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Vollverstärker

Luxman L-505uX Mark II im Test

Beim L-505uX Mark II von Luxman setzen die Japaner auch bei diesem Verstärker auf die Old-School-Optik, wenn gleich viele ihrer Geräte ein modernes Aussehen haben. Gut so, macht doch das Design schon ziemlich klar, worum es hier geht.

Luxman L-505uX Mark II im Test

© Luxman

Luxman L-505uX Mark II

Pro

  • superbe MM/MC-Phonostufe
  • bei hohen Pegeln stressfrei und souverän

Contra

Fazit

stereoplay-Testurteil: 92 Punkte; Klang: absolute Spitzenklasse (57 Punkte); Preis/Leistung: überragend

Auf einem Poster in den Bussen des Münchener Verkehrsverbandes steht: „Beim MVV ist jeder ein VIP – deshalb ab 21.00 Uhr vorne einsteigen.“ Nun kann man über die Argumentation diskutieren, aber dass hier jeder Kunde König ist, erinnert ein wenig an Luxman. Warum? Dort ist der L-505uX mk2 das in der Hierarchie am weitesten unten stehende Vollverstärkermodell. 

Dennoch wird sich der Käufer wie ein VIP, ja wie ein König fühlen, muss er doch kaum Abstriche machen und bekommt für sein Geld (immerhin 4490 Euro) einen unverwechselbaren Boliden, den man besser nicht allein trägt und der schon glücklich macht, wenn man ihn nur anschaut. 

Die Mark-II-Version löst die erste Version des 2011 erschienenen Verstärkers ab. Selbstverständlich wurde hier die Gelegenheit genutzt, zahlreiche Aspekte zu überarbeiten.

Luxman L-505uX Mark II - Update

Dies sieht man schon beim Blick in die technischen Daten. So ist etwa der Dämpfungsfaktor der Mark-II-Version höher, wohingegen die Leistung gleich geblieben ist. Der Transformator wurde verbessert, und die Verzerrungen konnten gegenüber dem Vorgänger ebenfalls reduziert werden (auch wenn das nicht unbedingt nötig gewesen wäre). 

Am MM/MC- Phonoboard scheint es keine Änderungen gegeben zu haben,hier sind die technischen Daten identisch. Den Rauschabstand gibt Luxman mit 91 dB bei MM und 75 dB bei MC an, unser TestLab hat 84 dB und 69 dB gemessen, was sehr ordentlich ist. Einstellen lässt sich hier freilich nichts, MMs stoßen auf 46 Kiloohm/240 pF, MCs auf 120 Ohm. Das sind praxisgerechte Werte.

Luxman L-505uX Mark II - Stromverbrauch

Ansonsten stehen in den Kondensatoren des Luxman L-505 uXII ganze 40.000 μF Kapazität zur Verfügung. Wer Erbsen zählen will, kann an dieser Stelle feststellen, dass die Elkos des Luxman L-509x 80.000 μF aufbieten. Dafür verbraucht dieser im Leerlauf jedoch ganze 150 Watt, wohingegen sich der L-505 geradezu genügsam zeigt und niedliche 85 Watt im Leerlauf konsumiert. 

So oder so lohnt es sich, zeitgleich mit der Anschaffung des L-505uXII schnell noch den Stromanbieter zu wechseln und auf Ökostrom aus erneuerbaren Energien oder Windkraft umzusatteln. Planet Erde dankt es Ihnen. 

Luxman L-505uX Mark II im Test - Innen

© Luxman

Über dem Trafo sitzen die vier Netzteil-Siebelkos mit jeweils 10.000 µF Kapazität. Vorne rechts, unscheinbar, aber aufwendig: der prozessorgesteuerte Pegelregler mit Spannungsteilern aus Festwiderständen.

Luxman L-505uX Mark II - LECUA

Mit Verstärkern von Luxman verbindet man auch immer den Begriff LECUA. Die Buchstabenfolge steht für die wenig bescheidene Bezeichnung Luxman Electronically Controlled Ultimate Attenuator und bezeichnet einen prozessorgesteuerten Pegelregler, der Spannungsteiler aus Festwiderständen schaltet. 

Der Abhörpegel lässt sich in 88 fein abgestuften Schritten einstellen, das Audiosignal wird dabei nicht verschlechtert. Das fühlt sich freilich genauso an, wie man das von einem Potentiometer kennt, soll halt nur die Nachteile einer klassischen Lautstärkeregelung wie Rauschen und Kanalungleichheit umgehen. 

Obwohl man den Pegel auch per Fernbedienung ändern kann, empfiehlt Luxman das händische Vorgehen am Gerät selbst. Die haptische Erfahrung der feinen Rasterung soll das Einstellen des Pegels intuitiv geschehen lassen. Nun kann man sagen, dass hier Marketing-Experten aus dem Ruder gelaufen sind, aber man kann auch feststellen, dass sich das Ding wirklich gut und angenehm bewegen lässt. 

Die eingesetzte LECUA- Version ist hier etwas einfacher gehalten als in den teureren Vollverstärkern, aber das ist kein Grund, sich automatisch nach einem „größeren“ Modell umzusehen. 

Unserer Ansicht nach trifft das auch auf die Ausgangsleistung zu, die beim 505 zwar geringer ist als bei den größeren Geschwistern 507 und 509, die mit 119 Watt an 8 und 192 an 4 Ohm aber erstens ziemlich ausreichend sein sollte und zweitens bei den größeren Modellen nur unwesentlich größer ausfällt.

Luxman L-505uX Mark II - ODNF

Immer diese Akronyme! Was soll denn nun schon wieder ODNF bedeuten? Die Antwort lautet: Only Distortion Nega tive Feedback. Mittlerweile in Version 4.0 sorgt diese Verstärkungsrückkopplungsschaltung für eine schnelle Spannungsanstiegsrate und eine hohe Bandbreite. Zudem sollen weniger Verzerrungen auftreten.

Luxman L-505uX Mark II - Diskrete Pufferschaltung

In der Ausgangsstufe, die in paralleler Push-Pull-Schaltung arbeitet, findet sich auch eine neue diskrete Pufferschaltung, die derjenigen aus der Vorstufe C-900u entlehnt ist. So soll das Signal mit mehr Strom versorgt werden können. 

A propos: Die Stromversorgung kann sich ebenfalls sehen lassen. Dem EI-Core-Leistungstransformator stehen vier 10.000-µF-Kondensatoren zur Seite. Die Verkabelung im Inneren wurde so ausgeführt, dass die Signale bei ausgeschalteten Klangreglern den kürzest möglichen Weg zurücklegen. 

OFC-Kabel sind hier bei Luxman selbstverständlich, Übersprechen verhindern die Entwickler mit einer integrierten Schaltung, und die Lautsprecher-Relais liegen parallel, was den Kontaktwiderstand senkt und zu einem besseren Dämpfungsfaktor führt.

Luxman L-505uX Mark II im Test - Vorderseite

© Lux

Die Vorderseite des L-505uX Mark II von Luxman.

Luxman L-505uX Mark II - Vorderseitige Regler

Interessant geht es aber nicht nur im Inneren des Luxman zu, sondern traditionellerweise auch außen. Die Front kann einen nervös machen – im positiven Sinne. Hier finden sich zahlreiche Drehknöpfe, die, das ist tatsächlich unser einziger Kritikpunkt, sich etwas billig anfühlen, zumindest gemessen am Preis des Luxman. 

Ab dem nächstteureren Modell (L- 507uX, 6000 Euro) bieten die Amps griffigere (und zumindest optisch hochwertigere) Schalter. Dafür hat man aber schon beim „kleinen“ Luxman viel einzustellen. Von links nach rechts: Der Monitor-Knopf wählt den Monitor-Eingang, einen analogen Eingang, auf der Rückseite aus. 

Bei „Cartridge“ wählt man aus, ob man einen MM- oder einen MC-Tonabnehmer an den Phono-Eingang anschließt. Mit „Speaker“ wählt man das angeschlossene Lautsprecher-Paar an (A, B oder A+B). Dann folgen die Klangregelung und die Balance, die sich mit dem folgenden Line-Straight-Taster umgehen lässt (was den Klang tatsächlich noch eine Spur klarer macht!), und schlussendlich wählt man mit dem Separate-Taster zwischen Vollverstärker- und Endverstärker-Betrieb. 

Luxman L-505uX Mark II - Rückwärtige Anschlüsse

Auf der Rückseite geht es spartanischer zu, aber beileibe nicht langweilig: Hier stöpselt man nicht nur seinen Plattenspieler an den wirklich exzellenten Phono-Eingang an, sondern auch bis zu fünf analoge Hochpegel- aka Line-Quellen (wer hat so viele?) und eine Quelle per XLR. Deren Phase lässt sich invertieren, was nur bei ganz wenigen älteren Geräten nötig sein dürfte, da es in der Vergangenheit vereinzelt zu einer abweichenden Belegung der Pins kam. 

Luxman L-505uX Mark II - VU-Meter, Fernbedienung & Kopfhörerausgang

Die VU-Meter sind natürlich ziemlich klassisch und gehören an so einem Verstärker einfach dazu, sie lassen sich dennoch ausschalten – zumindest die Hinterleuchtung, nicht die Zeigerelemente selbst. Eine Fernbedienung, die mit ihren sehr kleinen Knöpfen und ihrer strengen Optik an alte Zeiten erinnert, liegt bei und bietet mit einer Loudness-Taste noch eine zusätzliche Klangoption. 

Die Loudness lässt sich aber naturgemäß nur einschalten, wenn „Straight Line“ ausgeschaltet ist, aber auch das kann man per Fernbedienung bewerkstelligen. Last but not least findet der Kopfhörerfreund auf der Front (und nicht, wie man es tatsächlich manchmal antrifft, auf der Rückseite) einen Kopfhörerausgang in Form einer 6,3-mm- Klinke. Alles andere wäre hier auch unpassend.

Luxman L-505uX Mark II im Test - Rückseite

© Luxman

Digitaleingänge? Neumodischer Kram! Stattdessen doppelte Lautsprecherklemmen, gleich zwei Aufnahme-Ausgänge, ein XLR-Eingang und ein exzellenter MM/MC-Phono-Eingang.

Luxman L-505uX Mark II - Klangbeurteilung

Verstärker klanglich zu beurteilen ist nicht immer ganz einfach. Unterschiede rauszuhören kann ebenfalls strapaziös sein. Kann, muss aber nicht. Der Luxman macht es einem leicht. Er hat ein paar Tugenden, die man sofort hört. Dazu zählt seine enorme Kontrolle im Bass. Dazu zählt auch, dass er selbst bei heftigen Abhörpegeln völlig stressfrei und locker klingt. 

In der Summe sind seine Qualitäten derart überzeugend, dass man sein Preisschild plötzlich mit anderen Augen sieht. Ein paar Beispiele: In unserem Hörraum steht gerade eine Gauder Akustik Darc 200. Die 64.000-Euro-Boxen spielen sich für den Test in der nächsten Ausgabe warm. Sie liefen an mehreren Verstärkern, an keinem jedoch so überzeugend wie am Luxman. 

Mit dieser Kombi hörten wir überwiegend Rockmusik, und zwar in Lautstärken, die ich sonst nicht aushalte. Aber die beiden machten Kon- zertpegel möglich ohne einen Hauch von Schärfe oder Anstrengung. Der ohnehin saubere Bass der Darc 200 legte am Luxman klar an Kontur zu und war schlicht spektakulär. 

Das zeigte sich selbst bei Songs, bei denen man das vielleicht nicht unbedingt erwarten würde, zum Bespiel bei „Rock And Roll Ain’t Noise Pollution“ (von AC/ DC), „Velvet Snow“ (von Kings Of Leon) oder „Killing In The Name“ (von Rage Against The Machine). Sagenhaft! 

Beim fröhlichen Dreh am Lautstärkesteller, der sich geschmeidig bewegen lässt, fällt übrigens kein Unterschied zu „herkömmlichen“ Drehern auf, LECUA hin oder her. Besondere Freude bereitet jedoch der Quellwahlschalter, der herrlich satt einrastet und klackt.

Luxman L-505uX Mark II - Klangbild

Was beim Luxman immer wieder auffällt, ist seine Unmittelbarkeit. Das Klangbild ist schnell, ohne asketisch zu sein, und macht nicht nur mit Rock, sondern gerade auch mit Klassik viel Freude. Die bereitet übrigens auch der wirklich superbe Phono-Zweig, der den Preis des Luxman L-505uXII weiter relativiert, würde das Phonoboard als Stand-alone-Version geschätzt einen vierstelligen Preis tragen.

Angeschlossen hatten wir unter anderem den AVM Evolution R5.3, in dessen Headshell das traumhaft gute AMG Teatro saß. Dieses Trio muss man sich eigentlich mal anhören, so grandios klingt das! Queens „Who Needs You“ bot einen verblüffenden Gitarrensound, unheimlich detailliert, ohne zu sezieren, und dennoch wunderbar musikalisch und emotional. 

Michael Jacksons „Bad“ zeigte eindrücklich, wie grandios Popmusik klingen kann und wie viel Feinschliff im Sound dieses Albums steckt. Schließlich hat der Luxman ein Faible für Stimmen aller Art und lässt somit den Zuhörer sowohl staunen als auch lauschen. Ein Traumgerät!

Fazit

Das ist ein Vollverstärker, wie er im Buche steht. Rein analog zugänglich und bestückt mit einer superben MM/MC-Phonostufe klingt er sagenhaft, vereint Stärke und Gefühl, Tempo und Schmelz, softet nicht ab, bleibt aber auch bei mörderischen Pegeln stressfrei und souverän. Ein Volltreffer!

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