirektschall-Abstrahlung.

Beide arbeiten gemeinsam auf ein außergewöhnlich komplexes, kaum bedämpftes Backloaded Horn, das breitbandig Bass und Grundton verstärkt. Dessen Hauptöffnung sitzt im hinteren unteren Teil der Box und bezieht so zusätzlich noch Boden und Rückwand (je nach Wandabstand) in die Hornwirkung mit ein und geht von der Wirkungsweise damit ein wenig Richtung Eckhorn.

Im erstaunlichen günstigen Fertigmodell, das der deutsche "Mr. Lowther", Dieter Kirchhoff, vertreibt, werkelt frontseitig ein PM6a-Treiber mit AlNiCo-Magneten, oben ein in puncto Membran und Schwingeinheit identisches Modell PM6c, das aber mit konventionellen Ferritmagneten angetrieben wird.

Lowther Academy
Der PM6a-Treiber vereinigt einen massiven Gusskorb, eine federleichte Doppel- konus-Papiermembran, eine sehr lockere Aufhängung und einen hölzernen Phaseplug gegen unerwünschte Auslöschungen. Geradezu klassisch der Alcomax-Magnet, eine Version des AlNiCo.
© Lowther Academy

Beide Konstruktionen werden seit Jahrzehnten gebaut und sehen dementsprechend historisch aus. Die federleichte und biegsame Membran mit 8 Zoll Durchmesser besteht aus langfaserigem, doch sehr dünnem Papier und weist außer der Form praktisch keine Maßnahmen zur Versteifung oder Kontrolle auf. Mit ihrer weichen Schaumstoffsicke und ebenso frei spielender Zentrierung arbeitet das Chassis extrem effektiv.

Der große Konus dient dabei im Wesentlichen dem Bass und Mittelton; der kleine aufgesetzte Kegel, am Rand gegen Verzerrungen gefaltet, aus demselben Spezialpapier ist entsprechend flinker und produziert die Höhen. Damit nicht angesichts der kurzer Wellenlängen stehende Wellen und Resonanzen die Abstrahlung verhageln, bremst ein hölzerner, kegelförmiger Phaseplug diese aus.

Das einzig Wahre?

Vergessen Sie alle Vorurteile über anämische oder bassfreie Wiedergabe: Die Lowther Academy klang bei Chris Jones' "No Sanctuary" nicht ganz so tiefreichend wie andere Boxen, aber mit einem satten und federnd kraftvollen Bassfundament selbst an dem nicht gerade starken Ayon Spirit - sofern sie im richtigen Abstand zur Rückwand aufgestellt war, im stereoplay- Hörraum etwa 40 Zentimeter.

Lautsprecher
Beide Treiber spielen per eigene Druckkammer auf das mehrfach gefaltete Basshorn mit großer, rückwärtiger Öffnung.
© Lowther Academy

Auch sonst tönte die Box mit der Vintage-Anmutung erstaunlich modern: Katie Meluas Stimme bei "Lucy In The Sky With Diamonds" (von der stereoplay- CD "Ultimate Tunes Vol. 3") stand mit traumwandlerisch natürlicher Positionierung frei im Raum, mit stupender Feindynamik, vielleicht etwas energischer und weniger feingezeichnet als gewohnt, aber herausragend homogen. Geradezu in "Anfassqualität" konnte man die akustischen Gitarren greifen, die selbst die skeptischsten Mehr-Wege-Anhänger zum Nachdenken brachten, folgte die Box doch auch rhythmisch dem Geschehen mit Musikalität und Drive.

Weniger energetisch ging es dagegen bei Klassik zu: Nicht, dass die Lowther nicht das Orchester wuchtig und traumhaft dreidimensional projiziert hätte. Doch so warm und körperreich Streicher und Vokalsolisten bei Bruckners "Messe Nr. 3" (dirigiert von Robin Ticciati) auch tönten, so ließen sie doch auch Höhenglanz vermissen und changierten in den Klangfarben, was gerade im Zusammenhang mit dem Chor etwas historisch und in der Auflösung limitiert rüberkam.

Lautsprecher
© Lowther Academy

Lieber wieder schnell zu erdiger, weniger verkopfter Musik gewechselt: Gary Moores Gitarre bei "Back To The Blues" klang so druckvoll wie direkt aus einem Marshall-Amp vor dem Hörer, die Band satt und impulsgenau. Dafür nehmen Fans von Groove und Direktheit gerne Abstriche bei Klangfarben- Genauigkeit und Auflösung in Kauf.

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